Leonberg
21.01.2022 - 12:01 Uhr
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Gleichstromtrasse: Landwirte in der Gemeinde Leonberg fordern mehr Transparenz und Unterstützung

Die geplante Gleichstromtrasse (Süd-Ost-Link) durch die Region erhitzt weiter die Gemüter. Kritik wegen offener Fragen gab es nun erneut im Gemeinderat Leonberg. Zu Wort meldeten sich auch betroffene Landwirte aus Hungenberg.

Bürgermeister Johann Burger, Gemeinderat und Landwirt Peter Wührl jun., stellvertretender BBV-Kreisobmann Martin Härtl und Peter Wührl sen. (von links) zeigen bei einem Ortstermin bei Hungenberg, wo der Süd-Ost-Link nach aktuellem Stand verlaufen würde: von den Feldern im Hintergrund direkt auf die Gruppe zu. Bild: jr
Bürgermeister Johann Burger, Gemeinderat und Landwirt Peter Wührl jun., stellvertretender BBV-Kreisobmann Martin Härtl und Peter Wührl sen. (von links) zeigen bei einem Ortstermin bei Hungenberg, wo der Süd-Ost-Link nach aktuellem Stand verlaufen würde: von den Feldern im Hintergrund direkt auf die Gruppe zu.

Breiten Raum im Gemeinderat nahm wieder einmal der geplante Bau des Süd-Ost-Links durch die Firma Tennet ein. Bekanntlich soll die Gleichstromtrasse voraussichtlich durch das Gemeindegebiet verlaufen - von Pechofen her kommend an der Kriegermühle, an Hungenberg, Amesmühle und Themenreuth vorbei. Kürzlich war bekannt geworden, dass auf dem Gebiet der Gemeinde Leonberg auch noch der Bau einer Lichtwellenleiter-Zwischenstation geplant ist. Dazu sei ein Flächenbedarf von bis 1000 Quadratmetern an einem bisher nicht genannten Standort nötig.

Bürgermeister Johann Burger erinnerte in der Sitzung, dass im Zuge des Trassenbaus Kanal-, Wasser-, Telefon- und Glasfaserleitungen sowie Dränagen überquert werden müssten. Wenn dadurch Schäden entstehen, müsse die Firma Tennet dafür aufkommen, forderte Burger. "Es kann nicht sein, dass wir als Gemeinde später auf diesen Folgekosten sitzen bleiben." Weiter forderte der Bürgermeister, dass ein Sachverständiger oder Techniker vor Ort die Bauarbeiten überwacht. "Und diesen Bausachverständigen muss Tennet bezahlen."

Unverändert gelte, so der Bürgermeister, dass er auf den gemeindlichen Flurbereinigungswegen keine Schwerlasttransporter dulden werde. Im Gespräch seien bis zu 120 Tonnen schwere Gespanne. "Die Firma Tennet soll uns vor Ort erklären, wie sie dieses Problem lösen will," sagte Burger.

Keine Erfahrungswerte

Gemeinderat Peter Wührl jun. (Freie Wähler), selbst ein betroffener Landwirt, erinnerte daran, dass die Bauphase bis zu drei Jahre dauern könne. In dieser Zeit könnten Flächen im Umfeld der Trasse nicht bewirtschaftet werden. "Es werden Leitungen eingebaut, bei denen es noch keine Erfahrungswerte gibt, welche Schäden sie einmal verursachen können", so eine weitere Befürchtung. Und nicht vergessen werden dürfe, dass zusätzlich Leerrohre eingebaut werden sollen. Niemand wisse, was später einmal da hinein kommen könnte.

Keine Präsenztermine

Weiter kritisierte Wührl, dass Corona den Projekt-Verantwortlichen in die Karten spiele. "Es gibt keine Präsenzveranstaltungen, alles passiert nur noch online." Bei Videokonferenzen gebe es nicht immer eine gute Übertragungsqualität, auch in sprachlicher Hinsicht könnten leicht Missverständnisse auftreten. Es sei wichtig, Informationen direkt vor Ort zu erhalten. Tennet müsse das Verfahren transparenter machen. "Wir müssen uns nicht mehr alles gefallen lassen", betonte Wührl und wünschte sich mehr Unterstützung vonseiten der Politik - vom Landrat sowie von den Mandatsträgern aus der Region und darüber hinaus.

Zweiter Bürgermeister Max Ernstberger (CSU) sah dies genauso: "Da müssen wir die Politik mit ins Boot nehmen. Unser Landrat muss uns hier unterstützen." Ernstberger hoffte, dass bei der Trassenführung doch noch eine Änderung erwirkt werden kann. Abschließend bedauerte Ernstberger, dass es in der Region nicht mehr Widerstand gegen die geplante Variante gebe.

