15.04.2019 - 10:15 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

"Wolf wird Alltagsgespräch in der Oberpfalz"

"Der Wolf ist Bestandteil der Natur. Er wird Politik und Menschen auf dem Land vor große Herausforderungen stellen." Das sagt Forstdirektor Ulrich Maushake von der Bundesforstverwaltung Grafenwöhr anlässlich der Hegeschau in Leuchtenberg.

Die Hegeschau der Kreisgruppe Vohenstrauß des BJV in der Mehrzweckhalle Leuchtenberg
von Ernst FrischholzProfil

Die Aussagen von Maushake zauberten den 150 Jägern in der Mehrzweckhalle bei der Hegeschau der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband (BJV) nicht gerade ein Strahlen in die Gesichter. Mit Vohenstrauß, Eslarn, Waidhaus, Tännesberg und Leuchtenberg sind fünf Hegegemeinschaften mit unzähligen Revieren involviert. Die Hegeschau jedes Jahr ist ist gesetzlich vorgeschrieben. "Wir zeigen, was wir gehegt haben und kommen so dem gesetzlichen Auftrag nach", stellte beim offiziellen Akt Sonntagnachmittag der Kreisgruppenvorsitzende Christian Ertl heraus.

Ertl ordnet sich ganz klar nicht als Befürworter von „Wald vor Wild“, sondern als Fans von „Wald und Wild“ ein. Der Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Alexander Flierl bezeichnete die Jäger als Naturaktivisten im Einklang mit Imkern und Fischern. "Ohne Jagd gibt es keinen funktionierenden Artenschutz", so der Redner. Die Politik steht dabei an der Seite. 90 Minuten faszinierte Maushake durch die Reihen gehend mit dem Wolf, der wie kaum ein anderes Tier eine solch politische Brisanz hat. "In spätestens drei Jahren wird er das Alltagsgespräch in der Oberpfalz sein", so seine Aussage, die er im Nachhinein auch fundierte.

Ausgangspunkt war der Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit 24000 Hektar, der dem Bundesforstbetrieb untersteht. Beste Voraussetzungen für den Wolf - und da zeigte Maushake per Foto ein dominantes Paar, das sich schon heimisch gemacht hat: „Der große Hermann und seine schöne Sissy“. Sie haben noch keine Nachkommen, aber das „freudige Ereignis“ werde sich einstellen. Maushake geht von 1000 Wölfen in Deutschland aus. Die meisten seien wohl im Osten der Republik heimisch, aber die Oberpfalz sei für den Wolf kein Sperrgebiet mehr. 270 Hinweise und 56 Sichtungen verdeutlichen das. Die letzten Fotos vom 25. Januar sagen, dass dem großen Hermann und seiner Frau der Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehört. Rudel sind die Fortsetzung. Eine Wolfsfamilie mit acht Tieren hat ein Aktionsfeld vom 250 Quadratkilometern und nimmt sich 500 Stück Rehe, Rotwild und Schafe oder Rinder von der Weide. Sie würden sich einfach das nehmen, was sie am leichtesten bekommen. Wildschweine würden sie in der Regel wegen deren Wehrhaftigkeit meiden. "Der Wolf kann im menschlichen Umfeld leben, er braucht keine Wildnis, nur Beutetiere", verdeutlichte Maushake. "Wir werden in der Oberpfalz ganz schnell mit Wölfen konfrontiert und wohl auch leben. Zwei, drei Jahre - jeder von ihnen wird spätestens dann mit dem Wolf im Revier konfrontiert sein", schloss Maushake.

Die Abschussplanung für die fünf Hegemeinschaften präsentierte Eduard Forster. Mit 104 Prozent hat man den von der Jagdbehörde vorgegebenen Auftrag erfüllt. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Fütterer, unterstellte den Jägern, dass sie sich mit den Landwirten verstehen. Zum Thema Wolf sagte Fütterer: "Wenn die Politik den Wolf will, werden auch wir Bauern und Viehhalter damit leben müssen." Leuchtenbergs Bürgermeister Anton Kappl kennt das Jägerlatein als Wirt eines Jägerstammtisches bis in Detail. Er hob heraus, dass gerade der Freitag als Information für die Kinder der Grundschule und des Heilpädagogischen Zentrums Irchenrieth besondere Anerkennung verdient.

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