14.01.2022 - 12:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tennet und Bauernverband verhandeln Rahmen für Ausgleichszahlungen

Nicht begeistert sind die Grundbesitzer von der Gleichstromtrasse, die durch den Landkreis Tirschenreuth führen wird. "Unser Problem ist: Wir haben keine Handhabe dagegen", rechnet BBV-Kreisobmann Ely Eibisch mit einem baldigen Baubeginn.

2021 fanden auch im Landkreis Tirschenreuth Probebohrungen für den Bau der Gleichstromtrasse statt. Hier erkundeten Mitarbeiter im Auftrag von Tennet die Bodenbeschaffenheit bei Themenreuth.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Mit Spannung erwarten viele Landwirte den Vertragsentwurf, der mit dem Netzbetreiber Tennet bezüglich der geplanten Gleichstromtrasse Süd-Ost-Link derzeit verhandelt wird. "Wir sind optimistisch, in den nächsten Monaten eine Rahmenvereinbarung abschließen zu können", teilte auf Anfrage von Oberpfalz-Medien Benjamin Mignon von der Tennet-Projektkommunikation mit.

Schon in wenigen Wochen könnte ein Ergebnis vorliegen, das den Berufskollegen aus dem Landkreis Tirschenreuth dann vorgestellt wird, schätzt Ely Eibisch: "Ich habe noch keine Ahnung, was dabei herauskommt. Ich gehe aber von einer für uns positiven Rahmenvereinbarung aus", ist der Kreisobmann mit Blick auf die gebündelte Interessensvertretung optimistisch.

Bald Infoversammlung

Der Bauernverband will bei einer Veranstaltung mit Tennet die Landwirte im Landkreis bald über konkrete Ergebnisse informieren, kündigt Eibisch an. "Wenn es irgendwie geht, dann in Präsenz. Die Betroffenen müssen die Möglichkeit haben, sich direkt zu äußern." Jeder habe dann Gelegenheit, dem Rahmenvertrag zuzustimmen.

Der Kreisobmann und stellvertretende Bezirksobmann des Bauernverbands geht davon aus, dass viele Kollegen das tun werden - ähnlich wie bei den Vereinbarungen, die schon zum Ostbayernring getroffen wurden. Dabei stellte Eibisch eine relativ hohe Zufriedenheit mit den Ausgleichszahlungen fest. "Der einzelne Landwirt hat nicht groß die Möglichkeit, für sich allein eine bessere Lösung herauszuholen", schätzt er die Lage ein. Gegen die Verlegung der Gleichstromtrasse hätten die Grundbesitzer ohnehin keine Handhabe: "Wenn wir nicht dergleichen tun, enteignen sie uns", wird der BBV-Sprecher deutlich. Tatsächlich wird diese Möglichkeit gesetzlich schon vor einem Planfeststellungsbeschluss eingeräumt.

Finaler Verlauf im zweiten Quartal

Tennet plant, die Unterlagen mit dem finalen Trassenverlauf im zweiten Quartal 2022 vorzulegen. Danach sind noch einmal Einwände möglich. Unternehmenssprecher Mignon verweist auf die "überwiegend konstruktiv" geführten Eigentümergespräche und verspricht, "neue Erkenntnisse transparent zu kommunizieren".

Weitere Bodenuntersuchungen zur Trasse soll es laut Tennet auch 2022 geben. Die Bohrungen im vergangenen Jahr sorgten in der Oberpfalz für einigen Ärger, weiß Ely Eibisch. Er berichtet von mangelnder Absprache und Schäden durch schwere Gerätschaften auf wassergesättigten Böden. Tennet gelobt Besserung: "Das Thema Bodenschutz hat höchste Priorität", schreibt Projektsteuerer Benjamin Mignon und verspricht eine fachkundige Baubegleitung in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband.

Keine wiederkehrenden Zahlungen

Apropos Bodennutzung: Eine ursprüngliche Forderung des BBV wird nicht Bestandteil der Rahmenvereinbarung sein. "Es gibt keine wiederkehrenden Zahlungen an die Grundstückseigentümer", stellt der Tirschenreuther Kreisobmann klar. Er habe lange dafür gekämpft, doch der Gesetzgeber sehe davon ab, die von der Durchleitung beeinträchtigten Bodenbesitzer auch an der Rendite des Netzbetreibers zu beteiligen.

In der Rahmenvereinbarung mit dem Bauernverband soll nun der einmalige Schadenersatz für alle negativen Auswirkungen durch den Leitungsbau festgelegt werden. Sobald das Projekt die Baureife erlangt, wird es mit den Erdkabel-Verlegungen losgehen, schätzt Ely Eibisch: "Ich gehe davon aus, dass sie in einem Jahr anfangen, und zwar an mehreren Stellen gleichzeitig. Das wurde uns schon mitgeteilt."

Tennet entschuldigt sich bei Landwirten

Regensburg

Netzbetreiber Tennet will eine Zwischenstation im Landkreis bauen

Tirschenreuth
Hintergrund:

Süd-Ost-Link: Geplante Zwischenstation im Landkreis Tirschenreuth

  • Geplant ist zur Verstärkung der Signale entlang der 530 Kilometer langen Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt bis Bayern etwa alle 70 Kilometer eine Lichtwellenleiter-Zwischenstation mit rund 1000 Quadratmetern Flächenbedarf, wie Benjamin Mignon, bei Tennet in Bayreuth für die Projektkommunikation des Süd-Ost-Links zuständig, erläutert.
  • Tennet ist noch auf der Suche nach geeigneten Grundstücken.
  • Angestrebt werde immer eine gütliche Einigung mit den Grundeigentümern.
  • An den bayerischen Streckenabschnitten sind Zwischenstationen im Bereich Mitterteich/Leonberg sowie Bernhardswald im Landkreis Regensburg geplant.
  • Der Vorzugsstandort wird im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vorgeschlagen und final von der Bundesnetzagentur festgelegt.
  • Eine Zwischenstation dient der Aufbereitung und Verstärkung der Erdkabel-Messdaten über die im Süd-Ost-Link mitverlegten Lichtwellenleiter. Das Prinzip der Signalverstärkung wird mit W-Lan-Repeatern in der Wohnung verglichen.
  • Im Gebäude befindet sich laut Tennet keine Technik, die elektromagnetische Felder erzeugt oder andere schädliche Emissionen verursacht.

"Wenn wir nicht dergleichen tun, enteignen sie uns."

Bauernverband-Kreisobmann Ely Eibisch

 

 

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