Beginnt Luisa Zeitler mit einer Arie, dann glaubt man, in einer Oper zu sitzen und einer ausgebildeten Sängerin zu lauschen. Aber Luisa ist keine Opernsängerin und erst 15 Jahre alt. Das sorgt natürlich für Aufsehen. Vor einiger Zeit hat sie die Eröffnung einer Ausstellung im Museumsquartier in Tirschenreuth mitgestaltet. Die Hauptsache wurde zur Nebensache: Die Gäste schenkten bei der Vernissage ihrem Gesang mehr Aufmerksamkeit als dem Aussteller. Luisa erhielt für ihr "O mio babbino caro" von Puccini donnernden Applaus.
"Wir wissen nicht, woher sie das hat", so Mutter Gabi. Sie überlegt immer wieder angestrengt, wer in der Familie ihr dieses Talent vererbt haben könnte. Weder sie noch ihr Vater Berthold oder die zwei Schwestern könnten auch nur annähernd so schön singen. "Luisa hat gesungen, bevor sie mit dem Sprechen begonnen hat", erzählt Gabi Zeitler mit liebevollem Blick auf ihre Tochter. Natürlich ist die Familie stolz, wenn Luisa vor Publikum mit einer Leichtigkeit singt, als sei dies nichts Besonderes. Lampenfieber? "Das hatte ich nie", sagt Luisa. Für sie ist Singen einfach lebensnotwendig. Luisa interpretiert Songs von Andreas Gabalier, Whitney Houston oder Sarah Connor einfach so, aus dem Stegreif. Sie singt ihrem Baumwollhund Paul vor, singt bei ihren Pferden Paula und Amy und oftmals den ganzen Tag.
Am liebsten "Ave Maria"
Ab und zu, schmunzelt die Mama, nerve das die Schwestern. Aber "staad sein" ist nicht Luisas Natur. Das Stimmtalent trällert einfach alles nach, völlig ohne Noten. "Ich hör's im Radio. Wenn es mir gefällt, suche ich den Text im Internet, drucke ihn aus und singe es nach", erzählt Luisa, wie das "Lernen von Liedern" bei ihr abläuft. Am liebsten singt sie ein "Ave Maria" auf Lateinisch. Ein wunderschöner Klassiker, für den sie inzwischen auf Hochzeiten, Geburtstagen oder Jubiläen für die Kirche gebucht wird. Oder sie singt Musicalsongs und beliebte Filmtitel wie aus "Tanz der Vampire" oder "Bodyguard", den sie in Stuttgart erleben durfte.
Erst jüngst verblüffte Luisa bei einer Schulveranstaltung zum Jubiläum "800 Jahre Neustadt/WN" mit dem Titelsong des Films "Titanic" von Celine Dion, "My Heart will go on". "Wenn ihr nur alles so leicht fallen würde wie das Singen", schmunzelt die Mama im Hinblick auf die Schule augenzwinkernd.
Luisa will übrigens partout nicht Sängerin werden. Sehr zum Bedauern der Gesangslehrerin Carol Bischoff von der Kreismusikschule Tirschenreuth, wo sie Unterricht bekommt. Die hofft, dass sie ihre Meinung noch einmal ändert. Einmal die Woche kommt sie in den Unterricht. "Sie ist ein außergewöhnliches Naturtalent. Singen fällt ihr derart leicht, dass es eine Freude ist", so Carol Bischoff. Deshalb hat die Kreismusikschule beschlossen, Luisa zu fördern, wenn sie das möchte. Sie ist in diesem Musikschuljahr für ein Stipendium zur Teilnahme an einer Förderklasse mit Einzelunterricht und weiteren Ausbildungselementen vorgesehen. Luisas Mama soll's recht sein, wenn sich das noch hinauszögert. Denn nächstes Jahr muss ihre Tochter den Realschulabschluss machen. "Dann werde ich Rettungssanitäterin", erzählt Luisa.
Seminar in Landshut
"Singen kann sie immer nebenbei. Hauptsache, unsere Kinder finden einen Beruf, der sie ausfüllt", meint auch ihre Mutter, die ihre Tochter bei jeder Entscheidung unterstützt, recht. Aber ihr Talent ist und bleibt etwas Besonderes. Das ist sogar bereits bis zum Staatsministerium für Unterricht und Kultus durchgedrungen. Ende Juli durfte Luisa ins Feriensommerseminar des Ministeriums nach Landshut. Luisa war eine von nur 24 auserwählten Schülerinnen und Schülern aus ganz Bayern, die aufgrund ihrer Hochbegabung dorthin eingeladen wurden.















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