Letzau bei Theisseil
24.05.2018 - 12:06 Uhr

Karl: "Tropfen auf den heißen Stein"

900.000 Menschen arbeiten aktuell im Pflegebereich. Die Bedingungen sind nicht immer gut - nicht nur, wenn es um das Gehalt geht. Auch deshalb ist die Prognose schlecht: Bis 2035 sollen 275.000 Pflegekräfte fehlen.

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Doch wie sieht es in der Praxis wirklich aus? Darüber informierte Silvia Zeidler, Leiterin des AWO Seniorenheims „Franz Zebisch“ Weiden, die Mitglieder des SPD-Kreisvorstands Neustadt in Letzau.

"Die Plätze des Heimes sind zu 100 Prozent ausgelastet. Um die 84 Bewohner kümmern sich derzeit 80 Mitarbeiter." Im Moment sei die personelle Situation noch "auskömmlich", allerdings sei schon jetzt spürbar, dass die "Luft immer dünner" werde, informierte die Leiterin. Der demographische Wandel führe zu einem immer größeren Bedarfen an Pflegeplätzen und somit auch an Pflegepersonal. "2015 waren in Deutschland drei Millionen Menschen pflegebedürftig, zwei Jahre später schon 3,5 Millionen. Für 2018 wird eine weitere Steigerung um 500.00 Pflegebedürftige erwartet."

Ungefähr die Hälfte wird zu Hause gepflegt. "Aktuell arbeiten rund 900.000 Menschen im Pflegebereich. Bis 2035 werden aber etwa 275.000 Pflegekräfte fehlen." SPD- Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Annette Karl bezeichnete angesichts dieser Zahlen die von Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigten 8000 neuen Pflegekräfte als "bestenfalls einen Tropfen auf dem heißen Stein", zumal "er noch nicht einmal erklärt habe, wo diese Kräfte – nicht einmal eine pro Pflegeeinrichtung in Deutschland – herkommen sollen". Die Landtagsabgeordnete forderte: „Hier muss der Minister noch eine große Schippe drauflegen und gemeinsam mit den Bundesländern einen Masterplan für Pflege vorlegen.“ Zeidler bemängelte, dass in der Vergangenheit vor allem die Pflegehelfer von der Politik vernachlässigt worden seien. Sie bekämen bis jetzt nicht einmal eine Ausbildungsvergütung. Dies solle aber ab 2020 durch einen geplanten Ausbildungsfond geändert werden. Zu der geringen Bezahlung der Pflegehelfer komme hinzu, dass diese Tätigkeit zu 80 Prozent aus schwerer körperlicher Arbeit bestehe. Es sei deshalb kein Wunder, dass sich hier kaum Nachwuchs fände.

„Das Personal gut zu bezahlen und gleichzeitig niedrige Heimkosten für die Pflegebedürftigen zu gewähren, dies beißt sich“, stellte die AWO-Heimleiterin fest. Die Mitglieder des SPD-Kreisvorstands waren sich einig, dass gute Arbeit auch gute Entlohnung nach sich ziehen müsse, wie in allen Berufszweigen. Hier müssen die Pflegeversicherungen reagieren. Bezogen auf die Situation in Bayern äußerte Karl die Hoffnung, dass das neue Pflegegeld von 1000 Euro pro Jahr auch langfristig ausgezahlt werde und nicht nur im Wahljahr 2018. Karl: „Das neue Amt für Pflege muss beweisen, dass es nicht nur ein große neue Bürokratie für die Auszahlung des Pflegegeldes ist, sondern tatsächlich Lösungen entwickelt für die drängenden Probleme in der Pflege, den Nachwuchsmangel, die fehlenden Pflegestützpunkte in Bayern. Lösungen fehlen ebenso für die Auswirkungen der neuen generalistischen Ausbildung auf die Personalsituation in der Altenpflege sowie auf die Armut im Alter. Dies sind nur einige wichtige Stichpunkte. Der neue Ministerpräsident darf daher nicht nur ankündigen, sondern muss liefern.“ Nach einem Vorschlag von SPD-Kreisfraktionschef, Bürgermeister Günter Stich, wird sich die Fraktion demnächst auch vor Ort noch einmal über die Pflegesituation informieren. Karl bedankte sich bei Silvia Zeidler für ihren Einsatz für die älteren Mitmenschen und für ihre sachkundigen Ausführungen mit einem kleinen Blumengeschenk.

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