07.06.2019 - 09:30 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

Kleiner Fortschritt im Duogynon-Skandal

Die Duogynon-Opfer wie Margret-Rose Pyka aus Letzau erleben zwar einen Dämpfer aus Großbritannien. Dafür kommt nun in Deutschland Bewegung in die Sache.

Margret-Rose Pyka kämpft seit 41 Jahren für die Aufklärung eines Arzneimittel-Skandals: den Schwangerschaftstest Duogynon.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Seit 41 Jahren kämpft Margret-Rose Pyka für die Aufklärung des Duogynon-Skandals. Lange haben Pyka und ihre Mitstreiter nichts erreicht. Bis Mai 2019. Da haben 38 Bundestagsabgeordnete Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief aufgefordert, sich für dessen Aufklärung einzusetzen.

"Es gibt eine deutliche Ähnlichkeit zum Fall 'Contergan/Thalidomid'. Der große Unterschied ist, dass der Fall 'Duogynon' bis heute nicht aufgearbeitet ist", heißt es in dem Brief, der der Redaktion vorliegt. Unter anderem haben ihn der Weidener SPD-Abgeordnete Uli Grötsch und Karl Lauterbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD und Professor für Medizin, unterzeichnet.

Die Unterschrift des Weidener CSU-Abgeordneten Albert Rupprecht fehlt: "Den Brief ... habe ich nicht unterschrieben, weil dieser schlichtweg bei mir nicht angekommen ist." Dennoch will Rupprecht die Opfer unterstützen: "So wie sich die Sachlage für mich bis dato darstellt: Aufklärung ist ziemlich nötig."

Die Letzauerin hat 1975 selbst zwei Tabletten des hormonellen Schwangerschaftstests Duogynon eingenommen, um zu erfahren, ob sie ein Kind erwartet. Pykas Frauenarzt hatte ihr das Medikament verabreicht. Danach gebar sie eine Tochter mit Herzschwäche und Klumpfuß.

Margret-Rose Pyka berichtet über ihren Kampf um Gerechtigkeit

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Duogynon und Primodos in Großbritannien

Der 69-Jährigen wäre eine Entschädigung für die Opfer am liebsten. 600 seien nach Angaben von Pyka in Deutschland registriert, die Dunkelziffer sei weit höher. Sie sollen nach Pykas Vorstellung eine Sofortzahlung und eine lebenslange Rente erhalten. Gerne würde sie das an einem Runden Tisch mit Experten verschiedener Disziplinen besprechen.

Bei ihrem Kampf gegen den Hersteller Schering und dessen Rechtsnachfolger Bayer blickt die Letzauerin auch immer wieder nach Großbritannien, wo die Arznei unter dem Namen "Promodos" verkauft wurde. Dort engagieren sich Politiker schon länger für die etwa 200 britischen Opfer. Und Professor Carl Heneghan. Er hatte sich laut Pyka alle Analysen zu dieser Arznei angesehen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass Frauen, die das Mittel eingenommen hatten, ein 40 Prozent höheres Risiko hatten, ein behindertes Kind zu gebären als Frauen, die es nicht verwendet haben. Die britische Regierung hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) beauftragt, eine Studie von Professor Heneghan zu überprüfen. Die EMA hat Duogynon-Opfern nun jedoch einen Dämpfer verpasst. Denn sie kam nun zu dem Ergebnis, dass Heneghans Untersuchung nicht glaubwürdig sei, die ihr zugrunde liegenden Informationen zu begrenzt seien. Pyka, Vorsitzende des Bundes der Duogynongeschädigten, ist "hochgradig entsetzt" über das Ergebnis der EMA. "Heneghan muss sich nun zur Wehr setzen. Darauf warten wir", sagt sie.

Zur Studie von Professor Carl Heneghan

Medikament erst 1981 vom Markt genommen

Der Schwangerschaftstest Duogynon kam 1950 auf den deutschen Markt. Ab 1969 war bekannt, dass einer der Inhaltsstoffe die DNA des Embryos verändern und das Kind mit Missbildungen geboren werden kann. Als Bedenken zu der Arznei aufkamen, haben Hersteller Schering und Bundesgesundheitsamt bei der Vertuschung des Skandals zusammengearbeitet. Dies geht aus Unterlagen hervor, die im im Bundesarchiv Berlin liegen. Erst 1981 wurde das Mittel vom Markt genommen.

Das britische Parlament beauftragte nach der EMA nun eine neue Kommission, die den Fall erneut prüfen soll. Es gebe laut Pyka etliche, bisher nicht veröffentlichte Studien zu Duogynon. Auch diese sollen nun kontrolliert werden. Pyka: "Ich will, dass endlich Gerechtigkeit herrscht."

Pykas langer Leidensweg

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