06.11.2020 - 12:25 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

Auge um Auge: Hilfe für kranke Tiere in Spezialpraxis in Letzau

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Bindehautentzündung, Grüner Star oder Netzhautablösung - auch Tiere leiden an Augenerkrankungen. Dr. Anna Webel aus Letzau und ihre Kollegin Simone Dürr sind Tierärztinnen, die sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert haben.

Tierärztin Dr. Anna Webel untersucht das Auge von Chihuahua Nuka mit der Handspaltlampe.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Eine eigene Tierarztpraxis für Augenheilkunde war für die 36-jährige Anna Webel noch vor wenigen Jahren unvorstellbar. Doch nun fühlen sie und ihr Team sich in Letzau (bei Theisseil) so wohl, dass die Medizinerin sogar einen Neubau plant. Mit ihrem Fachgebiet ist sie in der Region einzigartig. Oberpfalz-Medien fragte nach, wie es dazu kam.

Chihuahua Nuka bekommt eine kleine Beruhigungsspritze. Bei dem neunjährigen Rüden müssen an den Innenseiten beider Lider einzelne Härchen entfernt werden. Sie irritieren seit geraumer Zeit die Hornhaut. „Bestimmte Hunderassen sind prädisponiert für solche Erkrankungen. Manchmal sehen wir Individuen, die beinahe einen zweiten Wimpernkranz haben", weiß die Ärztin. „Die Haare reiben dann permanent auf der empfindlichen Hornhaut. Wenn man daran denkt, wie einem selbst ein einziges Haar im Auge weh tut, dann kann man sich vorstellen, dass auch die Tiere darunter leiden und Schmerzen haben", erklärt die Veterinärin.

Nukas Besitzerin Tanja Kühn aus Wiesau ist selbst tiermedizinische Fachangestellte. So darf sie während der Behandlung ausnahmsweise assistieren. In wenigen Augenblicken ist die Prozedur beendet. Der tapfere Schnuffel wird sich noch ein paar Minuten erholen und kann dann putzmunter auf den eigenen vier Beinen die Praxis verlassen. Bleiben solche anfangs banalen Krankheiten unbehandelt, so Webel, drohe im schlimmsten Fall die Erblindung.

Gut verträgliche Narkose

Die Tierärztinnen befassen sich nicht nur mit den Augen von Hunden und Katzen. Neben Vögeln zählen unter anderem auch Pferde, Alpakas oder Reptilen zu ihren Patienten. Dabei seien die Unterschiede zu den Erkrankungen und Behandlungen beim Menschen nicht allzu groß. "Wir müssen natürlich unsere Patienten meistens unter Narkose operieren, weil sie naturgemäß nicht freiwillig stillhalten", lacht die Veterinärin. Webel entscheidet sich dabei vornehmlich für die sehr sichere Inhalationsnarkose, weil sie gut zu dosieren sei und von den Patienten besser verkraftet werde.

Lidfehlstellungen, Iris-Entzündungen, Netzhauterkrankungen oder Fremdkörper im Auge - die Behandlungsfelder sind enorm vielfältig. Vor allem kurznasige Hunderassen wie Möpse und Bulldoggen haben laut der Expertin oft Probleme durch Fehlstellungen der Lider. Bei Schäferhunden treten häufig Hornhautentzündungen durch eine Überreaktion des Immunsystems auf. Bei den Stubentigern seien es meist Katzenschnupfen-Erreger, die die Hornhaut erkranken lassen.

Auch Vierbeine leiden an Demenz

BesserWissen

Feines Handwerk

Anna Webel und Simone Dürr haben sich auf feines Handwerk spezialisiert. Nach langem Training bewegen sie sich mit Fingerspitzengefühl und hochmoderner Technik in einem der sensibelsten Bereiche des tierischen Körpers. Risse in der Hornhaut werden vernäht, größere Löcher können mit körpereigenem oder künstlichem Ersatzgewebe verschlossen werden. "Es kommt leider auch immer wieder mal vor, dass das Auge des Patienten nicht mehr zu retten ist. Dann muss man den Augapfel komplett entfernen", erklärt Anna Webel.

