07.04.2021 - 15:17 Uhr
Liebenstein bei PlößbergOberpfalz

Stein bei Plößberg: Nachbarn planen Wasserstoff-Tankstelle

Das Erdenwerk Ziegler in Stein und das benachbarte Sägewerk Ziegler wollen gemeinsam ein Projekt für Wasserstofferzeugung mit Photovoltaik bei Liebenstein starten. Die grobe Planung stellten sie im Marktrat vor.

Mit dem Thema Wasserstofferzeugung befasste sich der Marktrat Plößberg. Das Erdenwerk Ziegler und das Sägewerk Ziegler wollen mit der Firma Linde eine Wasserstoff-Tankstelle im Bereich Liebenstein realisieren. Die grobe Planung stellten sie im Marktrat vor. Per Videokonferenz waren die Wasserstoff-Experten zugeschaltet.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Zwei Steiner Unternehmer wollen gemeinsam in nachhaltige Energieversorgung investieren. Matthias Ziegler, Geschäftsführer des Erdenwerk Ziegler, und Josef Ziegler, Chef des benachbarten Sägewerk Ziegler, planen, Energie aus Freiflächenphotovoltaikanlagen und Windkrafträdern für die Erzeugung von "grünem Wasserstoff" zu nutzen. Dazu soll eine Wasserstoff-Tankstelle im Bereich Liebenstein entstehen.

Mit dem Vorhaben befasste sich der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend. Bürgermeister Lothar Müller machte deutlich, dass derzeit grundsätzlich keine Freiflächenphotovoltaik-Anlagen auf Gemeindegebiet zugelassen seien. Dieses Projekt sei jedoch so außergewöhnlich, dass sich das Gremium die Pläne für das Vorhaben anhören wollte.

Starke Förderungen

Zunächst gab Prof. Dr. Markus Brautsch, Geschäftsführer des Instituts für Energietechnik (IfE) an der OTH Amberg-Weiden, eine Einführung in die Thematik. Mit dem Projekt selbst habe Brautsch nichts zu tun. Er erklärte, dass die Wasserstofferzeugung eine gute Möglichkeit sei, überschüssigen Strom - etwa aus Solaranlagen und Windkrafträdern - in Wasserstoff umzuwandeln. Die Wasserstofferzeugung durch Elektrolyse diene als Transfer, um Strom zu speichern und ihn in anderen Sektoren wieder in Energie umzuwandeln. Wasserstoff als Energieträger bediene vor allem die Bereiche Mobilität und Stromversorgung der Industrie. Aktuell befinde man sich noch in der "Markthochlaufphase", den Wasserstoff wettbewerbsfähig zu machen, so der IfE-Geschäftsführer. Sowohl in Bayern als auch bundesweit würden solche Vorhaben stark gefördert.

Erzeugung, Speicherung, Transport

Dann stellte Christoph Stiller, zuständig bei der Firma Linde für die nachhaltige Wasserstoffproduktion in Deutschland, das Projekt "grüner Wasserstoff für Plößberg" vor. Das Unternehmen ist auf Industriegas spezialisiert und einer der weltgrößten Wasserstoffanbieter. Die Firma deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab - von der Erzeugung und Verflüssigung über Transport und Speicherung bis zum Betanken wasserstoffbetriebener Fahrzeuge. Die beiden Geschäftsführer der Steiner Unternehmen suchten für ihr Projekt einen Partner und stießen auf Linde.

Stiller stellte die Konzeptidee für die Wasserstofftankstelle im Bereich Liebenstein näher vor. Angedacht sei eine mittelgroße Freiflächenphotovoltaik-Anlage mit rund 100 Quadratmetern. "Das rechnet sich für uns nur, wenn die Wasserstofferzeugung direkt an die Solaranlage gekoppelt ist", merkte Josef Ziegler an. Vorgesehen sei auch, die Energie aus Windkraftanlagen mit in die Wasserstofferzeugung einfließen zu lassen.

Daran angeschlossen werde eine 2-Megawatt-Elektrolyse-Einheit, diese habe einen Wasserstoff-Output von 36 Kilogramm pro Stunde. Den Wasserverbrauch hält Stiller für "überschaubar", maximal 4500 bis 6000 Liter pro Jahr. Auf einer Tankstelle dieser Größenordnung für Pkw und Lkw könnten bei Vollauslastung 300 Tonnen Wasserstoff pro Jahr erzeugt werden. Dies reiche, um 40 Lkws ein Jahr voll zu versorgen. Der Befülldruck für die Fahrzeuge liege zwischen 350 und 700 Bar, informierte der Fachmann.

