31.08.2021 - 13:14 Uhr
LeonbergOberpfalz

Freie Wähler wollen autonomes Fahren im Landkreis Tirschenreuth testen

Wie schauen künftige Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum aus? Beim Austausch mit Bezirksrätin Tanja Schweiger diskutierten die Freien Wähler im Landkreis Tirschenreuth auch über das autonome Fahren mit elektrischen Kleinbussen.

FW-Fraktionssprecher Hans Klupp hob besonders das Mobilitätskonzept Baxi im Landkreis Tirschenreuth hervor. Als neuen Ansatzpunkt schlugen die Freien Wähler vor, autonomes Fahren im Landkreis zu erproben.
von Martin Maier Kontakt Profil

Bezirksrätin und Landrätin des Landkreises Regensburg Tanja Schweiger nutzte einen Besuch im Landkreis Tirschenreuth zum Austausch mit ihren Parteikollegen von den Freien Wählern. Dabei tauschten sie sich laut Mitteilung im Pfarrheim in Leonberg über aktuelle Anliegen, die in beiden Flächen-Landkreisen relevant sind, aus.

Als Idee diskutierten die Anwesenden das autonome Fahren mit elektrischen Kleinbussen in der Region. Sie schlugen vor, ein Testbetrieb in einer Stadt oder Gemeinde im Landkreis Tirschenreuth anzustreben und ein entsprechendes Projekt zu beantragen. Für die Koordination solcher Projekte in Bayern sei die Regierung der Oberpfalz zuständig. Dazu müssten noch entsprechende Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden.

"Im Landkreis Regensburg gibt es Überlegungen, so ein Projekt umzusetzen", erläuterte FW-Fraktionssprecher Hans Klupp auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit Blick auf das Gespräch mit Tanja Schweiger. Wenn dies dort funktionieren sollte, wäre es auch möglich, dies in den ländlichen Raum nach Tirschenreuth zu bringen. Dabei handle es sich um kleinere elektrische Busse mit begrenzter Platzanzahl. "Dies würde genau für unsere Struktur passen", ist sich der Schönfichter sicher. Auch vor dem Hintergrund, dass es immer schwerer werde, Busfahrer zu finden, müsse diese Idee weiterverfolgt werden. Ein größeres Forschungsprojekt zum autonomen Fahren gibt es seit einigen Monaten im Landkreis Kelheim unter dem Namen "Kelride" (Hintergrund).

Beitritt zu einem Verbund

Bei dem Gespräch rückte laut Mitteilung auch die Verkehrsanbindung der ländlichen Regionen mittels Bus und Bahn an die Großstädte Regensburg und Nürnberg in den Mittelpunkt. Zukünftig sei die Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im ländlichen Raum nur über den Beitritt zu einem Verbund möglich, so die Meinung der Freien Wähler. Die gewünschten Beitritte zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und zum Regensburger Verkehrsverbund (RVV) seien aber derzeit nicht finanzierbar. Daher sollte zunächst der Beitritt zu nur einem Verkehrsverbund geprüft werden.

Fraktionssprecher Hans Klupp hob das "Alleinstellungsmerkmal" des Mobilitätskonzepts Baxi im Landkreis hervor. Viele andere hätten diese Idee übernommen. Eine große Vereinfachung wäre noch die Einrichtung einer ÖPNV-App mit entsprechender Eingabe für Start- und Zielort sowie Abrechnungsfunktionen, um die Bedienung zu vereinfachen.

Kostensätze anpassen

Weiterhin wurden die Unstimmigkeiten im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) angesprochen. Eine Anpassung der Kostensätze sei längst überfällig. Letztmals geschah dies 2014. Mit dem Paragraphen 45a in diesem Gesetz werde der Überlandlinienverkehr gegenüber dem Orts- und Nachbarlinienverkehr unverhältnismäßig benachteiligt.

Der Landkreis Tirschenreuth falle in den niedrigsten Fördersatz mit 12,60 Cent pro Personenkilometer. Wohingegen die Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt, also mit Stadt- und Landverkehr bei 18,33 Cent liegen würden. Reine Stadtverkehre mit gleicher Kilometerleistung würden sogar den Höchstsatz von 22,65 Cent bekommen. Hier sei dringender Handlungsbedarf, um den ländlichen Raum nicht aufs Abstellgleis zu bringen und örtliche Busbetriebe besser finanziell auszustatten. Bezirksrätin Schweiger plädierte auch für eine Verbundlösung, wie sie derzeit im Landkreis Regensburg geprüft werde. Diese besteht aus einer interkommunalen Verbindung (Baxi, Linienbusse) in Abstimmung mit lokalen Mobilitätslösungen.

Autonomes Fahren braucht Zeit

Amberg
Hintergrund:

Autonome Busse im Landkreis Kelheim

  • Mit dem Projekt "Kelride" will der Landkreis Kelheim modellhaft autonome Fahrzeuge in den öffentlichen Nahverkehr integrieren.
  • Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit 10,9 Millionen Euro gefördert.
  • Die zwei Elektrobusse folgen wie auf virtuellen Schienen automatisiert einer Route.
  • Die Busse fahren mit einer Geschwindigkeit von maximal 18 km/h.
  • Die Busse haben momentan noch einen Begleiter an Bord, der bei Bedarf ins Fahrgeschehen eingreifen kann.
  • Die Busse verfügen über sechs Sitzplätze und einen Rollstuhlplatz. (Quelle: Bundesverkehrsministerium und Homepage Landkreis Kelheim)
Bezirksrätin Tanja Schweiger beim Gespräch mit Hans Klupp und Ely Eibisch (von links) von den Freien Wählern.

 

 

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