19.07.2019 - 17:36 Uhr
LeonbergOberpfalz

Angst um Tirschenreuther Kreißsaal

Der Kampf um den Erhalt der Krankenhäuser im Landkreis Tirschenreuth geht weiter. Nun macht die Runde, dass auch der Kreißsaal in Tirschenreuth geschlossen werden soll. Ist es nur ein Gerücht?

Mutter und Baby auf der Geburtsstation in Tirschenreuth.
von Josef RosnerProfil
Ein Baby auf der Geburtsstation in Tirschenreuth.
Leonbergs Bürgermeister Johann Burger ruft zum Widerstand gegen eine mögliche Schließung des Tirschenreuther Kreißsaals auf. „Ich will nicht, dass unsere Kinder auf der A93 im Auto zur Welt kommen", sagte er.

Die Krankenhaus-Landschaft im dünn besiedelten Landkreis Tirschenreuth ist weiter ein heißes Eisen. Die Akutstation des Krankenhauses Waldsassen ist erst Anfang des Monats geschlossen worden. Nun macht das Gerücht die Runde, dass der Kreißsaal im Krankenhaus Tirschenreuth auf der Streichliste stünde.

Wie sehr das Thema unter den Nägel brennt, zeigt die Tatsache, dass die kleine Gemeinde Leonberg in einer Gemeinderatssitzung in die Offensive ging und das Thema auf den Tisch brachte. Der Bürgermeister selbst schnitt das Thema im öffentlichen Teil an. "Die Entbindungsstation Tirschenreuth soll geschlossen werden, hört man munkeln", so begann Bürgermeister Johann Burger sein knappes Statement. Das dürfe auf gar keinen Fall passieren. "Dieser Kreißsaal wird nicht geschlossen, den brauchen wir. Wir müssen hier hellhörig sein", sagte Burger weiter. Er forderte seine Gemeinderäte und die Bürger dazu auf, für das Tirschenreuther Haus Flagge zu zeigen. "Wir wollen nicht, dass unsere Kinder auf der A 93 zur Welt kommen. Unsere Frauen und Mütter müssen klar wissen, dass Tirschenreuth erhalten bleibt. Gefordert seien alle Bürger, sich entschlossen zu wehren, falls es wirklich solche Pläne gebe, sagte Burger. Er erntete dafür Zustimmung im Gemeinderat.

Burger hatte sich diese Aussage gut überlegt. Der Bürgermeister sagte auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass die Geburtstation schon vor einigen Jahren hätte geschlossen werden sollen, dies aber noch abgewendet worden sei. "Jetzt haben wir mit Dr. Michael Rüth einen jungen engagierten Chefarzt und viele Hebammen, aber dennoch soll geschlossen werden", schimpfte Burger. Entschieden forderte er seine Gemeinderatskollegen auf, hier äußerst wachsam zu sein, "wir können uns doch nicht alles bieten lassen". Nach der Schließung des Krankenhauses Waldsassen drohe hier der nächste Einschnitt. Max Zintl (CSU) sagte: "Ich glaube, dass sich vor der Kommunalwahl nicht viel tun wird, aber danach gibt es kein Halten mehr, dann fallen Entscheidungen."

Die Kliniken Nordoberpfalz AG kommentierte die Diskussion auf Nachfrage mit der Aussage, dass sie die flächendeckende Gesundheitsversorgung in der Region auch weiterhin sicherstellen wolle. Hierzu gehöre auch, die Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth aufrechtzuerhalten und diese fortzuführen. Dennoch hätten sich der wirtschaftliche Druck und der Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren rasant verschärft. Um dem entgegenzutreten, seien zukunftsfähige Strukturen geschaffen worden, mit denen eine heimatnahe Geburtshilfe in der nördlichen Oberpfalz gesichert und auf ein herausragendes Qualitätsniveau gehoben worden sei, das für Häuser dieser Größenordnung ungewöhnlich sei.

Michael Reindl, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Patientenbelange, erläutert: "So ist das Krankenhaus Tirschenreuth bayernweit wohl das einzige Krankenhaus ohne Kinderklinik, das von einem Chefarzt (Dr. Michael Rüth) mit den Zusatzqualifikationen Spezielle Geburtshilfe und Perintalmedizin geleitet wird. Auch durch diese Kompetenz sowie das hohe Engagement des Teams um Dr. Michael Rüth und den familiären Charakter vor Ort hat sich die Geburtshilfe in Tirschenreuth einen hervorragenden Ruf erarbeitet und stellt einen wichtigen Bestandteil im Portfolio der Angebote dar", so die Kliniken Nordoberpfalz AG in ihrer schriftlichen Stellungnahme.

Die Planungen sähen vor, die Geburtshilfe Tirschenreuth weiter zu betreiben. Die wirtschaftliche Komponente werde hierbei über den Sicherstellungszuschlag Geburtshilfe des Freistaats Bayern abgebildet. Mögliche auftretende personelle Engpässe seien jedoch nicht absehbar. Diese könnten gegebenenfalls dazu führen, dass bestimmte Dinge nicht mehr geleistet werden können und das Angebot dadurch eingeschränkt werde. "Wir setzen jedoch alles daran, die Geburtshilfe Tirschenreuth weiter in gewohntem Maß zu betreiben." Insgesamt unterlägen die Versorgungsstrukturen in der Region durch die sich wandelnden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen einem permanenten Wandlungsbedarf.

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