Vom Dach unter die Erde

Für die Tankstelle benötige man ein Areal von rund 20 mal 28 Meter, erklärte Stiller. Die Wasserstofferzeugungsanlage mit Elektrolyse-Einheit, Verdichter, Drucktank und Vorkühlung könne unterirdisch verbaut werden. Die Freiflächenphotovoltaikanlage könne etwa auf dem Dach der Tankstelle angebracht werden - ähnlich wie bei der Autobahnraststätte Fürholzen West, die Linde konzipierte. Um besonders in den Anfangszeiten die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, könnte die Tankstelle bei Plößberg auch als Abfüllstelle für den Weitertransport des Wasserstoffs an Linde-Kunden fungieren.

Noch kein genauer Standort

Natürlich müssten noch viele Details geklärt werden, warf Matthias Ziegler ein. Die Initiatoren fokussierten sich zunächst auf technische Details. "Wir wollten unser grobes Konzept vorstellen und wissen, ob wir weiterplanen können." Noch stehe nicht fest, an welchem Standort die Tankstelle hinkommen soll und wer wieviel investiert oder die Wasserstofftankstelle schlussendlich betreibt. "Wir haben verschiedene Modelle diskutiert und müssen das noch klären." Dennoch seien dies keine oberflächlichen Gespräche. Erdenwerk Ziegler und Sägewerk Ziegler wollen das Vorhaben gemeinsam mit Linde umsetzten, teilten sie auf Nachfrage des Bürgermeisters mit.

Dritter Bürgermeister Hans Klupp (Freie Wähler) hält die Wasserstofftechnologie als sehr zukunftsfähig und überzeugend. Er machte dennoch deutlich, dass er es nicht akzeptieren könnte, wenn nur die PV-Anlage gebaut würde und es später hieße, aus der Wasserstofferzeugung wird doch nichts. "Das wäre für mich der Supergau." Außerdem wies er auf Vorbehalte in der Bevölkerung hin - besonders gegen Windräder. Konflikte mit den Anwohnern gelte es in jedem Fall zu vermeiden. Darauf antwortete Matthias Ziegler, dass es einen Informationsabend geben soll, wenn die Pläne konkreter werden. Josef Ziegler fügte an, dass die Planer in Sachen Windräder bereits mit der Gemeinde Mähring gesprochen hätten. Etwa könnte die Energie der vorhandenen Windkrafträder auf deren Gemeindegebiet in die Wasserstofftankstelle einfließen.

Wasserverbrauch bedenken

Michael Ebenhöch (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass der Wasserverbrauch im Markt stark gestiegen sei und die Steinwaldallianz derzeit an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Das Problem könnte zwar gelöst sein, bis die Anlage steht, allerdings müsse das Vorhaben unbedingt mit der Steinwaldallianz besprochen werden. Stiller merkte an, dass das übrige Wasser zwar keine Trinkwasserqualität mehr habe, jedoch nicht verschmutzt sei. "Damit lässt sich durchaus noch was anfangen", beruhigte er. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde über das Projekt weiter beraten. Eine Entscheidung kündigte Lothar Müller für die nächste Sitzung an.

Kürzlich befasste sich der Marktrat mit einem Energiepark in Plößberg

Plößberg
Hintergrund:

Weitere Punkte aus dem Marktrat Plößberg

  • In der Sitzung des Marktrates berichtete Bürgermeister Lothar Müller, dass das Landratsamt die Baugenehmigung für den Mobilfunkmasten bei Wildenau erteilt hat. Das Landratsamt sei zum Schluss gekommen, dass weder das Ortsbild beeinträchtigt wird noch der Denkmalschutz gegen das privilegierte Vorhaben spricht.
  • Weiterer Punkt war, dass Angebote für die Neugestaltung der Gemeinde-Homepage eingeholt würden. Im Zuge der Umgestaltung soll auch eine Plößberg-App entstehen.
  • Müller informierte, dass die Geschwindigkeitsmessgeräte als nächstes in der Schlossstraße in Plößberg und in der Frühlingsstraße in Wildenau aufgestellt werden. Von einem Bürger kam die Anfrage, ob auch Messungen in Schirnbrunn stattfinden. Der Ort sei in der Liste der Standorte enthalten, informierte Müller.
  • Der Bürgermeister erklärte zudem, dass es nun für Markträte grundsätzlich möglich sei, per Videokonferenz an der Marktratssitzung teilzunehmen. Müller fand allerdings, dass im Kultursaal genügend Platz ist und die Sitzungen dort gut funktionieren. „Die Online-Teilnahme kann die Präsenzsitzung nicht ersetzten“, lautete sein Fazit. Das sahen die Markträte genau so und lehnten den Beschluss für die Online-Teilnahme an Marktratssitzungen ab.

 

 

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