30.10.2020 - 10:23 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

"Umweltfrevel" in Edeldorf war Rettungsaktion

Die vermeintliche Verschmutzung eines renaturierten Bachs in Edeldorf war gar keine Umweltsünde, wie sich jetzt herausgestellt hat. Ganz im Gegenteil.

Bürgermeister Karl Völkl hat sich mit eigenen Augen überzeugt, dass in dem renaturierten Bach in Edeldorf Krebse leben und ein paar davon fotografiert.
von Gabi EichlProfil

Der Zweite Bürgermeister Karl Völkl hatte wie berichtet in der September-Sitzung des Gemeinderates Fotos von dem Bach gezeigt, in den eine Laderschaufel voll mit Erdaushub, Steinen und Ästen gekippt worden war. Völkl sprach damals entrüstet von einem „Schaden an der Allgemeinheit“, denn die Renaturierung habe viel Geld gekostet.

Nach dem Bericht von Oberpfalz-Medien hat sich der angebliche Umweltsünder bei Völkl gemeldet. Es ist ein Bauer aus Edeldorf, der alles andere als eine Umweltsünde begangen hat.

Der Bach unterquert die Straße. Am Beginn der Unterquerung findet sich ein betonierter Schacht mit einem Metallgitter, den die Feuerwehr im Brandfall kurzfristig anstaut und als Wasserentnahmestelle nutzt. Am Ende der Verrohrung bauen sich dort immer wieder Sand und Sedimente auf, was dazu führen kann, dass nicht mehr genug Wasser durch die Rohre fließt. Bei einem starken Regenguss könnte das Wasser aus dem Betonschacht quellen und den Hof des Landwirts überschwemmen.

Der Bauer hat daher vorbeugend mit einem Bagger das Ende der Rohre frei geräumt und den „Abfall“ aus gutem Grund wieder daneben abgelegt. Denn in dem Bachlauf leben Krebse, und der Landwirt hat natürlich Krebse mit herausgebaggert. Um den Krebsen zu ermöglichen, wieder aus dem Haufen in den Bachlauf zurückzukriechen, ließ er den Aushub liegen.

Der Edeldorfer Gemeinderat Thomas Bodensteiner (FW) versuchte in der Oktober-Sitzung den Landwirt zu rehabilitieren. Völkl hatte aber bereits selbst Kontakt zu dem Mann. Der Bürgermeister war vor Ort und hat zu seinem eigenen Erstaunen, wie er sagt, die Krebse gesehen und fotografiert.

Schon im Gespräch mit dem Landwirt habe man gemeinsam in die Zukunft gedacht, sagt Völkl. Man habe vereinbart, im Frühjahr zusammen mit der Dorfgemeinschaft zu versuchen, den inzwischen stark zugewachsenen Bach wieder so herzustellen, wie er nach der Renaturierungsmaßnahme ausgesehen habe. Völkl hat dabei eine Gruppe von Dorfbewohnern im Auge, die sich künftig verstärkt um den Bach und die Krebse kümmert. Mit dabei: der vermeintliche Umweltsünder, der einigen Krebsen das Leben gerettet hat.

Völkl bedauert, dass er von einem Umweltfrevel ausgegangen sei, „aber wer kann denn so etwas ahnen“, fragt er.

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