"Es sind noch viele Fragen offen, die geklärt werden müssen", sagte Bürgermeister Burger am Ende der emotionalen Diskussion. Vertreter von Tennet müssten in den Gemeinderat kommen und Rede und Antwort stehen. Er bedauerte, dass Bedenken und Sorgen in der Gemeinde nicht ausreichend ernst genommen worden seien. Burger wolle nun in dieser Sache auf Landrat Roland Grillmeier zugehen und auch versuchen, Unterstützung vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zu bekommen.

Entscheidung im Herbst

Am Tag nach der Sitzung traf sich Bürgermeister Johann Burger bei einem Ortstermin nahe Hungenberg, wo die Trasse vorbeiführen soll, mit Peter Wührl jun., dessen Vater Peter Wührl sen. und dem stellvertretenden BBV-Kreisobmann Martin Härtl. Die Wührls machten deutlich, dass insgesamt 4,5 Hektar an „besten landwirtschaftlichen Flächen“ auf ihrem Grundbesitz von der Stromtrasse betroffen wären. Denn geplant sei, dass auf ihren Flächen auf einer Länge von rund einem Kilometer Länge gebaut wird – und für die Bauarbeiten werde generell eine Breite von 40 bis 45 Metern gebraucht. Verlegt werden sollen die Leitungen in einer Tiefe von 1,5 Metern. Losgehen sollen die Arbeiten nach aktuellem Stand im Herbst kommenden Jahres. Bürgermeister Burger sagte, dass die Trasse auf einer Länge von rund sieben Kilometern durch das Gemeindegebiet verlaufen soll. Erst im Herbst dieses Jahres soll über den endgültigen Verlauf entschieden werden.

Peter Wührl jun. kritisierte, dass Tennet Details immer nur scheibchenweise preisgebe. Weiter gab er zu bedenken, dass er die betroffenen Flächen während der Bauphase nicht bestellen könnte und dort auch keine Gülle ausbringen könnte. „Wo soll ich damit hin?“, fragte Wührl. In Bezug auf Entschädigungen kritisierte er eine Ungleichbehandlung von Landwirten und den Bayerischen Staatsforsten. So solle es für die Landwirtschaft keine wiederkehrenden Leistungen geben. „Wir müssen die Lasten tragen, haben aber keine Vorteile“, bedauerte Wührl. „Es würde mich freuen, wenn sich die Politik mehr für die Landwirte einsetzen würde“, so Wührl. Denn sie seien es, die die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft erhielten.

Über Sätze neu verhandeln

Stellvertretender BBV-Kreisobmann Martin Härtl wünschte sich, dass die Entschädigungssätze mit Tennet neu verhandelt werden. Härtl wusste, dass allein in der Gemeinde Leonberg bis zu 20 Landwirte von der Trassenführung berührt würden. Härtl machte deutlich, dass er schon seit Jahren gegen die geplante Trassenführung kämpfe, allerdings ohne dabei viel Unterstützung von jenen Berufskollegen zu erhalten, die nicht selbst betroffen seien. Weiter bedauerte Härtl, dass es in der großen Politik viel Widerstand gegen wiederkehrende Leistungen für Landwirte gebe.

Wenn erst einmal die Trassenführung feststeht, lässt sich kaum mehr etwas ändern“, warnte Peter Wührl jun. abschließend und erinnerte daran, dass ein alternativer Verlauf im Gemeindebereich möglich wäre.

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Tirschenreuth14.01.2022
Hintergrund:
  • Leistung: 2 Gigawatt
  • Übertragung: Gleichstrom
  • Länge: 523 Kilometer (Sachsen-Anhalt: 191,2 km; Thüringen: 82,8 km; Bayern: 260,3 km).
  • Netzbetreiber: Tennet TSO und 50-Hertz Transmission
  • Kosten: 5 Milliarden Euro (nach Angaben von Tennet). Die Bundesregierung will das überregionale Stromnetz für sehr viel Geld ausbauen. 95 Milliarden Euro sind bis zum Jahr 2035 veranschlagt, davon allein 15 Milliarden Euro für die Gleichstromerdkabel Süd-Link und Süd-Ost-Link. Davon 5 Milliarden Euro für den Süd-Ost-Link.
  • Zweck: Die Leitungen sollen laut Bundesnetzagentur in erster Linie Strom aus Erneuerbaren Energien von Nord- und Ostdeutschland nach Bayern transportieren. Dass die Leitungen der Energiewende dienen, wird vielerorts von Kritikern bezweifelt.

"Wir müssen die Lasten tragen, haben aber keine Vorteile."

Landwirt Peter Wührl jun.

"Es kann nicht sein, dass wir als Gemeinde später auf diesen Folgekosten sitzen bleiben."

Bürgermeister Johann Burger

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