01.07.2021 - 08:30 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Abflug bei der Lufthansa: Luher Miss Marple der Lüfte kennt viele Anekdoten

Ein Check-in-Schalter mit der Aufschrift Luhe-Shanghai, in Oberpfälzisch Gäste an Bord begrüßen oder Thomas Gottschalk begegnen, Martina Schwab-Krichenbauer erlebt bei der Lufthansa viele Geschichten.

Martina Schwab-Krichenbauer macht nach vier Jahrzehnten bei der Lufthansa den Abflug.
von Redaktion ONETZProfil

Vier Jahrzehnte stand sie im Dienst des „Kranichs“. Sorgte bei der Lufthansa dafür, dass Flugzeuge rund um die Uhr mit Hunderten von Passagieren rechtzeitig abheben konnten, dass alles, was nötig ist, an Bord war. Kam auf Tuchfühlung mit vielen besonderen Fluggästen. Jetzt macht Martina Schwab-Krichenbauer selbst den Abflug und sagt der Lufthansa mit vielen Erlebnissen im Ruhestandsgepäck Ade.

Beim Innenarchitekturstudium in Coburg lernte die junge Spielbergerin (Gemeinde Waldthurn) eine Lufthanseatin kennen, die sie zu einer Bewerbung für den Flughafen Nürnberg überredete. Nach einem ersten Freiflug zum Einstellungstest nach Frankfurt ins Lufthansa Schulungszentrum Seeheim begann sie 1982 in München.

Zunächst erhielt sie einen Vollzeitjob in der Telefonzentrale für die Reservierungen. Dann ging es in die Passagierabfertigung zum Check in, wo sie Passagiere und Abflüge betreute. Es folgte der klassische Werdegang im Unternehmen vom Check-in-Agenten, Personaldisponenten, über den Assistant-Flight-Manager zum Flight Manager. Fesch in blauer Uniform und mit Stöckelschuhen bereitete sie als „Flight Manager“ viele Gäste auf ihren Flug vor, nahm auch Beschwerden entgegen. „Ich war verantwortlich für pünktlichen Abflug, verantwortlich dafür, dass alles an Bord ist, was an Bord gehört.“ Ihr Team umfasste 25 Mitarbeiter und zwei Assistenten.

„Man begegnet natürlich sehr vielen interessanten Gästen aus der Politik, von Film, Funk und Fernsehen. Lufthansa war zum Beispiel lange Zeit Vertragspartnerin des FC Bayern. Das war immer aufregend, die Spieler so nah zu sehen.“ In Erinnerung ist ihr auch geblieben, als sie einst Fürstin Gloria von Thurn und Taxis weiterhelfen konnte. Ein weiteres Highlight war eine etwas intensivere Begegnung mit Thomas Gottschalk.

Für ein Späßchen war die „Botschafterin der Oberpfalz“ immer zu haben. Eine Maschine mit vielen Oberpfälzern war abzufertigen. Mehrere Bürgermeister, darunter auch Josef Beimler aus Waldthurn, und die Störnsteiner Grenadiere wollten nach Rom. Ein Abkömmling der Lobkowitzer sollte zum Priester geweiht werden. Schnurstracks ging sie in das Cockpit und übernahm die Bordansage selbst, im feinsten Oberpfälzisch. Mit großem Applaus dankten die Gäste aus der Heimat für die etwas andere Begrüßung an Bord.

Überraschung pur: Eine Gruppe Luher war an einem späten Samstagabend für den Langstreckenflug nach Shanghai zum Abflug nach München gekommen. Die Bekannten staunten nicht schlecht und lachten, als sie zu einem besonderen Check-In Schalter gelotst wurden und hier die Anzeigetafel mit einem Lichtband „VIP Schalter Luhe-Shanghai“ aufleuchtete.

Sehr nah ging Schwab-Krichenbauer der herbeigeführte Absturz der German-Wings-Maschine (eine LH-Tochter) in Südfrankreich. Sie hatte Dienst und mitbekommen, dass eine Schulklasse just im Alter ihres Sohnes an Bord war.

Die Lufthansa-Chefs hatten über die Jahre schnell gewittert, dass die Oberpfälzer „Geheimwaffe“ (Chefzitat) Talente besitzt. Auf der Karriereleiter - zuständig für Einstellungsgespräche für das Bodenpersonal, Zeitmanagement mit Erstellung von Dienst- und Urlaubsplänen für Führungskräfte – ging es hinauf. Die Spielbergerin, die seit 2003 in Luhe wohnt, brachte es zum Vertreter Verkehrsleiter vom Dienst, also verantwortlich für alles, was zum Flugbetrieb gehört.

Als Flight Manager wird sie auch ihre letzte Maschine nach New York abfertigen und hier zum Beispiel besonderes Augenmerk darauf richten, dass genügend koscheres Essen für jüdische Gäste an Bord ist, bevor es zum Abschied Sekt, Oberpfälzer Kücheln und Brezen für ihre Mitarbeiter und Kollegen gibt.

Vier Jahrzehnte bei ein und demselben Arbeitgeber sind heutzutage schon eine Seltenheit. „Drei Flughafen- und Terminal-Umzüge durfte ich mitmachen, fünf neue Computersysteme erlernen. Ich hatte einfach einen tollen Arbeitgeber mit sehr guten Chefs“, blickt sie zurück.

Und damit sie ihren Arbeitgeber nicht so schnell vergisst, trägt ihr Autokennzeichen „LH“ und die Abflugnummer nach New York. Ihr Team wird sie als freundlich lächelnde, stets gut gelaunte „Miss Marple“ der Lufthansa in Erinnerung bleiben, weil sie nicht selten mit einem Cape - wie das der englischen Kultermittlerin - bekleidet, durch die Abfertigungshalle marschierte.

Und wie sieht nun eine „Lufthansa-Legende“ - wie sie ein Chef nannte - die Zukunft der in arge Turbulenzen geratenen Fliegerei? „Das Fliegen muss klimaneutral werden. Die Zukunft braucht emissionsärmere Maschinen. Die Flugpreise werden wahrscheinlich steigen,“ mutmaßt die Lufthanseatin. Aus ihrer Sicht müsse der Massentourismus eingedämmt werden. „Viele europäische Städte konnten den Andrang vor Corona kaum mehr verkraften. Fliegen ist ein hohes Gut. Doch darüber dürfen wir die Umwelt nicht vergessen.“

Die Bürger sollen sollen beteiligen

Luhe-Wildenau
Als Lufthansa-Flight-Manager hat Martina Schwab-Krichenbauer aus Luhe (Zweite von links) zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen ihre letzte Maschine nach New York abgefertigt. Vier Jahrzehnte war sie in München am Flughafen beschäftigt.

 

 

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