Das Team, zu dem mittlerweile zwei tiermedizinische Fachangestellte und eine Auszubildende zählen, ist gut eingespielt. Und die Zusammenarbeit mit den Tierärzten in der Region sei sehr gut. "Unseren Patienten kommen aus der ganzen Oberpfalz, auch aus Niederbayern und sogar bis aus München", freut sich die Veterinärin über den guten Zuspruch.

In einem Vorort in München geboren und aufgewachsen, studierte Anna Webel Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach mehreren Station in Tierkliniken und Augenzentren wagte sie mit ihrem Mann zunächst den Schritt in die Oberpfalz, wenig später dann in die Selbständigkeit. "Ich liebe München als Stadt, aber ich bin schon immer ein Landei. Und so haben wir uns auf der Suche nach einer Wohnung in den Ort Letzau verliebt. Wir fühlen uns hier total wohl. Ich mag den Wald, die ländliche Umgebung und die Menschen. Und ich habe eine wirklich nette Kundschaft."

Winzige Ursachen

Bereits während des Studiums hatte sich die junge Frau für den Bereich der Augenheilkunde besonders interessiert. Sie liebt es, mit Lupenbrille, Handspaltlampe oder Ophthalmoskop den winzigen Ursachen in den kleinen Augen ihrer tierischen Patienten auf den Grund zu gehen. "Es ist wie ein Eintauchen in eine andere Welt", versucht Anna Webel ihre Arbeit zu beschreiben. "Es ist so schön zu sehen, wie man durch die verschiedenen Instrumente, exakten Befunden und den richtigen Methoden Schmerzen nehmen und den Tieren wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen kann."

Simone Dürr, die sich nach ihrem Studium an der LMU München und als Mitglied der Fortbildungsgemeinschaft Veterinärophthalmologie ebenfalls für die Augenheilkunde empfahl, verstärkt das Team seit Januar 2020. Zu ihren Patienten zählt aktuell das Pferd Woodstock. Mit der Handspaltlampe untersucht sie das 25 Jahre alte Tier, das an einer hartnäckigen und schmerzhaften Hornhautentzündung gelitten hatte und sieht, dass alles gut abgeheilt ist.

Fremdkörper in jeglicher Ausprägung seien auch ein sehr häufiger Vorstellungsgrund. Stecken sie in der Hornhaut, ist eine Operation unumgänglich. Befinden sie sich im Bindehautsack oder im Tränensäckchen, müsse man sie herausspülen. "Ich hatte mal ein Alpaka, das hatte seit drei Wochen eine Granne tief in der Bindehaut unter dem Oberlid stecken. Er ließ sich das unter Lokalanästhesie brav entfernen. Oder der klassische Dorn in der Katzenhornhaut. Vor kurzem musste ich ein Stück Heu aus einem Tränensack vom Pferd ausspülen", erzählt Anna Webel.

Auf Hinweise achten

Als Tierbesitzer sollte man laut der Expertin auf einige Hinweise und Verhaltensänderungen achten: "Ist das Auge getrübt oder gerötet? Ist ein Ausfluss zu erkennen? Erschrickt das Tier in bestimmten Situationen?" Die Fachfrau erklärt es an einem Beispiel: "Die elfjährige Zora wurde uns im Juli mit einer sehr starken Irisentzündung beidseitig vorgestellt. Der Besitzerin ist zu Beginn, als die Symptome auftraten, vor allem aufgefallen, dass die Augen stark gerötet waren und die Hündin plötzlich schlechter gesehen hat." Ursachen seien hier häufig Allgemeinerkrankungen wie von Zecken übertragene Infektionen, Tumore oder Autoimmunerkrankungen.

Solange keine Probleme auftreten, brauche man sich mit dem Thema Prophylaxe nicht zu beschäftigen: "Das gesunde Auge pflegt sich selbst“. Es schade jedoch nicht, seinem Schützling immer wieder mal tief in die Augen zu schauen.

Es ist so schön zu sehen, wie man durch die verschiedenen Instrumente, exakte Befunde und die richtigen Methoden Schmerzen nehmen und den Tieren wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen kann.

Dr. Anna Webel

Dr. Anna Webel

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.