23.08.2020 - 15:03 Uhr
Terschnitz bei LeonbergOberpfalz

Lama-Mist hilft durch die Corona-Krise

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Statt regem Treiben herrscht auf dem Lama-Hof von Jutta Fischer seit Monaten gähnende Leere. Ohne Gruppen- oder Einzelstunden findet Fischer allerdings Zeit für andere Projekte: etwa die Vermarktung von Lama-Dünger.

Jutta Fischer vermarktet den Mist ihrer fünf Suri-Lamas Luciano, Richard, Siggi, Vailoso und Zambesi. Den natürlichen Lama-Dünger stellt sie von Hand her.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Die pädagogischen Angebote von Jutta Fischer auf ihrem Lama-Hof "Lucianos Welt" in Terschnitz mussten wegen der Coronakrise ausfallen. Schlagartig fielen der Fachkraft für tiergestützte Pädagogik und Therapie alle Gruppen- und Einzel-Interventionen weg. Doch so hatte die Heimatunternehmerin Gelegenheit, sich anderen Ideen zu widmen, für die im Alltag wenig Zeit bleibt. Lange dachte die 57-jährige Waldsassenerin schon daran, den Mist ihrer fünf Tiere zu vermarkten. Sie selbst düngt damit ihr Gemüsebeet und andere Pflanzen. Auch Freunde nahmen ihr die kleinen, olivenförmigen Kötel eimerweise ab.

Hochwertiger Dünger

Lamas seien sehr gute Nahrungsverwerter, weiß Fischer. Ihre Ausscheidungen ergeben einen hochwertigen Dünger für Pflanzen, Blumen und Gemüse. Der getrocknete Dung ist zu Hundert Prozent biologisch mit guten Mineralstoffen, ohne schädliche Zusatzstoffe, geruchsarm und wird vom Boden gut aufgenommen. Lamas sind Wiederkäuer, weswegen der Dünger keine Fremd- oder Unkrautsamen hat. "Das besondere ist das ausgewogene Verhältnis an den Nährstoffen Phosphor, Kalium und Stickstoff", erklärt die Waldsassenerin. Lama-Kot enthalte kaum Wasser sowie weniger organisches Material als anderer Mist und eigne sich daher besonders gut als Dünger. Fischer bietet diesen in seiner ursprünglichen Form getrocknet oder fein gemahlen als Pulver an. Der Kot wird von ihr in Handarbeit mit Rechen und Schaufel eingesammelt, verlesen und mehrere Tage an der Sonne luftgetrocknet. Dann häckselt die Lama-Hof-Betreiberin die kleinen Kötel mit einem Küchen-Zerkleinerer. Fein gemahlen füllt sie das Pulver in kleine Tütchen ab.

Der Lama-Dünger ist im Hofladen auf der Straußenfarm in Mitterhof beim Heimatunternehmer-Kollegen Matthias Frank zu kaufen oder direkt über Fischers Homepage zu bestellen. "Die Kacke zu Gold machen" funktioniere allerdings weniger, denn Fischer investiert sehr viele Arbeitsstunden in die Verarbeitung.

Zu Besuch auf dem Lama-Hof von Jutta Fischer

Terschnitz bei Leonberg

Neben dem Lama-Dünger-Projekt stand im Frühsommer in "Lucianos Welt" eine weitere große Aktion an. Die 57-Jährige scherte ihre Tiere heuer zum ersten Mal selbst. Je nachdem, wie dicht das Fell der langhaarigen, zotteligen Suri-Lamas ist, steht einmal im Jahr eine Teil- oder Komplett-Schur an. 2018 hatte Fischer das erste mal einen Scherer da. Dieser war zwar sehr ruhig und routiniert, "trotzdem war es für meine Lamas mehr als unangenehm", berichtet die Besitzerin.

Die Fluchttiere mögen es gar nicht, an Hals oder Beinen angefasst und festgehalten zu werden. 2019 kam ein anderer Scherer, der einen ungeübten Helfer dabei hatte, und unter Zeitdruck stand. "Die Unruhe war deutlich zu spüren. Für mich und meine Tiere war das purer Stress", sagt Fischer. Sie beschloss, dass sie das so nicht mehr erleben möchte.

Eigentlich wollte sie selbst einen Schur-Kurs bei einem Lama- und Alpaka-Züchter in Südtirol machen, doch dies ging wegen der Pandemie nicht. Die Stiftländerin fragte ihn dennoch nach Tipps. Besonders wichtig sei für die Tiere eine gewohnte Umgebung und vertraute Personen. "Ich war schon etwas angespannt", verrät die 57-Jährige im Nachhinein. Denn Siggi, Luicano und Richard trugen dicken Pelz. Fischer wollte sie komplett scheren. Erst hatte sie den Plan, das Grobe mit der Schere abzuschneiden, und die Feinarbeit mit dem Apparat zu machen. Doch mit der Schur-Maschine ging das nicht so einfach. Sie lag ihr nicht sehr gut in der Hand. Deshalb arbeitete Fischer mit der Schurschere. Immer wieder wenn es passte, griff sie zur Schere und "frisierte" ihre Tiere -auch ohne Halfter, dort wo sie gerade standen oder lagen, während sie fraßen, ohne Druck und Stress.

Großer Vertrauensbeweis

Auch wenn die Schur mit der Schere nicht ganz so sauber gelang: "Da pfeif ich drauf, dass es nicht so optimal aussieht." Ihre Schützlinge belohnte Fischer mit "Gutis" fürs Stillstehen und Bravsein. Einen Teil der Wolle der fünf Tiere gab Fischer in eine Weberei. Dort sollen Sitzkissen aus der Lama-Wolle für die Besitzerin entstehen. Dabei ist nicht nur die Wolle ein tolles Nebenprodukt. "Ich war berührt, dass die Lamas mir so vertrauen. Wir sind dadurch noch enger zusammengewachsen."

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Hintergrund:

Den Lama-Hof mit den fünf Lamas Luciano, Siggi, Vailoso, Zembasi und Richard betreibt Jutta Fischer seit September 2017. Mit „Lucianos Welt“ ist die Waldsassenerin teil der Heimatunternehmer. Die 57-Jährige behandelt ihre Lamas nach der sanften Methode „Camelidynamics“. Die fünf Tiere setzt sie überwiegend für tiergestützte Aktivitäten und Förderungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Einschränkungen ein.

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