07.12.2018 - 11:31 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Bürger beschweren sich über Luhe-Wildenauer Winterdienst

Im Tretter-Saal gibt es kaum noch einen freien Platz – das ist Besucherrekord zum Auftakt der Bürgerversammlungen des Markts Luhe-Wildenau. Hauptproblem der Besucher: Das Glatteis am vergangenen Freitag.

Bürgermeister Karl-Heinz Preißer stellt die "Lage des Markts" vor und stellt die positive Entwicklung der Finanzen besonders heraus.
von Walter BeyerleinProfil

„Ich gelobe Besserung“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Preißer am Ende der nicht enden wollenden Diskussion über mangelndes Streuen seitens des Markts beim extremen Glatteis am Freitag. Beim Thema Glatteis waren die Meinungen der Bürger kaum noch im Einzelnen richtig zu vernehmen. Quer durch den Saal wurden die Meinungen dargelegt, die darauf abzielten, dass der Markt seiner Verpflichtung zum Streuen nicht ausreichend und vor allem zeitlich erheblich verzögert nachgekommen ist. Preißer begründete dies mit Personalmangel, so habe beispielsweise Geschäftsleiter Michael Gräf beim Rathaus mit „Hand gestreut“. Er verkniff sich aber auch nicht einen Seitenhieb auf die Besucher und Hausbesitzer: Wären alle Gehwege entsprechend der gemeindlichen Verordnung gestreut gewesen, hätten die Schulkinder ohne Probleme zur Schule gehen können. Die Hauseigentümer kämen ihrer Verpflichtung zum Streuen, oder wie Preißer meinte, auch dem Kehren der Gehwege, nicht ausreichend nach. Fazit: Preißer gelobte für das nächste Glatteis Besserung. Er wolle aber dem Marktgemeinderat vorschlagen, für die Reinigung der öffentlichen Wege künftig ein privates Unternehmen zu beauftragen und die entstehenden Kosten umzulegen.

Der Bericht „zur Lage der Marktgemeinde“ zeigte einen weiterhin deutlichen Aufwärtstrend der Kommune an. Die Einwohnerzahlen steigen, ebenso das Volumen des gemeindlichen Haushalts, während der Schuldenstand und die Pro-Kopf-Verschuldung seit 2012 sinken. Zahlenmäßig ausgedrückt bedeutet das einen Gesamthaushalt von 12.329.647 Euro und Pro-Kopf-Verschuldung von 186 Euro. Der Anstieg an der Beteiligung an der Einkommenssteuer auf 1,8 Millionen Euro ist laut Preißer das sichtbare Zeichen der derzeit rund 1500 Arbeitsplätze im Gebiet des Markts. Damit zum Teil in Verbindung auch die eingenommene Gewerbesteuer mit rund 1,3 Millionen Euro im laufenden Jahr.

Zur Entwicklung im Wohnungswesen nannte das Marktoberhaupt die Ausweisung neuer Baugebiete im Eschlingweiher in Oberwildenau, in Neudorf und Luhe. Nachdem die bayerische Staatsregierung künftig bemüht sein wird, den Landverbrauch zu bremsen, muss laut Preißer die Innenraumverdichtung „Innen vor außen“ vorangetrieben werden. Dazu bedürfe es aber der Mitwirkung der Eigentümer unbebauter Grundstücke und leerstehender Häuser, vor allem in Luhe. Um diese innerörtlichen Lagen nutzen zu können, müssten Bauwerber Zuschüsse staatlicher- und kommunalerseits bekommen, weil in diesen Bereichen der Bau von Häusern oder selbst deren Umbau wesentlich teurer sind als ein Bauvorhaben auf der „grünen Wiese“. Die Nutzung innerörtlicher Lagen sei auch wichtig, weil künftig unter Berücksichtigung der Vorgaben der Staatsregierung zu weniger Landverbrauch bei Ausweisung eines Gewerbegebiets entsprechend weniger neue Baugebiete ausgewiesen werden können.

Preißer informierte über die Entwicklungen bei den örtlichen Feuerwehren, die für Luhe 2020 die Ersatzbeschaffung für ein Löschfahrzeug vorsehen und in Oberwildenau den Bau des neuen Feuerwehrhauses.

Mit Bildmaterial zeigte der Bürgermeister die sanierungsbedürftigen Brücken und Ortsstraßen, aber auch die neuen Straßenführungen im Gewerbegebiet „Obere Tratt“ auf. Dieses Gebiet könne bis zur Straße nach Unterwildenau, dem Abzweig von der Gemeindeverbindungsstraße nach Pirk, erweitert werden. Wenn in der kommenden Woche der Gehweg entlang der Straße St 2657 asphaltiert werde, könne Luhe nahezu zu Fuß problemlos umrundet werden.

Die Sanierung der Schule Luhe einschließlich der Turnhalle laufe nicht so wie geplant ab, räumte Preißer ein. Das liege vor allem an der Leistungsfähigkeit der beauftragten Firmen. Diese Aussage trifft auch beim Breitbandausbau zu, für den für die Ortsteile nur ein einziges Angebot abgegeben worden war. Rund 1,3 Millionen Euro wird der Markt dafür verwenden, um alle Ortsteile und Weiler mit Glasfaserkabel zu versorgen.

Zum Schluss seines Berichts sprach Preißer die Anlegung eines „Friedwalds“ für Urnenbeisetzungen an. Dafür würde sich ein gemeindlicher Wald am Koppelberg anbieten, vorteilhaft sei auch die dortige Kirche. Der Wunsch nach einem „Friedwald“ sei von zahlreichen Bürgern bereits geäußert worden, betonte das Marktoberhaupt.

Nach der Pause nahm die Lautstärke nochmals zu. Warum die Verschuldung ständig nach unten „getrieben“ werde, obwohl die Wasserversorgung hinsichtlich Hochbehälter sanierungsbedürftig ist, wollte ein Bürger wissen. Die klare Antwort Preißers: Eine Umlegung der dafür entstehenden Kosten auf die Bürger sei jederzeit möglich, der Markt strebe aber an den Bürger nicht zu belasten und Sanierungen sukzessive durchzuführen. Angesprochen wurde auch die schleppende Sanierung der Schule Luhe. Dazu erklärte der Bürgermeister, dass selbst die Festsetzung einer Konventionalstrafe gegen die beauftragten Firmen erfolglos sei, weil deren Begründungen zur Nichteinhaltung von Terminen immer als „rechtens“ beurteilt würden.

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