24.09.2018 - 20:07 Uhr
Oberpfalz

Landtagskandidaten: Geschlecht egal, Beruf nicht

Haben Wähler Präferenzen für oder gegen Frauen in Wahllisten? Wissenschaftler haben herausgefunden: Das Geschlecht ist egal, der Beruf nicht. Jakob de Lazzer hat sich die Listen für die Landtagswahl durchgesehen. Eine Partei sticht heraus.

Ein Wähler füllt seinen Wahlschein zur Landtagswahl in Schleswig-Holsteinn 2012 aus.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

In politischen Gremien sitzen deutlich mehr Männer als Frauen. Doch der Wähler hat keine direkte Präferenz für männliche Politiker. Wissenschaftler haben herausgefunden: Das Geschlecht ist egal, der Beruf aber nicht. Bei den Berufen der Oberpfälzer Landtagskandidaten sticht eine Partei heraus.

Im aktuellen bayerischen Landtag sitzen 51 Frauen und 129 Männer. Der Anteil der Politikerinnen liegt bei 28,3 Prozent - obwohl es gesamtgesellschaftlich fast gleich viele Frauen wie Männer gibt. Bei den Bewerbern zur Landtagswahl 2018 beträgt der Anteil der Kandidatinnen 31 Prozent, wie der Landeswahlleiter Thomas Gößl bekanntgab. Am Wähler liegt es jedoch nicht, dass in der Vergangenheit mehr Männer als Frauen einziehen durften. Das konnten die Wissenschaftler Jakob de Lazzer und Dr. Christoph Sajons mit einem Experiment zeigen: Sie hatten fiktive Wahlscheine mit Kandidaten erstellt, die sich nur im Geschlecht unterschieden. Den Teilnehmern des Experiments war gleich, ob es sich beim favorisierten Kandidaten um eine Frau oder einen Mann handelte.

"Das Geschlecht spielt erst in Kombination mit dem Beruf eine Rolle", sagt de Lazzer. Dazu haben die Forscher Berufe in die Kategorien "typischer Männerberuf", "typischer Frauenberuf" und "neutral" eingeteilt. Besonders Männer in Männerberufen kommen der Studie zufolge gut beim Wähler an. Zum Beispiel würden sie einem Landwirt mehr Stimmen geben als einem Kindergärtner. Bei Kandidatinnen ist der Vorteil eines stereotypen Berufs nicht ganz so stark, dennoch erhält eine Grundschullehrerin mehr Stimmen als eine Physikerin, die in einer Männerdomäne arbeitet. "Es gibt insgesamt eine Vorliebe für Männerberufe, nicht für Männer", betont de Lazzer, der an der Humboldt-Universität in Berlin arbeitet. Männer haben also einen indirekten Vorteil: Da es hauptsächlich Männer in Männerberufen gibt, haben es diese Bewerber leichter, Stimmen zu erhalten.

Auf den Oberpfalz-Listen zur Landtagswahl findet der Wissenschaftler vor allem Kandidaten mit neutralen Berufen wie Juristen und Verwaltungsmitarbeiter. Bei den Freien Wählern gibt es dagegen mit Unternehmer, Geschäftsführer und Wirtschaftsingenieur einige typische Männerberufe. Die Jobs der vier Frauen dieser Liste sind geschlechtsneutral (Anwältin), typisch weiblich (Hotelfachfrau und Sachbearbeiterin) und eher männlich (Bürgermeisterin). Die Berufe der SPD-Kandidaten sieht de Lazzer als geschlechtsneutral. Auch bei der CSU sticht fast kein Kandidat heraus. Die Ausnahme ist Rita Blümel aus Schierling, die als Bäuerin einen Männerberuf ausübt.

"Bei den Grünen ist auffällig, dass sie einige nicht-stereotype Kandidaten haben", sagt de Lazzer. Jürgen Mistol etwa. Der Regensburger gibt auf der Bewerberliste Krankenpfleger an. Damit hat er einen Frauenberuf ergriffen. Tina Winklmann arbeitet dagegen in einer Männerdomäne: Sie ist Verfahrensmechanikerin.

Berücksichtigen die Parteien die Berufe ihrer Kandidaten beim Aufstellen der Listen? Der Forscher meint: "Die werden sich solche Gedanken nicht gemacht haben. Und es ist davon auszugehen, dass die Parteien ihre Listen nicht rein nach dem besten Wahlergebnis erstellen."

Weniger Frauen:

Kaum Frauen in Parlamenten?

Die Studie von Dr. Christoph Sajons und Jakob de Lazzer hat die Wähler-Seite untersucht. Warum weniger Frauen als Männer politischen Gremien angehören, liegt jedoch auch an den Politikern selbst. Andere Untersuchungen haben herausgefunden: Frauen stellen sich zur Wahl, sind weniger kompetitiv, fühlen sich in Konkurrenz-Situationen, wie es sie in der Politik ständig gibt, weniger wohl, haben auf innerparteiliche Machtkämpfe weniger Lust als Männer. Außerdem: In dem Alter, in dem Männer zum ersten Mal erfolgreich in Parlamente einziehen, sind viele gleichaltrige Frauen mit Kindererziehung beschäftigt. (esa)

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