13.01.2021 - 10:48 Uhr
PlößbergOberpfalz

Markt Plößberg: Projekte mit Nachdruck vorantreiben

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Wirtschaft, Baugebiete, Leerstand, Naherholung und Soziales: Die Themenliste ist lang, die Bürgermeister Lothar Müller beschäftigt. Im Interview erzählt der Plößberger, welche Projekte die Kommune 2021 besonders anschieben möchte.

Als besonders wichtiges Projekt, das 2021 fertig werden soll ist das Mehrgenerationenhaus in der Blumenstraße 22 in Plößberg, erklärte Bürgermeister Lothar Müller im Jahresinterview.
von Lena Schulze Kontakt Profil

ONETZ: Herr Bürgermeister Müller, würden Sie sagen, das Jahr 2020 war für Sie das außergewöhnlichste in ihrer bisherigen Amtszeit?

Lothar Müller: Ja, ich denke das kann man so sagen. Das Jahr war natürlich sehr stark von Corona geprägt. Wir speichern alles im digitalen Archiv. Und die Ordner mit Corona-Infos waren die, die am schnellsten gewachsen sind. Im Frühjahr kam tagtäglich eine Flut von neuen Informationen. Das war Wahnsinn.
Wobei es auch so ein sehr ungewöhnliches Jahr war. Wir hatten heuer einen Rekordhaushalt mit knapp 21 Millionen Euro. Seit einigen Jahren bekommen wir keine Stabilisierungshilfe mehr, weil wir ein so hohes Steueraufkommen haben. Heuer hatten wir Rekord-Gewerbesteuereinnahmen von 7,5 Millionen Euro. Das haben wir der Finanzkraft unserer Unternehmen zu verdanken. Bei den Firmen in der Gemeinde sind wir sehr vielschichtig aufgestellt.

ONETZ: Wie sehen Sie die Veränderungen in der Kommune? Was gefällt Ihnen dabei?

Lothar Müller: Es freut mich, dass wir mit Hilfe der Städtebauforderung das Mehrgenerationenhaus in der Blumenstraße 22 in Plößberg sanieren können. Was mir auch gefällt, ist, dass wir in der vergangenen Marktratssitzung die Sanierung des Kooperatorhauses in Beidl und die Sanierung des evangelischen Pfarrhauses in Plößberg mit hohen Zuschüssen auf den Weg bringen konnten. In Beidl ist die Gemeinde der Bauträger, beim Pfarrhaus ist die evangelische Kirche Bauherrin. Aber wichtig ist, dass wir mit Unterstützung vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) sowie der Regierung der Oberpfalz durch die Städtebauförderung diese zwei Projekte voranbringen können.

ONETZ: Wie ist der derzeitige Stand bei den Bauarbeiten des Mehrgenerationenhauses?

Lothar Müller: Das Projekt „Soziale Mitte“ ist ein bisschen schwer zu greifen. Da müssen wir als Gemeinde noch mehr Aufklärungsarbeit leisten. Aber es ist für die Gemeinde ganz wichtig. Ins Mehrgenerationenhaus ziehen Nachbarschaftshilfe und Behindertenbeauftragter ein. Sie warten schon lange auf ihre neuen Büroräume. Im Dachgeschoss entsteht eine Wohnung. Dafür gibt es schon Anfragen, aber die weise ich derzeit noch zurück. Wir wollen erst mal fertigbauen. Es ist ein Projekt, beim dem sich die Planungen ewig hingezogen haben. Wir haben über ein Jahr auf die Ausschreibungen des Ingenieurbüros gewartet, da hatten wir schon lange die Zuschusszusage der Regierung. Gerade sind wir mitten in der Bauphase. Die Bauarbeiten konnten erst im Herbst so richtig anlaufen. Kurz vor Weihnachten wurde das Dach zugemacht. 2021 soll alles fertig sein.

"Es ist nicht so, das man nichts weg arbeitet, aber manches könnte schon geschmeidiger gehen."

