13.11.2019 - 14:16 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Der letzte Knecht des Marktes ist tot

Bis vor wenigen Jahren ist der „Hagler-Willi“ am Kirwamontag hinter dem Tresen des „Webertors“ gestanden und hat mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, freundlich und gut gelaunt ausgeschenkt.

Willi Hagler
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Heuer lag er am Kirwamontag im Weidener Klinikum, in dem er am Nachmittag im Alter von 80 Jahren verstarb. Der „Hagler-Matthl“, Seniorchef der damaligen Metzgerei und Gastwirtschaft hatte den 16-jährigen Willi Gradl aus Obersdorf, wo er als Stallknecht hart arbeiten musste, zu sich geholt.

In der alteingesessenen und angesehenen Gastwirtsfamilie Hagler gab es viel Arbeit für den gebürtigen Unterköblitzer. Landwirtschaft, Metzgerei und später auch die Gaststube warteten auf ihn. Der gutmütige und arbeitsame letzte Knecht – so wurde er von allen bezeichnet - im Markt Luhe gehörte schon bald zur Familie und das dann über 60 Jahre.

Im Unruhestand kümmerte er sich um die Hochlandrinder der Familie, war tagein tagaus mit Handwagen, blauer Arbeitshose und Gummistiefeln auf der Bundesstraße unterwegs. Auch die Außenanlagen des „Webertors“ waren sommers wie winters das Betätigungsfeld des Luher Originals.

Stets ein Lächeln auf den Lippen plauderte der beliebte Ruheständler mit den Passanten über die kleinen, mehr oder weniger wichtigen Dinge des Alltags und winkte vorbeifahrenden Autofahrern zu. Schließlich war er bekannt wie ein bunter Hund.

Nur für seine Turnerfrauen sperrte er jeden Montag extra das Wirtshaus auf und schenkte aus. Auch die Luher Jugend wusste, was sie an ihm hatte. Zuverlässig und mit großem Eifer gestaltete er jedes Jahr den „Wastl“, eine große Strohpuppe, mit der der Fasching am Aschermittwoch verbrannt wird. Das brachte den Willi sogar ins Fernsehen.

Seit April dieses Jahres lebte der „Hagler-Willi“ in einem Seniorenheim. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten fühlte er sich dann aber doch wohl in der Einrichtung, half beim Essen geben, der Geschirrverteilung und bei leichten Gartenarbeiten. Vor vier Wochen ließen seine Kräfte merklich nach. Am Kirchweihmontag starb er. Requiem mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Dienstag, 26. November, um 15 Uhr in Luhe.

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