14.10.2020 - 13:58 Uhr
PlößbergOberpfalz

Campingplatz Plößberg wird geräumt

Nachdem der Campingplatz Plößberg seit 25 Jahren im Dauereinsatz ist, ergaben sich erhebliche Mängel und Defizite. Die Markträte beschlossen, den Betrieb vorerst einzustellen, bis ein rentables Konzept vorliegt.

Der Campingplatz Plößberg wird am 31. März 2021 vorerst geräumt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Der künftige Betrieb des Plößberger Campingplatzes stand auf der Tagesordnung des Marktrates Plößberg in der Sitzung am Dienstagabend. Beschlossen wurde dann allerdings die vorübergehende Schließung des Campingplatzbetriebs. "Der Platz kann nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden", sagte Bürgermeister Lothar Müller. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich Defizite von 800 000 Euro ergeben, berichtet Müller. Der Campingplatz sei seit rund 25 Jahren 365 Tage im Jahr 24 Stunden täglich in Betrieb. Dementsprechend ergeben sich eine Vielzahl an Mängel und ein erheblicher Investitionsstau.

Einnahmen zu gering

Das Gebäude sei extrem verbraucht. Immer wieder gebe es Engpässe in der Stromversorgung, es seien nicht ausreichend Toiletten vorhanden, Abstellräume fehlen. Einige Stellplätze hätten keinen Wasser- und Abwasseranschluss, somit stünden infrastrukturelle Erschließungen an. Zudem entspricht das Gelände nicht mehr den baurechtlichen und brandschutztechnischen Vorgaben. Diese Mängel durch Baumaßnahmen zu beseitigen sei nicht möglich, während Camper auf dem Platz eingemietet sind.

Ein weiteres Problem: "Einen Pächter zu finden ist schwierig", erklärt Müller. Zwar hättes es Ende vergangenes Jahr Interessenten gegeben, diese seien allerdings abgesprungen. Lege man den Interessenten die Tatsachen auf den Tisch - dass der Campingplatz nicht so betrieben werden kann, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren - ziehen sie zurück, so der Bürgermeister. Die Einnahmen seien zu gering. Weil sich eine Verpachtung schwierig gestalte, betrieb die Marktgemeinde den Campingplatz seit 1. April diesen Jahres selbst nach seinen Möglichkeiten. Wegen der Corona-Pandemie wurden heuer keine Kurzcamper angenommen, alleine Dauercamper waren in den Parzellen eingemietet. Weil allerdings nicht zu allen Tages- und Nachtzeiten jemand von der Gemeinde dort sein kann, stieg der Verschmutzungsgrad auf dem Platz extrem.

Somit soll der Betrieb des Campingplatzes vorerst zum 31. März 2021 eingestellt und das Areal geräumt werden. Die Dauercamper müssen bis zum Stichtag ihre Parzellen leeren.

Hoffnung auf Investor

Eine Machbarkeitsstudie für die beiden Einrichtungen Waldstrandbad und Campingplatz - wobei der Fokus der Studie aber auf dem Badeweiher liegt - soll aufzeigen, wie man das Gelände aufwerten kann. "Es soll ein Platz werden, wo sich die Leute gern aufhalten", betont der Bürgermeister. Die Machbarkeitstudie soll zudem Lösungen bieten, wie ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist. Müller hofft zudem, dass sich ein Investor findet.

CSU-Fraktionssprecherin Tina Zeitler hielt die Leerung des Grundstücks für die beste Lösung. "Keine einfache Entscheidung", findet Dritter Bürgermeister Hans Klupp (Freie Wähler). Aber man müsse der Realität ins Auge sehen: Der Campingplatz entspreche nicht mehr der Vorstellung der Camper und der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Suche nach einem Investor hält Klupp für sinnvoll. Er weist aber darauf hin, hier nicht zu kurz zu denken. Er schlägt vor, mit den Nachbargemeinden Floß und Bärnau, die ebenfalls ein starkes touristisches Angebot hätten, zusammenzuarbeiten. Man solle Synergieeffekte nutzen. Auch Stephanie Wenisch, Leiterin des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald, würde der Gemeinde beratend zur Seite stehen, ergänzte Klupp. "Dieses Angebot sollten wir annehmen."