Bürgermeister Lothar Müller

Bürgermeister Lothar Müller

ONETZ: Wo muss die Gemeinde noch nachbessern?

Lothar Müller: Was momentan nicht sehr prickelnd ist, aber eine gute Zukunftsperspektive hat, sind zum Beispiel der Große Weiher und das Freizeitareal drumherum. Das Areal ist in die Jahre gekommen und muss überarbeitet werden. Da sind wir dran und lassen eine Machbarkeitsstudie erstellen. Die soll so schnell wie möglich in Auftrag gegeben werden.

Auch der Campingplatz in Plößberg beim Großen Weiher ist seit Monaten ein Streitthema

Plößberg

ONETZ: Gibt es auch Pläne in Sachen Leerstand?

Lothar Müller: Was mir am Herzen liegt, sind vernünftige Ortsbilder in allen Teilen der Gemeinde. Durch den Bau der Umgehungsstraße bekommen wir speziell in Plößberg den Schwerlastverkehr aus der Ortsmitte hinaus und können uns verstärkt auf die innerörtliche Gestaltung konzentrieren. Auch die Ortsdurchfahrt, die schon ins Alter gekommen und abgenutzt ist, können wir dann neu gestalten. Dann dürfte auch die Wohnqualität an der Hauptstraße wieder steigen. Wir wollen die Ortsmitten in jedem Fall wieder lebendiger gestalten. Das ist unser Ziel. Die Ortsumgehung ist deshalb ein Riesenschritt und ein wichtiges Projekt.
In Sachen Leerstandsinitiative sind wir noch relativ am Anfang. Aber das Thema haben wir auf den Weg gebracht. Hier sehe ich gute Chancen, dass wir die Kommune infrastrukturell verbessern können.

ONETZ: Was sind aktuell die größten Investitionen in der Kommune?

Lothar Müller: Summenmäßig sind das die Brücke über den Liebenstein-Stausee und die daran anschließenden Ortsverbindungsstraßen Ödschönlind-Dürnkonreuth. Das ist gerade noch in Planung, der Baubeginn ist aber für 2021 angedacht. Insgesamt kostet das Vorhaben 11,3 Millionen Euro. Ein großes Projekt, das auch sehr mit hohen Summen gefördert wird. Das wird aber wahrscheinlich erst 2022 kostenwirksam. Danach kommen gleich die drei Häuser: das Mehrgenerationenhaus, das Kooperatorhaus in Beidl und das evangelische Pfarrhaus.

Mehr über die Sanierung des Kooperatorhaus in Beidl

Beidl bei Plößberg

ONETZ: Konnten im Vorjahr auch Projekte abgeschlossen werden?

Lothar Müller: Der Umbau zum barrierefreien Rathauses mit dem Aufzug ist fertig geworden. Auch verschiedene kleine Straßensanierungen und Baumaßnahmen konnten wir abschließen. Als nächstes wird die Kläranlage im Frühjahr 2021 fertig. Die Arbeiten sind gerade in der Schlussphase. Aber die meisten größeren Projekte in unserer Gemeinde laufen über mehrere Jahre und sind gerade in Bearbeitung.

ONETZ: Einige Bauprojekte haben Sie schon angesprochen. Was läuft noch gerade?

Lothar Müller: Auch in Sachen Baugebiete kommen wir weiter. Aktuell wird das Gebiet „Kapellenweg“ in Plößberg erschlossen. Auch beim Baugebiet „Schloßleite“ in Wildenau konnten wir endlich den Bebauungsplan beschließen. Das waren schon sehr aufwendige und langwierige Vorhaben. Das ist dem geschuldet, dass wir viele Belange berücksichtigen mussten – sei es Wasserrecht, Umweltschutz, Emissionsschutz. Das hat aber auch den Vorteil, dass man hinterher alle Belange geprüft hat und rechtlich abgesichert ist. Genauigkeit geht vor Schnelligkeit.

Der Marktgemeinderat beschließt den Bebauungsplan "Schloßleite"

Wildenau bei Plößberg

ONETZ: Was wird 2021 ganz oben auf dem Hausaufgabenzettel der Marktgemeinde stehen?

