21.01.2021 - 14:54 Uhr
PlößbergOberpfalz

Entscheidung über Energiepark in Plößberg vertagt

Ein schlüssiges Konzept für einen Energiepark "Am Vogelherd" stellte ein Plößberger mit seinem Partner in der Marktratssitzung vor. Eine Entscheidung über das Vorhaben musste das Gremium aber verschieben.

Max Horn aus Plößberg plant auf diesem Feld oberhalb des Firmengeländes der Horn Glass Industries AG einen Energiepark. Die Freiflächenphotovoltaikanlage erstreckt sich laut Plan über vier Hektar.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Max Horn aus Plößberg stellte in der vergangenen Marktratssitzung das Konzept für seinen geplanten Energiepark "Am Vogelherd" in Plößberg vor. Als Landwirt im Nebenerwerb bewirtschaftet er diese vier Hektar große Fläche seit 2013. Im vergangenen Jahr reifte mehr und mehr der Entschluss, dieses Feld oberhalb des Firmengeländes der Horn Glas Industries AG mit einer Freiflächenphotovoltaikanlage zu bebauen. Das Gelände erstreckt sich von der Firma Horn in südlicher Richtung bis zum Unternehmen Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen Fleischmann beim Vereinsheim des Kleintierzuchtverein an der Waldstraße.

Fläche besonders gut geeignet

Max Horn findet diese Fläche für besonders passend, da das Feld direkt an ein bestehendes Gewerbegebiet angrenzt. Die Freiflächenphotovoltaikanlage füge sich gut an die bestehende Bebauung an und liege nicht in freier Flur. Außerdem eigne sich der Südhang sehr gut, um pro Hektar eine sehr gute Energieausbeute zu erzielen.

Zwar liege die geplante Anlage direkt am Hauptspazierweg im Ort, jedoch zeigte Horn anhand von Fotos, dass die Fläche von verschiedenen Punkten aus nie gänzlich einzusehen ist und das Landschaftsbild nicht weiter störe.

Keine Versiegelung

Die technischen Details stellte Maximilian Burger, Rechtsanwalt im Bereich Erneuerbare Energie, vor. Die Münchner Kanzlei Heussen, bei der er Partner ist, begleitet deutschlandweit Projekte, wie das Vorhaben in Plößberg, bei der Umsetzung. Burger erklärte, dass wegen der Hanglage eine Zwei-Fuß-Konstruktion vorgesehen sei. Dazu würden Rahmen in den Boden geklopft, je nach Beschaffenheit des Erdreichs zwischen 80 und 150 Zentimeter tief. "Es kommt zu keiner Versiegelung, es braucht kein Betonfundament", informierte Burger. Die Rahmenkonstruktion werde aus Stahl bestehen, die aufliegende Konstruktion aus Aluminium. Die Tische mit den Solarmodulen seien circa sechs Meter lang und würden vorne etwa 80 Zentimeter hoch sein, hinten maximal 2,7 Meter hoch.

Das sei die optimale Höhe, um die Flächen darunter noch bewirtschaften zu können. So sei in Plößberg eine Schafbeweidung angedacht. "Die Tiere können unter der Konstruktion problemlos hindurchlaufen und sich frei bewegen."

Hinsichtlich der Erzeugungsleistung könnte pro Hektar Fläche ein Megawatt Strom gewonnen werden. Dies ergebe eine CO2-Einsparung von 3840 Tonnen pro Jahr. Eine Einspeisungszusage vom Bayernwerk für die geplante Anlage liege bereits vor. Ziel sei allerdings, die örtlichen Firmen im Gewerbegebiet einzubeziehen. So sei unter anderem eine Abgabe an die Horn AG geplant. Auch Gespräche mit weiteren Firmen laufen. "Wir wollen den produzieren Strom den Gewerben zur Verfügung stellen", so der Rechtsanwalt. Durch die Einspeisung vor Ort brauche es keine langen Kabeltrassen, um den Strom zu verteilen.

Stromproduktion läuft lautlos

Burger erklärte, dass während der gesamten Planungsphase keine Kosten auf die Gemeinde zukämen. Den Energiepark plant das Landschaftsarchitekturbüro Remold aus Nabburg. Zudem seien großzügige Ausgleichsflächen mit eingeplant. Gute Erfahrungen habe man laut Burger mit dem Aufstellen von Bienenkästen gemacht. Imker seien sehr dankbar über solche abgezäunten Flächen inmitten von intensiver Begrünung.

Naturschutzrechtliche Belange liegen auf dem vorgesehen Areal nicht vor, die Fläche sei durch das Gewerbegebiet sowieso schon vorbelastet. "Und auf der Anlage tut sich nichts. Die Stromproduktion läuft lautlos." Die Freiflächenphotovoltaikanlage könne sogar als Puffer zwischen Gewerbegebiet und Wohnbebauung dienen.

CSU-Marktrat Adalbert Zölch fragte nach der genauen Auslastung der Anlage und mit wie viel Energieabgabe pro Jahr an die örtlichen Firmen gerechnet werde. Das Ziel sei, so viel wie möglich vor Ort zu verbrauchen. "So viel Strom wie die Firmen brauchen, können wir gar nicht produzieren", berichtete Burger. Bei einer Überproduktion im Sommer gebe es auch die Möglichkeit eines Feldspeichers, der den Strom speichert und bei Bedarf zur Verfügung stellt. Genaue Auslastungsprofile könne man aber erst liefern, wenn die Anlage in Betrieb sei.

Klausurtagung abwarten

Bürgermeister Lothar Müller wies auf einen Grundsatzbeschluss der Marktgemeinde hin, wonach derzeit auf Gemeindegebiet keine Freiflächenphotovoltaikanlagen zugelassen seien. Aufgrund der Vielzahl an Anträgen auf Freiflächenphotovoltaikanlagen wollte sich das Gremium mit der Thematik während einer Klausurtagung im Februar intensiv auseinandersetzen. Dieser Termin sei wegen Corona aber in der Schwebe. "Wir müssen erst Kriterien erarbeiten, wie und wo wir solche Anlagen zulassen wollen", betonte der Bürgermeister. Er konnte den Antragstellern noch keinen konkreten Zeitraum für die Bearbeitung ihres Antrags nennen.

"Das hört sich zwar alles wahnsinnig gut an und liegt auch im Trend der Zeit. Aber ich bin dafür, zunächst einen nachvollziehbaren Kriterienkatalog zu erarbeiten", sagte Dritter Bürgermeister Hans Klupp ( Freie Wähler). Wenn der Marktrat alle Anträge auf solche Anlagen ohne genaue Prüfung und Kriterienkatalog genehmige,habe die Kommune am Ende plötzlich 100 Hektar Freiflächenphotovoltaikanlagen auf Gemeindegebiet, gab er zu bedenken.

Bürgermeister Lothar Müller berichtet im Interview von anstehenden Projekten in Plößberg

Plößberg

 

 

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