Notwendiger Schritt

Franz Wittmann (Freie Wähler) plädierte dafür, das Gelände nicht verkommen zu lassen und sauber zu halten. Dem stimmte der Bürgermeister zu. Ob sich der Bauhof oder etwa der Maschinenring künftig kümmern wird, werde intern geregelt, meinte Müller. SPD-Fraktionsvorsitzender Marcus Fritsch war es wichtig zu betonten, dass der Campingplatz nur vorübergehend geschlossen wird. "Nach der Räumung geht es weiter. Wir sind dran eine Lösung zu erarbeiten."

Der Beschluss werde eine große Wende herbeiführen, war sich Müller sicher. "Es ist ein notwendiger Schritt." Das Gremium beschloss einstimmig die Einstellung des Campingplatzbetriebs zum 31. März 2021. Danach erfolgt eine Nutzung nach dem Ergebnis der Machbarkeitsstudie.

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Kommentare

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Rüdiger Fritsch

Den Ausführungen von Wilhelm Üblacker zur Schließung des Plößberger Campingplatzes kann ich mich voll inhaltlich anschließen.

Was mir (Dauercamper seit 2013) allerdings noch fehlt ist die menschliche Komponente!

Mit der Zwangsräumung wir keinerlei Rücksicht auf die mehr als hundert Menschen genommen, die teils seit Jahrzehnten ihre Freizeit in Plößberg verbracht haben und den Campingplatz als Oase der Ruhe und des zwischenmenschlichen Miteinanders nutzten und weiterhin nutzen wollen.

Bei der rein ökonomischen Betrachtung haben die Gemeindeverantwortlichen geflissentlich vergessen zu erwähnen, das Dauer- und Kurzzeitcamper ihr Geld auch im örtlichen Einzelhandel und der Gastronomie ausgeben.

Die bisherigen Pächter scheinen in den vergangenen Jahren auch durchaus ihren Lebensunterhalt mit dem Campingplatz bestritten zu haben.

Ökologisch bedeutet die komplette Räumung, um, wie angekündigt, dann doch wieder einen Campingplatz neu zu betreiben für den alle Parzellen neu bebaut werden müssten eine gigantische Ressourcenverschwendung!

Rüdiger Fritsch

14.10.2020
Rüdiger Fritsch

Den Ausführungen von Wilhelm Üblacker zur Schließung des Plößberger Campingplatzes kann ich mich voll inhaltlich anschließen.

Was mir (Dauercamper seit 2013) allerdings noch fehlt ist die menschliche Komponente!

Mit der Zwangsräumung wir keinerlei Rücksicht auf die mehr als hundert Menschen genommen, die teils seit Jahrzehnten ihre Freizeit in Plößberg verbracht haben und den Campingplatz als Oase der Ruhe und des zwischenmenschlichen Miteinanders nutzten und weiterhin nutzen wollen.

Bei der rein ökonomischen Betrachtung haben die Gemeindeverantwortlichen geflissentlich vergessen zu erwähnen, das Dauer- und Kurzzeitcamper ihr Geld auch im örtlichen Einzelhandel und der Gastronomie ausgeben.

Die bisherigen Pächter scheinen in den vergangenen Jahren auch durchaus ihren Lebensunterhalt mit dem Campingplatz bestritten zu haben.

Ökologisch bedeutet die komplette Räumung, um, wie angekündigt, dann doch wieder einen Campingplatz neu zu betreiben für den alle Parzellen neu bebaut werden müssten eine gigantische Ressourcenverschwendung!

Rüdiger Fritsch

14.10.2020
lena Üblacker

Danke , Herr Fritsch, für die tolle Ergänzung, die ich ganz vergessen hatte, gerade jetzt, in Corona- Zeiten, wo Campingplätze begehrt sind wie nie zuvor - auch mit allen Einschränkungen - wo jahrelang soziale Gemeinschaften gewachsen sind, ist man dabei , diese zu kaputt zu machen, wo doch die CSU und Herr Söder predigt, vor Ort zu bleiben , Urlaub daheim zu machen , den Tourismus in der Heimat zu stärken und dann will man platt machen, was gewachsen ist und gut war für fast alle ! Man kann es einfach nicht verstehen und auch nicht nachvollziehen. Meine Kinder sind dort sorgenfrei und ohne Internet aufgewachsen, ich habe dort schwimmen gelernt, bin ein gebürtiger Plößberger, war bei der Wasserwacht, im Sport- und Faschingsverein und liebe dieses Fleckchen Erde. Ich wollte nach Kanada auswandern, bis ich nach einem Urlaub dort bemerkt habe, dass ich Kanada vor der Haustüre habe und habe diese Oase gepachtet oder gemietet, wie auch immer , um dort eine zweite Heimat zu haben während des Jahres.
Und was kommt jetzt und danach ? Parzellen für Supercamper und Reiche wie in Oberbayern oder im Schwandorfer Seenland, die dann 5 x im Jahr zum Grillen da sind und sicher nicht vor Ort einkaufen ? Man wollte schon vor Jahrzehnten dort für die besseren Leute dort Holzhäuser hinbauen und das ist bekanntlich den Bach runter gegangen. Dürfen sich in Zukunft nur mehr Gutverdiener einen Urlaub oder einen Stellplatz dort erkaufen und nicht die einfachen Leute und Rentner, die ihren Urlaub oder ihren Ruhestand dort genießen wollten. Und das alles wird mit einem Wisch und einem christlichen Gemeinderatsbeschluss durch gewunken. Armes Plößberg !

