02.01.2020 - 14:54 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

"Prüfung war fest zugesagt"

„Der Bürger versteht das nicht“, sagt Marianne Rauh. Albert Rupprecht schüttelt zustimmend den Kopf. Es geht um die abgelehnte Variante, den Süd-Ost-Link an der Autobahn zu bauen. Rupprecht sieht den Wirtschaftsminister in der Pflicht.

Sehr angetan zeigt sich Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (links) vom Erweiterungsbau des Kindergartens. Bürgermeisterin Marianne Rauh (Mitte) erläutert im Beisein der Gemeinderäte Karl Völkl und Gabi Lukas und des Gemeinderatskandidaten Florian Neumann die Gründe für den Anbau.
von Gabi EichlProfil

Der Süd-Ost-Link ist zentrales Thema eines Besuchs Rupprechts in Theisseil. Die Bürgermeisterin bringt das Thema zur Sprache; Marianne Rauh betont, sie stehe zum Bau der Stromtrasse, aber nicht zu einer Variante, die viel Umwelt zerstöre, ohne dass umweltverträglichere Alternativen genau geprüft worden seien. Rupprecht sagt, Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sei in der Pflicht, die Bundesnetzagentur zur Prüfung der Autobahn-Variante zu bewegen, die CSU-Politiker aus der Region vorgeschlagen haben.

Rupprecht bekräftigt seine Haltung, dass am grundsätzlichen Transport der Energie auf dieser Strecke kein Weg vorbeiführe, denn das Speichern von derzeit benötigter Energie sei technisch noch nicht zu realisieren. Der Tennet-Vorstand habe Rupprecht schon sehr frühzeitig zugesichert, die Autobahn-Variante zu prüfen, allerdings sei das bisher nur sehr unzulänglich und oberflächlich geschehen. Auch der Präsident der Bundesnetzagentur habe ihm, Rupprecht, fest eine ernsthafte Prüfung zugesagt, sofern es dem Abgeordneten gelinge, von der Autobahndirektion grünes Licht für die Nutzung des Grünstreifens entlang der Autobahn zu bekommen. Die Autobahndirektion habe ihre grundsätzliche Bereitschaft zugesagt, Rupprecht habe daraufhin alle Beteiligten an einen Tisch gebracht, aber der Chef der Netzagentur habe sich wieder gewunden; von dieser Seite passiere ebenso wenig wie von seiten des Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger, der ebenfalls eine detaillierte Prüfung fest zugesagt habe. Inzwischen werde jedoch die Zeit knapp und man könne nicht umhin, dies als Strategie zu betrachten.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Maria Estl

Was hier dringend hinterfragt und analysiert gehört, sind die Strategien des Herrn Abgeordneten Rupprecht. Von denen hat er im Laufe der zurückliegenden Jahre mehrere verfolgt, immer eine andere Trassenvariante. Zuerst pries er die Erdverkabelung an, egal mit welchem Trassenverlauf, das war 2015. Danach folgte die Variante mit dem Endpunkt Gundremmingen, die er favorisierte. Dann wäre sie aber durch den Wahlkreis des damaligen Ministerpräsidenten Seehofer verlaufen – also kam er damit nicht durch. Zugestimmt hat er dann schließlich doch dem Endpunkt Isar 2, nachdem eine Verschiebung an die A9 nicht gelang.
Noch im Juli 2017 favorisierte er in einer E-Mail eine „Bündelung der HGÜ mit bestehender Infrastruktur im Seitenstreifen des Ostbayernrings“ und auch „Bündelung HGÜ und Ostbayernring auf einem Strommasten, wenn die Kommunen das so wollen“ – die Autobahnvariante hatte er damals noch nicht erfunden. Sie kann wohl als letzter Strohhalm Rupprechts bezeichnet werden, Aktivität zu Gunsten der CSU-Wähler und - Bürgermeister vorzugaukeln. Er sollte zu seiner Verantwortung stehen, statt ständig dem nicht zuständigen bayerischen Wirtschaftsminister Aiwanger den Schwarzen Peter zuzuschieben. Die Bundesnetzagentur, die den aktuellen Trassenkorridor genehmigte, ist dem Bundeswirtschaftsministerium untergeordnet, dessen Chef ist Minister Peter Altmaier von der CSU-Schwesterpartei CDU. Dort muss Rupprecht seine Forderungen anbringen.

03.01.2020
Josef Langgärtner

Man fasst es nicht. Alle sind schuld, wenn der Südostlink durch die Landschaft gebaut wird, nur nicht der, der das mitbeschlossen hat. Diese Aussagen beweisen wieder einmal, dass unsere Politik keine Ahnung von einer Energiewende hat. Wenn Bürgermeisterin Rauh zum Bau der Stromtrasse steht, weiss sie genau, wie der Verlauf aussieht (seit Jahren bekannt), und wie viel Natur in ihrem Gemeindegebiet zertört werden wird. Warum und wozu Abgeordneter Rupprecht derzeit Energie speichern will, ist nicht nachvollziehbar. Dass Bayern bis 2035 energietechnisch versorgt ist, hat der letzte Energiegipfel in München erläutert. Es ist inzwischen auch klar, dass über diese Leitung kein Windstrom fließen wird. Wollen diese Politiker tatsächlich, dass Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland nach Bayern geführt wird? Temelin wartet schon auf neue Stromtrassen in Bayern (auch auf den Ostbayernring), um weitere 2 AKW-Blöcke zu bauen. Damit setzen uns diese Politiker ungeahnten Gefahren aus. Statt eine dezentrale Energiewende progressiv anzugehen, wird sie weiter mit solchen Politikspielchen behindert. Spielchen deshalb, weil man erkennt, dass der bayerische Wirtschaftsminister zum Sündenbock gestempelt werden soll, der bei diesem Vorhaben ein kleines Licht ist, sprich: Die Tatsachen wurden in Berlin geschaffen und müssen auch von diesen Politikern verantwortet werden.
Josef Langgärtner, BI NEW/ WEN für eine dezentrale Energiewende

03.01.2020