17.07.2019 - 18:08 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Klimawandel bedroht Naturschutzgebiete

Im Kreis Tirschenreuth verhungern Vögel, weil sie nichts zu fressen finden, meldet der Landesbund für Vogelschutz. Das kann der Kreisverband Neustadt-Weiden nicht bestätigen. Aber die Natur ist trotzdem bedroht - durch Hitze und Schotter.

Susanne Schwab hat in ihrem eigenen Garten auch alte Bäume und bietet so viele Lebensräume für Vögel und Insekten.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Immer wieder finden Gartenbesitzer tote Vögel, die scheinbar verhungert sind, meldet der LBV Tirschenreuth.

Tirschenreuth

"Der Artikel hat mich überrascht", erklärt Christoph Bauer aus der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz. "Dass Vögel verhungern, davon habe ich noch nichts gehört." Für den Kreis Neustadt seien ihm keine Fälle bekannt. Auch Susanne Schwab vom LBV aus Luhe sind solche Fälle noch nicht untergekommen, obwohl sie als Landschaftsarchitektin und Landespflegerin viel in der kultivierten und wilden Natur unterwegs ist.

Doch dass Tiere und Pflanzen bedroht sind, das sei sonnenklar. Ein Grund: Die Klimaerwärmung. In den Gärten merke sie das noch nicht so, außer dass es trockener werde. Aber vor allem in den Naturschutzgebieten im Kreis Neustadt sterbe die einheimische Orchidee aus, Magerwiesen werden immer seltener. Auch Kiebitz und Bekassine, die in den Auen und Wiesen brüteten, verschwinden immer mehr.

Doch auch die Gartenvögel und Insekten haben es immer schwerer. Der Hauptgrund ist ein Trend, den Schwab überhaupt nicht verstehen kann: Schotter- und Kiesgärten. "Das sind tote Gärten. Da ist keine Blühpflanze, wo ein Falter rangeht, da lebt gar nichts."

Die Tiere fänden in solchen Steinwüsten nicht nur nichts zu fressen, die Steine heizten sich auch so auf, dass dort kein Lebensraum enstehe. Viele Gemeinden, etwa im Kreis Gütersloh, verbieten solche Schottergärten mittlerweile im Bebauungsplan. "Das wird bei uns erfahrungsgemäß noch länger brauchen", denkt die 52-Jährige. Obwohl solche Gärten politischen Interessen wie dem Volksbegehren gegen Bienensterben widersprechen. "Das geht ja genau in eine andere Richtung." Doch was antwortet die Landschaftsarchitektin, wenn ihre Auftraggeber einen Schottergarten verlangen? "Ich versuche Leute zu überzeugen, dass das nicht das Richtige ist. Es gibt ja wunderschöne Kiesgärten, vor allem in England, man braucht nur genügend Pflanzen dazu." Auch zum Mulchen sei Kies wunderbar, er verrotte nicht so wie Hackschnitzel und Rindenmulch. Dass Schottergärten auch ohne Pflanzen jedoch pflegeleicht sind - ein Grund für den Trend - dem widerspricht Schwab vehement. "Eine Zeitlang ist er vielleicht pflegeleicht, aber dann fliegen die Grassamen von oben ein." Auch Laub falle zwischen die Steine, eine Humusschicht bilde sich. Um diese zu beseitigen müsse man die Steine abräumen, abwaschen und wieder auffüllen.

Für die Umwelt sind Schottergärten jedoch richtig schlecht. Schwab lässt ihren Garten deshalb naturbelassen, hat auch viele alte Bäume. Um die Umwelt zu retten, müssen man jedoch seinen Lebensstil insgesamt überdenken: "Muss ich Erdbeeren das ganze Jahr über haben? Muss ich jedes Jahr in den Urlaub fliegen? Kann ich auch mal mit dem Fahrrad fahren oder Fahrgemeinschaften bilden? Oft ist man einfach zu bequem."

Tipps für einen umweltbewussten Garten:

- Wasser sparen: Nicht zu oft gießen, dafür kräftig. Ein bis zweimal die Woche reiche, dafür kräftig wässern. Sonst berühre das Wasser nur die oberen Wurzelschichten. Und: "Rasensprenger in Mittagszeit geht gar nicht", sagt Susanne Schwab.

- Keine gefüllten Blüten kaufen: Bei vielen Pflanzen wie Rosen wurden die Staubgefäße weggezüchtet, um eine vollere Blüte zu haben. "Die sind für die Insekten völlig uninteressant", weiß Schwab. "Gefüllt", steht dann meistens auf der Packung. "Einfach blühend" oder "wenig gefüllt" ist besser.

- Auch mal wuchern lassen: "Das Problem ist, die Leute wollen alles sauber und abrasiert haben." So haben Insekten und Vögel jedoch keinen Unterschlupf. "Die Samenstände sind Nahrung für Vögel im Winter."

Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.
Im Naturgarten von Susanne Schwab.

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