12.03.2020 - 15:44 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Erbschaftsstreit ums Brauhaus

Seit mindestens 600 Jahren wurde im Markt Luhe Bier gebraut. Nachzulesen ist das in einer Urkunde vom 17. März 1420.

An der Urkunde von 1420 hängen die Siegel von Heinrich (links) und Heimeran Nothaft. In der 12. Zeile wird das Bräuhaus („praeuhaus“) erwähnt. Der Sonntag „Mitt(er)fasten“ ist der 4. Fastensonntag (Laetare), an dem der Priester kein violettes, sondern ein rosarotes Messgewand trägt.
von Autor SEFProfil

In der Mitte einer 23-zeiligen Urkunde ist das Brauhaus des Ortes Luhe erwähnt. Eigentlich geht es in dem Dokument um einen Erbschaftsstreit. Damals entschieden Heinrich V. Nothaft zu Wernberg und Sohn Heimeran II. den Zwist zwischen Hans Kuchler und Stiefmutter Margarethe: Dem Hans Kuchler bleibt das Hoflehen zu Lug (dem heutigen Luhe) und der Stiefmutter das Halsgewand (damit ist die Oberbekleidung benannt).

Alles andere sollen sie gleichheitlich miteinander teilen: Das Haus und Bräuhaus zu Lug, Äcker, Wiesen, Vieh, Hausrat und vorhandene Schulden. Die Braustätte war demnach zuerst im Privatbesitz, ging aber in der Folgezeit auf die Kommune über. 180 Jahre später, im Jahr 1601, warteten umgerechnet 551 Hektoliter Gerstensaft auf Abnehmer, ist aus anderen Überlieferungen bekannt.

Rekordausschank zu Ehren einer Heiligen

Am 29. August 1756 und in der darauffolgenden Oktav genannten Woche feierten die Luher ein Jahrhundertfest. Weihbischof Johann Georg von Stinglheim war extra angereist, um in einem grandiosen Triumphzug die Gebeine der römischen Märtyrerin Hilaria in die Pfarrkirche St. Martin einzuführen. Um die zahlreichen Gläubigen aus nah und fern mit Getränken zu versorgen, war mehr Bier als sonst gebraut worden. Mit der Einfuhr aus anderen Orten standen insgesamt rund 4000 Maß zur Verfügung.

Kommunbraugesellschaft

Am 23. Juli 1816 verkaufte die Munizipalgemeinde Luhe ihr Bräu- und Malzhaus um 1500 Gulden an 40 Bürger, die eine Kommunbraugesellschaft gründeten. Außerdem war jeder Bürger, der Steuern zahlte, gegen Aufgeld brauberechtigt. Das Bräuhaus stand am nördlichen Ortseingang. Es wurde im März 1937 zusammen mit dem Webertor abgerissen. Die Zeitung Bayerische Ostmark berichtete: „In einer gefährlichen S-Kurve fährt man von Weiden kommend um das alte Kommunbrauhaus herum in den Marktflecken Luhe ein. Bei der Ausfahrt stellt sich aber ein neues Hindernis entgegen. Das romantische, aber leider nur sehr niedrige und schmale Webertor. Nach erfolgreichen Verhandlungen kann in der nächsten Woche mit dem Abbruch beider Gebäude begonnen werden.“

Neues Brauhaus

Noch im selben Jahr errichteten die acht verbliebenen Kommunbrau-Gesellschafter ein neues Bräuhaus. Sie hießen Georg Siegert, Christian Häusler, Johann Reichenberger, Anton Paulus, Josef Kick, Josef Zanner, Gustl Hirmer und Johann Frimberger. Zuvor gab es einen Rechtsstreit mit den übrigen Teilhabern, in dem es um die Verteilung des staatlichen Ablösebetrages für das alte Sudhaus ging. Im neuen Gebäude in der „Fischlohe“, der heutigen Ringstraße wurden die verbliebenen Gerätschaften installiert.

