14.02.2019 - 15:07 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Volksbegehren in Leuchtenberg: Umweltsünde für Umweltschutz

Leuchtenberg hat im Landkreis Neustadt das schlechteste Ergebnis beim Volksbegehren. Wer sich beteiligen wollte, musste mit dem Auto hin und zurück fast eine halbe Stunde fahren. Für OWV-Vorsitzenden Michael Schwabl eine Umweltsünde.

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" war erfolgreich. Die Marktgemeinde Tännesberg hat im Altlandkreis das beste Ergebnis eingefahren. Die unmittelbaren Nachbarn in Leuchtenberg haben sich am wenigsten beteiligt.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Michael Schwabl aus Unternankau hat sich zum Unterschreiben für das Volksbegehren mit einem Freund zusammengetan. Gemeinsam fuhren sie zur Verwaltungsgemeinschaft Leuchtenberg/Tännesberg im Tännesberger Rathaus und trugen sich ein. Doch er kann jeden verstehen, der sich aufgrund der Wegstrecke nicht die Mühe gemacht hat: "Das Rathaus in Leuchtenberg war in den zwei Wochen nie offen", meint er und erklärt so das schlechte Abschneiden der Gemeinde.

Nur 72 Leuchtenberger haben sich in die Listen zum Volksbegehren eingetragen. Das entspricht bei 999 Wahlberechtigten einem Wert von 7,21 Prozent, und ist somit das schlechteste Ergebnis im Landkreis Neustadt. "Das Rathaus ist seit ein paar Jahren dicht. Das ist im Allgemeinen für uns persönlich sowieso ein Schmarrn, aber es geht nicht anders. Ich glaube weniger, dass die Leuchtenberger bienenfeindlich sind", sagt der OWV-Vorsitzende. Wenn man ein bisschen Umweltbewusstsein habe, sei einem der Widersinn der Aktion klar, "weil man verfährt ja einen Haufen Sprit".

Hier geht`s zum Ergebnis des Volksbegehrens im Landkreis und der Stadt Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Tännesberg weit vorne

Bürgermeister Anton Kappl kann sich die geringe Beteiligung am Volksbegehren nicht erklären. Vielleicht habe es im Ort keinen richtigen Antrieb dazu gegeben, vermutet er. Dass es an der Wegstrecke gelegen haben mag, glaubt er nicht. "Ich habe da keine Info aus der Bevölkerung bekommen, dass das ein Problem gewesen wäre. Jemand aus Döllnitz hätte dann auch nach Leuchtenberg fahren müssen, um zu unterschreiben." Das Marktoberhaupt verweist außerdem auf die Sonderöffnungszeiten des Rathauses Tännesberg zur Eintragung.

In Tännesberg haben die Bienenfreunde dagegen das beste Ergebnis im Altlandkreis eingefahren und sind landkreisweit hinter Neustadt/Kulm (23,5 Prozent) und Kohlberg (22,93 Prozent) auf Platz drei. 256 Wahlberechtigte leisteten ihre Unterschrift. Das entspricht bei 1251 Wahlberechtigten einem Anteil von 20,46 Prozent. "Ich persönlich habe mich gefreut für die Biodiversitätsgemeinde, und aus dem Grund wundert's mich überhaupt nicht", sagt Bürgermeister Max Völkl. Viele Landwirte in der Gemeinde würden sich schon am Agrarumweltschutz (KULAP) beteiligen. "Ich sehe keine Diskrepanz. Man muss sich jetzt an einen runden Tisch setzen und sehen, was man daraus macht, aber ohne das Volksbegehren wäre wahrscheinlich überhaupt nichts geschehen."

Umweltschutz verbindlich

Ähnlich sieht es auch Biodiversitätsmanager Florian Lang: "Das Volksbegehren bringt ein wichtiges Thema in die Öffentlichkeit. Wir sind auf einem Weg, mehr Verbindlichkeit in den Naturschutz zu bekommen. Wir sehen in der Landschaft überall, dass wir mit den Maßnahmen der vergangenen 10 bis 15 Jahre nicht weitergekommen sind. Wir konnten den Verlust der Biodiversität und das Sterben der Insekten nicht stoppen, es ist einfach wichtig, das Thema jetzt höher zu hängen, und ihm einen verbindlichen Rahmen zu geben."

Toni Wolf, Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz, hätte sich von der Bayerischen Modellgemeinde allerdings ein besseres Ergebnis erwartet. "Hier ist noch Luft nach oben." Bauern und Bund Naturschutz müssten miteinander reden und nach Lösungen suchen. Wolf begrüßt durchaus den runden Tisch, zu dem Ministerpräsident Markus Söder einladen wird, um in erster Linie die Fronten zu entschärfen. Er sieht nicht bei den Landwirten die Schuld, vielmehr in einer falschen Landwirtschaftspolitik der Vergangenheit. Wolf verlangt auch ein Umdenken bei den Kleingärtnern. "Schon mit geringem Aufwand lassen sich im Garten Oasen für Vögel und Kleintiere anlegen."

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