23.02.2021 - 10:56 Uhr
Lanz bei StörnsteinOberpfalz

Nichts für Warmduscher: Eisbaden im Plößberger Weiher

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Eisbaden ist ein Trend, aber keineswegs neu. Schon Johann Wolfgang von Goethe hat sich im eisigen Wasser abgehärtet. Warmduscher werden keinen Spaß daran finden. Markus Roll aus Lanz bei Störnstein hingegen geht das Herz auf.

Markus Roll beim Eisbaden im Großen Weiher in Plößberg.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Immer mehr Gesundheitsbewusste tauchen ein in eine Freizeitbeschäftigung, die Überwindung kostet und dem Körper einiges abverlangt. Klamotten ausziehen, rein ins eisige Wasser und nach wenigen Augenblicken wieder raus. Klingt ganz einfach. Das Eisbaden oder auch Winterschwimmen hat es aber in sich. Der Lanzer Markus Roll ist seit Jahren leidenschaftlicher Winterschwimmer. Er erklärt, was man beachten muss und warum ihn dieser Sport so fasziniert.

Der 51-Jährige treibt das ganze Jahr hindurch regelmäßig Sport. Im Sommer gehört das Schwimmen im Großen Weiher in Plößberg zum wöchentlichen Programm. "Vor vier Jahren habe ich dann im Herbst einfach weitergemacht mit dem Schwimmen. Jeden Tag bin ich geschwommen. Und das habe ich durchgezogen bis Ostern", erzählt Roll. Abhärtung verschafft ihm seit jeher tägliches Wechselduschen. So ist der Körper zumindest etwas vorbereitet auf den Kälteschock. "Aber wenn man dann im Winter hier im eisigen Wasser steht, ist das schon nochmal eine andere Hausnummer als daheim unter der Dusche", meint der zweifache Vater mit einem Schmunzeln.

Ruhige Atmung wichtig

Die Vorbereitungen sind angesichts der dicken Eisschicht, die fast den kompletten Weiher überzieht, nicht unerheblich. Mit einem Hammer klopft sich Roll eine etwa zwei Quadratmeter große Fläche frei. Seine Frau Sandra misst die Wassertemperatur mit einem Infrarotthermometer. Auf dem Display sind knackige 0,3 Grad Celsius abzulesen. Der 51-Jährige zieht seine Thermokleidung aus, schlüpft in Neoprenschuhe und begibt sich dann in aller Ruhe Schritt für Schritt in das frostige Vergnügen. "Man muss auf seine Atmung achten. Schön tief und ruhig in den Bauch schnaufen." Arme und Kopf sollten nicht ins Wasser getaucht werden. Bei seinen ersten Eisbädern hielt er die Kälte nur für Sekunden aus. Mittlerweile hat Roll diese Zeit bis auf etwa drei Minuten ausgebaut.

In Amberg hat Eisbaden Tradition

Amberg

Es ist kein Bibbern oder Frösteln zu erkennen. Ganz entspannt fühlt er, wie sein Körper versucht, mit der Kälte klarzukommen. In Gedanken ist er schon einen Schritt weiter: "Dieses Glücksgefühl hinterher, wenn die Wärme wieder in den Körper zurückkehrt, ist so erhaben. Man wird süchtig danach." Erkältungen oder andere Infekte kenne er nicht, seitdem er sich regelmäßig dieser Herausforderung stelle. Im eisigen Wasser werde auch der Kopf wieder klar.

Gesundheitlicher Faktor

Der gesundheitliche Faktor des Eisbadens sei enorm. Allerdings müsse man danach etwas Zeit für sich einplanen. "Man muss in trockene Kleidung schlüpfen und sich einen warmen Tee oder etwas Brühe gönnen. Auf keinen Fall sollte man gleich heiß duschen. Es sollte langsam vonstatten gehen." Ein weiterer Nebeneffekt: "Eisbaden macht müde. Du schläfst einfach wunderbar". Nicht ratsam sei, die Aktion in der Frühe vor der Arbeit zu starten. Roll: "Wenn man danach im Büro sitzen muss, wärmt man sich nicht mehr auf. Es ist besser, wenn man sich danach leicht bewegen kann."

Nach dem dreiminütigen Bad zieht sich der 51-Jährige zügig an. Vor allem seine Hände sind eiskalt. Auch wenn es an dem sonnigen Nachmittag bei 12 Grad Celsius fast frühlingshaft ist, kann er sich nun im Freien nicht weiter gemütlich unterhalten. Die Kälte sitzt jetzt tief in seinem Körper. Zusammen mit seiner Frau fährt er heim, um sich bei einer Tasse Tee langsam aufzuwärmen und das einsetzende Glücksgefühl auszukosten.

"Dieses Glücksgefühl hinterher, wenn die Wärme wieder in den Körper zurückkehrt, ist so erhaben. Man wird süchtig danach."

Markus Roll

Markus Roll

Hintergrund:

Eisbaden

Winter- oder Eisbaden ist das Baden bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt, wobei man bis zur Brust ins Wasser steigt. Durch die plötzlich eintretende Kälte ist man einem starken Temperaturreiz ausgesetzt. Um sich warm zu halten, reagiert der Körper, indem er schnellstmöglich Wärme produziert. Dabei weiten sich die Gefäße, die sich nach dem Temperatursturz kurzfristig zusammengezogen hatten. Das Blut kann schneller zirkulieren, der Kreislauf stabilisiert sich.

  • Regelmäßiges Eisbaden kann das Immunsystem stärken und so vor Infekten schützen. Darüber hinaus wird der Einsatz von Kälte mit einer körperlichen Leistungssteigerung in Verbindung gebracht. Denn auf extrem niedrige Temperaturen reagiert der Körper auch, indem er wertvolle Stoffe wie Adrenalin, Endorphine sowie entzündungshemmende Kortikoide ausschüttet. Nach einer körperlichen Anstrengung kann der Körper so schneller regenerieren.
  • Kälte kurbelt den Stoffwechsel an. Eisige Temperaturen aktivieren zudem die braunen Fettzellen im Körper. Weil die Kältebehandlung außerdem die Durchblutung im Bindegewebe anregt, können regelmäßige Eisbäder auch Cellulite mindern.
  • Um seine Gesundheit nicht zu riskieren, ist es wichtig, sich nicht länger als wenige Sekunden oder Minuten im Wasser aufzuhalten. Außerdem sollte man sich zuvor gut aufwärmen – sei es durch etwas Bewegung oder dicke Kleidung. Gleiches gilt für die Zeit nach dem Bad. So reduziert man die Gefahr einer Unterkühlung auf ein Minimum.
  • Es ist ratsam, nicht alleine zu baden. Bei einem Schockzustand können Begleitpersonen helfen. Grundsätzlich gilt: Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden sollten kein Winterbaden praktizieren. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Kreislaufproblemen oder Diabetes. Im Zweifel ist ein Gespräch mit dem Arzt unerlässlich.

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