15.01.2020 - 15:09 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Bürgermeister Josef Hammer will Tennet blockieren

Beim Süd-Ost-Link-Bürgerforum in der Mehrzweckhalle Leuchtenberg informiert Tennet Besitzer von betroffenen Grundstücken. Die Verschiebung der Trasse ist kein Thema. Irchenrieths Bürgermeister ist erzürnt und kündigt Widerstand an.

Tennet-Mitarbeiter informieren die Eigner der im Trassenkorridor gelegenen Grundstücke. Auf dem Tisch liegen die Tafeln für die jeweiligen Gemeindegebiete.
von Ernst FrischholzProfil

In der Leuchtenberger Mehrzweckhalle fand das Forum statt, das den Bereich südlich ab Weiden mit den Gemeinden Bechtsrieth, Irchenrieth und Leuchtenberg bis zur Landkreisgrenze Schwandorf behandelt. Für die im 1000-Meter-Korridor liegenden Grundstücke wurden nach Information von Torsten Grampp, Referent für Bürgerarbeit bei der Tennet, die Eigner schriftlich eingeladen. An Hand von Stellwänden und gemeindlichen Steckbriefen stellt man den Verlauf innerhalb den drei Gemeinden vor.

Die Tennet-Mitarbeiter machten in Gesprächen deutlich, dass es sich hier um den momentanen Korridor handelt, der verbindlich von der Bundesnetzagentur vorgegeben ist. Das laufende Genehmigungsverfahren sieht auch keine Verschiebung vor.

Die Reaktionen der Grundeigner waren unterschiedlich. Eine Familie aus Bechtsrieth ist einigermaßen beruhigt, weil ihr Gartengrundstück beim Bauhof nicht direkt betroffen ist. Anders dran ist der Trebsauer Michael Ederer. Er habe sich damit abgefunden, dass die Leitung wohl einige Meter an seinem Haus vorbeiführen wird. Er sei als Gemeinderat hier, um sich umfassend zu informieren. Eine Landwirtsfamilie aus Enzenrieth trifft es mit ihrem Wald oder Acker. " Was sollen wir dagegen machen", sagen die Frau und der Mann resigniert. Die Entschädigung sei da kein Pflaster auf die Wunde.

Anwesend ist auch Leuchtenbergs Bürgermeister Anton Kappl, der den Trassenverlauf südlich an Michldorf, Lückenrieth und Wittschau vorbei nicht als Jubelthema einstuft. Die Gemeinde sei mit einem blauen Auge davongekommen.

Irchenrieths Bürgermeister Josef Hammer dagegen hat ein dickes blaues Auge abgekriegt. Seine Gemeinde ist bereits durch die Gasleitung und die Stromleitung eingeengt. "Nun kommt auch noch dieser Korridor." Knackpunkt für Irchenrieth sei der südliche Verlauf, in dem ein Neubaugebiet und ein weiteres geplantes im Korridor liegen und der Trassenverlauf direkt südlich an den Baugebieten vorbei läuft. Die fast einzige mögliche Erweiterung mit Baugebieten wäre damit zu den Akten gelegt.

"Ich bin in laufenden Gesprächen", sagte Josef Hammer. Über die Tennet habe er bei der Bundesnetzagentur eine Korridorverschiebung erwirken wollen. Sein Ansuchen wurde nicht einmal mit einer ablehnenden Begründung bedacht. "Hier geht Naturschutz vor Menschenschutz", wirft Hammer der Bundesnetzagentur vor. Der südliche Verlauf würde 200 Meter an der Bebauung entlang führen. Das bringt Hammer auf die Palme. "Ich werde als Bürgermeister blockieren, wo es geht", kündigte er an.

Dies kann bis zu Einschränkung der Baumaßnahmen und der Sperrung von gemeindlichen Wegen führen. Hammer hat einen Alternativvorschlag. Das ist einmal die im Korridor eingezeichnete Trassenalternative, die westlich von Irchenrieth Richtung Engleshof geht, auf die Kreisstraße von Luhe nach Michldorf trifft, an der Kreisstraße entlang nach Richtung Michldorf geführt wird, um wieder auf den Trassenvorschlag zu treffen.

Anfang Februar wird der Gemeinderat einen Beschluss fassen, der dem Kreistag vorgelegt wird. Wenn dieser dem Bau entlang der Kreisstraße zustimmt, dann geht das Ansinnen in die Antragskonferenz des Planfeststellungsverfahrens und die Bundesnetzagentur muss darüber entscheiden.

Ein Rechenbeispiel:

Ein Rechenbeispiel

Handeln geht nicht bei Entschädigungen. Dies unterstreicht Thorsten Grampp von der Tennet. Die Entschädigungsgrundsätze sind festgelegt. Diese sind in einem Flyer für Eigentümer und Bewirtschafter festgehalten. Es gibt für die Fläche des Schutzstreifens eine Entschädigung von 35 Prozent des Verkehrswertes. Bei einer gütlichen Einigung zudem nochmals 75 Prozent von diesen 35 Prozent. Für die Inanspruchnahme von Grundstücken in der Bauphase gibt's weiter eine Entschädigungspauschale. In einer Rahmenvereinbarung mit dem Bayerischen Bauernverband werden Feinheiten der Entschädigung geregelt. Eine Beispielrechnung bei einer Flächeninanspruchnahme von 5000 Quadratmetern und einem Verkehrswert von fünf Euro für den Quadratmeter lautet: 5 Euro x 0,35 x 5000 Quadratmeter entspricht 1,75 Euro für den Quadratmeter. Das sind dann 8750 Euro. Zuschlag für gütliche Einigung: Von den 1,75 Euro dann 75 Prozent entspricht 1,31 € pro Quadratmeter. Gesamt 6562 Euro. Dazu käme eine temporäre Entschädigung für die Grundstücksnutzunge in der Bauphase von 1000 Euro. Alles in Allen liegt so die Entschädigung bei 16312 Euro. (fz)

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