15.10.2020
lena Üblacker

Campingplatz wird geräumt !

Nach 25 Jahren und einer Begehung mit einem etwa 30 köpfigem Gremium stellt man plötzlich fest, das dort nicht mehr investiert und modernisiert wurde und wartet nicht einmal die Ergebnisse der "Machbarkeitsstudie" ab, stellt die langjährigen Dauercamper via Pressebericht vor vollendete Tatsachen wie schon einmal in Plößberg vor einigen Jahrzehnten. Dies ist sicher auch "Corona" geschuldet, aber nicht den bemühten Dauercampern, die aus diesem Areal eine Oase mitten in der herrlichen Naturlandschaft mit geschaffen haben. Darum muss ich den in der Presse erschienenen Argumenten auch entschieden widersprechen und hätte mir gewünscht, das der Camping-Verein oder deren Vertreter in die Entscheidungsfindung mit einbezogen gewesen wären. Erstens : der Campingplatz entspricht der überwiegenden Mehrheit der Dauercamper und sie sind zufrieden mit dem Areal, was auch die größtenteils liebevollen Stellplatzgestaltungen zeigen. Zweitens : Ich kenne viele andere schlechtere Campingplätze und der "Gebäudeverbrauch" ist wohl dem "Investitionsstau" geschuldet. Drittens: Die gelegentlichen "Engpässe"/Überlastungen in der Stromversorgung waren punktuell und wären bei regelmäßigem Warten wahrscheinlich vermeidbar gewesen. Viertens : Nicht ausreichend Toiletten ? 10 Toiletten, 3 Pissoirs, 7 Duschen, mehrere Waschbecken etc. sollen nicht ausreichen? Keine Gastwirtschaft hat bei ähnlichen Gästezahlen mehr zur Verfügung! Problem war lediglich, das die Reinigung nur dreimal wöchentlich statt finden konnte und deshalb der Verschmutzungsgrad zugenommen hat . Fünftens : Es ist nicht richtig, das "einige" Stellplätze keinen Wasser- und Abwasseranschluss hatten oder haben, sondern im Gegenteil , nur wenige hatten diesen Luxus, aber dafür ist es ja ein Campingplatz und kein Fünf-Sterne Ressort, dass man vielleicht gerne hätte. Sechstens : Baurechtliche und brandschutztechnische gesetzliche Vorgaben gibt es schon immer und sind vertraglich geregelt. Stellt sich nur die Frage, warum trotz jährlicher Begehungen durch die Gemeindeverantwortlichen nie dagegen eingeschritten worden ist und die Camper munter weiter tausende von Euro in ihre Parzellen für einen sturm- und wintersicheren Platz investiert haben, weil ja letztendlich auf das ganze Jahr für den Platz bezahlt wurde. Ich denke, die Verantwortlichen hätten während der Corona-Krise jetzt genügend Zeit gehabt, um sich mit den betroffen Menschen auseinander zu setzen, eventuell gemeinsam Lösungen zu finden oder einfach Argumente aus zu tauschen, um verständlich zu machen, was wirklich hinter diesem Beschluss zu stecken scheint. Das Defizit alleine kann es nicht sein, dann hätte man schon sehr viel früher die "Reißleine" ziehen müssen, ohne die Betroffenen jetzt vor den Kopf zu stoßen. Wilhelm Üblacker, Siebenbürgerstraße 8/Neustadt a.d.Waldnaab /Plößberg, Dauercamper seit 2004 Telefon : 09602 -1403

P.S.: Darf gerne auch als Leserbrief gedruckt werden

14.10.2020