17.10.2019 - 17:47 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Bierbrautradition nicht verschütten

„Die Bierkeller am Koppelberg sind gelebte Geschichte, deshalb war die Sanierung auch richtig“. Mit dieser klaren Aussage lobt Landrat Andreas Meier bei deren offiziellen Eröffnung die erfolgreiche Erneuerung.

Die Ansprachen zur Eröffnung der Bierkeller wurden auf dem ebenfalls neuangelegten "Zoigl-Platz" gehalten, der idealer Ort für Freiluftveranstaltungen ist. Bürgermeister Karl-Heinz Preißer (Sechster von links), Landrat Andreas Meier (Dritter von links), Architekt Josef Schöberl (Fünfter von links) und Chronist Rektor a.D. Josef Eimer (Vierter von rechts) würdigen die Sanierung der historischen Keller.
von Walter BeyerleinProfil

Im Rahmen der „Leaderförderung“, deren Mittel über den Leaderausschuss mit Landrat Andreas Meier als Vorsitzenden verteilt werden, wurde die Sanierung finanziell unterstützt. Bürgermeister Karl-Heinz Preißer dankte den vielen freiwilligen Helfern, die bei den Arbeiten mitgeholfen haben. Er freute sich auch über die Anwesenheit von Andreas Peterek vom Geopark Bayern-Böhmen, den Marktratsmitglieder Sigrid Ziegler, Astrid Locke-Paul und Hans Meißner.

Landrat Andreas Meier hob hervor, dass die Bierbrautradition im Landkreis Neustadt/WN eine lange Geschichte habe, die fast schon „verschüttet war“. Damit ging der Landkreischef auf den von Architekt Josef Schöberl geschilderten Zustand der Bierkeller vor Beginn der Sanierungsarbeiten ein. „Hier wurde etwas wiederbelebt“. Damit sei etwas erhalten worden, was wesentlicher Teil der Geschichte sei. Orte wie dieser Bierkeller würde auch aufzeigen, dass das Leben mühsam sein kann und dass die Menschen früher trotz erheblichen Mehraufwandes, aber deshalb nicht unzufriedener waren, sagte der Landkreischef.

Josef Eimer, Rektor a.D. und Chronist des Marktes Luhe, berichtete den Besuchern der Eröffnung über die Geschichte des Bieres in Luhe, die nachweislich ins Jahr 1420 zurückgeht. Am 17. März 1420 wurde anlässlich eines Erbstreites erstmals von einem „Bräuhaus“ gesprochen, das zunächst in Privatbesitz war und später auf die Kommune überging.

Im Jahr 1601 wurden 551 Hektoliter gebraut, am 29. August 1756 bei einem kirchlichen Fest wurden für die Gläubigen 4000 Maß des edlen Gerstensaftes bereitgestellt. Ausführlich schilderte der Chronist die weitere Entwicklung des Brauwesens im Ort, die Nutzung der Bierkeller und ging letztlich auf das Ende des Brauwesens im Jahr 1945 ein. Der Verkauf des mittlerweile nutzlosen Kommunbrauhauses durch die verbliebenen Kompagnons an Josef Frimberger besiegelte das Ende des Bierbrauens in Luhe.

Architekt Josef Schöberl schilderte den Ablauf der Sanierungsmaßnahmen, die selbst für ihn etwas Außergewöhnliches und Seltenes waren. Entsprechend außergewöhnlich war auch der Verlauf der Arbeiten selbst. Das Gelände wurde digital aufgenommen ebenso wie die vorhandenen Keller. Unterstützt haben die Arbeiten durch Ratschläge das Bergamt bei der Regierung von Oberfranken und ein zusätzlich eingeschalteter Geologe. Unabhängig von den Arbeiten habe die Sicherheit absolute Priorität gehabt, betonte Josef Schöberl. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 100.000 Euro, die Förderung liege zwischen 40 und 60 Prozent.

Architekt Josef Schöberl (Dritter von links) erläutert im Kellergewölbe Landrat Andreas Meier (rechts) den Ablauf der Arbeiten und die vorhandene Geologie. Markträtin Astrid Locke-Paul und Bürgermeister Karl-Heinz Preißer (von links) hören wieder aufmerksam zu.
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