Ende der Brautätigkeit

Gebraut wurde in Luhe bis 1945. Am 30. Dezember entrichteten die Kompagnons letztmals ihre Steuer an das Zollamt Schwandorf. Josef Häusler half unter strenger Bewachung amerikanischer Besatzungssoldaten seinem Vater Christian, das „Abschiedsbier“ zum Koppelberg zu schaffen. 1950 wurde das seit fünf Jahren unbenutzte Kommunbrauhaus an Josef Frimberger verkauft.

Fassbinder

Die Fassbinder (Binder) fertigten die hölzernen Behälter für das Bier. Johann Frimberger (1879 bis 1942) war der letzte seines Standes in Luhe. 1842 hatten im Markt noch drei Angehörige dieser Zunft gearbeitet. Sie versorgten die Bevölkerung auch mit Wasch-, Fleisch- und Schweinezubern, Wasser-, Butter- und Jauchefässern. An sie erinnern die Hausnamen Binnerpeter, Ziegelbinner und Binnersephen.

Felsenkeller

Bier ist ein leicht verderbliches Nahrungs- und Genussmittel. Deshalb lagerte man die vollen Bütten in Felsenkellern, die eine gleichmäßige Temperatur von fünf bis zehn Grad garantierten. Dort gärte das Braunbier und reifte nach. Außerdem blieb es in der wärmeren Jahreszeit länger haltbar auch dank der Eisblöcke aus der Naab, die bis ins Frühjahr regelmäßig zugefroren war.

In Luhe wurden Felsenkeller gegen Ende des 18. Jahrhunderts angelegt. 1790 wollte "Weißbeck" Thomas Knorr einen neuen in den Fels hauen. Sein Begehren wurde aber abgelehnt, weil bereits sieben vorhanden seien. Felsenkeller befanden sich hauptsächlich am Koppelberg, später auch bei der Marienkapelle, am Kellerhäusl und an der Bruckwiese am Forst. Hier wurde nicht nur Bier gelagert. Auch Kartoffeln, Gemüse und Obst blieben bis zur nächsten Ernte frisch.

Am 22. April 1945 suchten zahlreiche Marktbewohner Zuflucht in den Felshöhlen. Im Ort befand sich nämlich eine deutsche Verteidigungsstellung, so dass ein Beschuss durch die aus Weiden anrückende XI. US-Panzerdivision befürchtet werden musste. Das geschah dann tatsächlich auch. Sechs Zivilpersonen und neun Soldaten kamen ums Leben und mehrere Anwesen wurden total zerstört.

Sanierung

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Koppelberg durch zahlreiche Felsenkeller, die bis zu 40 Meter in den Granit reichen, durchlöchert. Einige von ihnen sind mittlerweile eingestürzt, weitere noch unentdeckt. Auf Initiative von Bürgermeister Karl-Heinz Preißer ließ der Markt Luhe-Wildenau 2019 zwei eigene Gewölbe komplett restaurieren sowie einen verbessern und mittels Eisentor sichern. Gefördert wurde die Maßnahme durch das Landwirtschaftsministerium und die EU.

Hopfenanbau:

Nach dem Reinheitsgebot von 1516 darf Bier nur aus Hopfen, Gerste und Wasser gebraut werden. Hopfen wurde noch im 18. Jahrhundert in Luhe angebaut. In alten Übergabeverträgen tauchen die Flurnamen „Hopfenackerl Lust am Berg“ und „Hopfenackerl am Geißbach“ auf. Gerste für die Vermälzung erntete man ebenfalls regional. (sef)

Quellen:

Staatsarchiv Amberg, LG Leuchtenberg, Kanzlei, Urkunden 1420 März 17

Staatsarchiv Amberg, Oberpfälzische Administrationsakten 10318

Staatsarchiv Amberg, LG Leuchtenberg 9011 und 9029

Grundsteuerkataster von 1859

Kurrentkassabuch der Kommunbraugesellschaft Luhe von 1899

Erinnerungen von Georg Kiener (1922 - 2004)

Die Aufnahme zeigt das Luher Brauhaus kurz vor dem Abriss 1937.
Johann Frimberger war der letzte Luher Bindermeister.
Bierfass aus einer Luher Binderwerkstatt.
Sanierter Felsenkeller am Koppelberg.
Blick ins Innere eines Felsenkellers.
Blick ins Innere eines Felsenkellers.
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