Lothar Müller: Das ist aus meiner Sicht die Machbarkeitsstudie für das Areal Großer Weiher. Da müssen wir unbedingt tätig werden. Die Studie haben wir schon im Juli beschlossen. Beauftragt ist sie noch nicht, allerdings haben schon Gespräche mit einigen Planern geführt, und einige Landschaftsplaner haben sich beworben. Die Machbarkeitsstudie wollen wir so zügig wie möglich vergeben.
Genauso wichtig ist die Machbarkeitsstudie für die Anwesen in der Hauptstraße 11 und 9. In den Leerständen „Schwarzer Adler“ und im Neidhard-Haus sind besondere Wohnformen oder eine Gastronomie denkbar. Dazu sind momentan mehrere Ideen vorhanden. Auch die „Soziale Mitte“ wollen wir vorantreiben. Diese drei Projekte sehe ich als gleichwertig an. Da müssen wir mit Nachdruck dran arbeiten.

ONETZ: Ein großes Thema waren in den vergangenen Sitzungen immer wieder auch Kindergarten und Kinderkrippe...

Lothar Müller: Die Erweiterung der Kinderkrippe hängt auch mit der „Sozialen Mitte“ zusammen. Eine Variante wäre, dass wir den evangelischen Pfarrsaal kaufen und an dieser Stelle eine neue Kinderkrippe errichten. Das ist noch nicht entschieden. Aber der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt weiter. Da möchten wir tätig werden.

ONETZ: Welche Projekte wollen Sie im kommenden Jahr ganz neu angehen?

Lothar Müller: Die Wohnbebauung ist so ein Thema. Die Kommune hat heuer für insgesamt rund eine Million Euro Grundstücke in Wildenau, Plößberg und Schönkirch erworben, die wir zu Bauland machen wollen. Und auch in den anderen Ortschaften hat die Gemeinde diverse Anfragen an Grundstückseigentümer gestellt. Die Nachfrage nach Baugrund ist nach wie vor vorhanden.

ONETZ: Was passiert sonst noch so in der Gemeinde?

Lothar Müller: Die Digitalisierung beschäftigt uns immer wieder. Die Schule und das Rathaus wollen wir mit Glasfaser erschließen. Mittlerweile sind wir im vierten Förderprogramm für den Breitbandausbau. Hier sollen besonders die exponierten Lagen, wie die Aussiedlerhöfe, erschlossen werden. Ansonsten haben schon über 90 Prozent der Gemeinde schnelles Internet.
Was uns auch beschäftigt, ist die Gleichstromtrasse, die durch unser Gemeindegebiet läuft – und zwar nicht gerade wenig. Bei Liebenstein geht die Trassen relativ nah an einem Gewerbegebiet vorbei. Da haben wir interveniert. In diesem Bereich gab es eine Alternativplanung, die Tennet nicht weiter verfolgen wollte. Bei einem gemeinsamen Vorort-Termin schlug die Bundesnetzagentur vor, die alternative Route bei der Planung doch näher zu betrachten. Der alternative Verlauf geht zwar durch ein Waldstück, das aber eher unbedeutend ist. Und auch ein vermutetes Bodendenkmal sollte keine große Rolle spielen. Das sind alles Themen, die sieht man nicht groß in der Öffentlichkeit, beschäftigen aber die Verwaltung dennoch.

ONETZ: Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?

Lothar Müller: Ich wünsche mir oft, Sachen schneller durchziehen und abarbeiten zu können. Wir möchten und wollen, werden aber gebremst und bleiben in der Planung stecken. Das trifft auf viele Projekte in der Gemeinde zu. Es ist nicht so, dass man nichts wegarbeitet, aber manches könnte schon geschmeidiger gehen. Außerdem wünsche ich mir, dass die Bürger zufrieden sind und keine Zukunftssorgen haben müssen.

Ungewöhnlich spät verabschiedete die Marktgemeinde Plößberg den Haushalt 2020

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