03.11.2020 - 15:19 Uhr
PlößbergOberpfalz

Räumungsfrist für Dauercamper verlängert

Die Fronten verhärten sich zusehends: Unumgänglich ist laut Marktrat die Schließung des Campingplatzes. Das Gremium gewährt den Dauercampern vier Monate mehr zur Räumung. Damit werden sich die Betroffenen aber nicht zufrieden geben.

Der Marktrat gewährt den über 100 Stellplatzmietern auf dem Campingplatz Plößberg eine Verlängerung der Räumungsfrist bis 31.Juli 2021. Der Betrieb wird allerdings wie geplant zum 31.März 2021 eingestellt, Strom und Wasser abgestellt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Wieder stand der Campingplatz Plößberg auf der Tagesordnung des Marktrats. In der Novembersitzung beriet das Gremium über den Antrag der SPD-Fraktion zur Verlängerung der Räumungsfrist für die Dauercamper.

Ein Rückblick: Der Marktrat beschloss, den Campingbetrieb am Großen Weiher einzustellen. Nachdem der Platz seit 25 Jahren im Dauereinsatz ist, ergaben sich erhebliche Mängel und Defizite. Zudem fehlt ein Pächter, weshalb die Kommune das Areal seit April selbst betrieb. Weil der Platz nicht rentabel bewirtschaftet werden kann, ist eine Schließung unumgänglich. Diese Nachricht schreckte die Dauercamper auf. Neben vielen anderen offenen Fragen und der Verärgerung über die Vorgehensweise der Gemeinde kritisierten sie die Räumung des Geländes bis 31. März 2021. Dies sei zu kurzfristig.

Die Verträge mit den Dauercampern würden laut Bürgermeister Lothar Müller in den kommenden Wochen gekündigt. Dass die Räumung binnen fünf Monaten bis zum 31. März 2021 je nach Wetterlage im Winter schwer einzuhalten sei, sah das Gremium ein. Eine Verlängerung bis Ende September - wie im Antrag der SPD gefordert - schien dem Gremium allerdings zu lang. Die Parzellen hätten eine überschaubare Größe und müssten in wenigen Wochen zu räumen sein. Die Frist soll bis maximal 30. Juni verlängert werden, hieß es in der Vorlage. Es würden Vorkehrungen getroffen, dass Camping auf dem Gelände ab dem 1. April 2021 nicht mehr möglich ist, verwies Müller darauf, dass der Betrieb eingestellt wird. Wasser und Strom werden also abgestellt. Der Bürgermeister stellte nochmals klar, dass die gesamte Anlage einer Erneuerung bedarf. Der Betrieb des Platzes scheitere daran, dass sich kein Pächter findet.

Die Dauercamper fordern Alternativen zur Räumung des Areals

Plößberg

Gespräch mit Betroffenen suchen

Hans-Dieter Dietl (SPD) sah Ende Juni als Frist immer noch zu kurzfristig. "Corona, Alters- und Entfernungsgründe machen eine Räumung bis dahin schwierig", fand er. Dietl regte an, den Stellplatzmietern die Kurzcamper-Plätze zur Überbrückung zur Verfügung zu stellen.

Dritter Bürgermeister Hans Klupp (Freie Wähler) sah ein, dass die Nachricht für die Stellplatzmieter hart ist. Wichtig ist ihm, noch einmal das Gespräch mit den Dauercampern zu suchen. "Wir müssen über die Fakten sprechen, die uns zu dieser Entscheidung geführt haben." Eine Räumungsfrist bis 30. Juni hält Klupp für angemessen.

Auch CSU-Fraktionssprecherin Tina Zeitler sagte: "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht." Eben weil kein Pächter da sei, sei jetzt der richtige Zeitpunkt für die Schließung. "Wir haben Verständnis für den Unmut der Dauercamper." Auch sie schlug vor, das Gespräch mit der Bevölkerung und den Betroffenen zu suchen. "Mit der Machbarkeitsstudie ist noch alles offen. Es besteht die Möglichkeit zur Mitsprache." Eine Sanierung auf Etappen hielt sie für nicht umsetzbar. Neue Platzaufteilung, Installation der Infrastruktur: "Es ist eine zu große Maßnahme." Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger (CSU) schlug vor, die Räumungsfrist bis 31. Juli 2021 auszuweiten. Weil vor März eine Räumung witterungstechnisch schwierig werden könnte, sollte man doch noch einen Monat im Sommer anhängen. Dem stimmte das Gremium zu.

Räumung bis 31. Juli beschlossen

Da die Gemeinde den Campingbetrieb bereits zum 31. März einstellt und auch keine Infrastruktur und damit keine Nutzungsmöglichkeit mehr besteht, kann der Markt nach diesem Termin auch nicht haftbar gemacht werden. Deshalb erhebt die Kommune laut Beschluss von April bis Juli auch keine Stellplatzgebühr mehr. Die Dauercamper sind laut Vertrag dazu verpflichtet, ihren Platz nach der Kündigung geleert zu hinterlassen.

Der Marktrat beschloss, den Betrieb am Campingplatz einzustellen

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Info:

Petition erreicht Quorum

Die Petition, die Stellplatzmieter Wilhelm Üblacker gegen die Räumung des Campingplatzes Plößberg gestartet hat, erreichte binnen drei Wochen das Quorum. Über 850 Personen unterstützen die Petition. „Wir haben inzwischen auch seitens der Plößberger Bevölkerung Unterstützung signalisiert bekommen“, sagt Üblacker. Die Petition wollen die Dauercamper persönlich an Bürgermeister Lothar Müller übergeben. Ein Aufschub der Räumung sei nicht das vorrangige Ziel der Stellplatzmieter. „Das läuft wahrscheinlich nur auf eine humanere Formulierung der Kündigung hinaus“, meint Üblacker.

Wie das weitere Vorgehen aussehen kann, besprachen die Campingfreunde mit Vertretern der „Großen-Weiher-Freunde“ und der Bürgerinitiative „Zum Schutz der Umwelt und Mensch und Natur“.

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