22.03.2019 - 12:54 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Schiefe Töne bei "Lyra"

Heiter war die Stimmung beim Männergesangverein „Lyra“ in der Jahreshauptversammlung nicht. Jeder der 18 anwesenden Mitglieder von insgesamt 48 wusste, worum es ging.

Für 50 Jahre aktives Singen im Männergesangverein "Lyra" erhält Felix Schmerber zwei Urkunden und Nadeln. Schriftführer Lutz Hengge (von links), Vorsitzender Hans-Georg Birkmüller und Stellvertreter Alfred Spindler gratulieren.
von Redaktion ONETZProfil

Das Fortbestehen des Chores ist bedroht, nachdem Chorleiter Wolfgang Eimer im vergangenen Jahr unerwartet den Taktstock niedergelegt hatte. Birkmüller sprach von einem turbulenten und schwierigen Jahr. Nach der Kündigung des Chorleiters habe sich die Frage gestellt „Wie geht es weiter?“ Einstimmig seien die Mitglieder dafür gewesen, den Verein weiterleben zu lassen.

Die Suche nach einem neuen Chorleiter gestaltete sich äußerst schwierig. Dazu komme das Nachwuchsproblem. In die Presche sprang der Pirker Patenverein. Unter deren Chorleiter Josef Frischholz probe man nun gemeinsam. Jeder Verein bleibe aber eigenständig. Beim großen Chorfest in Weiden im Juli wird es einen Gemeinschaftschor Pirk-Luhe geben.

Maiandacht, Chor- und Waldfest würden in Absprache mehrere Proben notwendig machen. „Unsere Sänger müssen bei der Stange bleiben“. Dann werde sich zeigen, was daraus werde, so Birkmüller.

Außerdem stehe eine Satzungsänderungen an. Wenn es keinen aktiven Chor gebe, könne es auch keinen Ausschuss geben. Außerdem sollte man sich überlegen, ob im Fall einer Auflösung mit den Vereinsfinanzen musikalische Kinder- und Jugendarbeit unterstützt werden sollte.

Alfred Spindler sprach von den anstehenden Terminen wie Maiandacht, Chorfest im Juli in Weiden, Koppelberg- und Weiherfest sowie dem Jahresausflug. Ziel soll der Bogenberg bei Straubing sein.

Eine heftige Debatte entwickelte sich zum Schluss, als Chorleiter Wolfgang Eimer nach dem Grund für seinen plötzlichen Rücktritt gefragt wurde. Es sei keine Wertschätzung mehr da gewesen. Das habe sich bis in den Vorstand gezogen, lautete die Antwort. Diese Äußerung brachte Ausschussmitglied Willi Köllner in Rage, der den Vorwurf so nicht hinnehmen wollte. Zwei Urgesteine des Vereins, die beiden über 80-jährigen Georg Specht und Josef Häusler versuchten zu vermitteln. Sie baten vergeblich, Eimer solle es sich doch bitte noch einmal überlegen. "Wir haben doch schon früher schwierige Zeiten gemeistert." Um weiteres Nachtarocken zu verhindern, beendete Birkmüller die Versammlung. „Diese Suppe ist jetzt gegessen.“

Zuvor hatte es aber auch Erfreuliches gegeben. Vorsitzender Hans-Georg Birkmüller zeichnete Jubilare für ihre Treue aus. 65 Jahre ist Georg Rewitzer in der „Lyra“. 35 Jahre sind es bei Hans Braun, Wolfgang Eimer – 34 Jahre davon war er Chorleiter – , Emmeram Käs, Werner Prell, zweiter Vorsitzender Alfred Spindler, Karl Tretter und Hans-Jürgen Trogisch. Felix Schmerber erhielt für 50 Jahre als aktiver Sänger zwei Urkunden und Nadeln: die des Fränkischen Sängerbundes (FSB) und die des Deutschen Chorverbandes. Außerdem hat er für alle Konzerte des FSB künftig freien Eintritt.

Kommentar:

Angemerkt

Zu beneiden ist "Lyra"-Kapitän Hans-Georg Birkmüller nicht. Souverän versucht er mit einem seeuntauglichen, manövrierunfähigen und schwer angeschlagenen alten Kahn in tosender See noch Kurs zu halten und zu retten, was zu retten ist. Dabei ist die Mannschaft unterbesetzt und überaltert, ein wichtiges Mitglied von Bord. Rettungsanker scheint momentan nur der Patenverein Pirk zu sein.
Dabei zeichnete sich der Sturm schon seit Jahren ab. Es gelang dem Verein nicht, neue Mitglieder ins Boot zu holen. Ein großer Teil der Sänger geht auf die 70 zu, ist es schon, oder bereits darüber. Damit sind die Luher nicht alleine.
Die Ursachen dafür dürften vielfältig sein. Stress und berufliche Überlastung in einer nur noch leistungsorientierten Gesellschaft, geändertes Freizeitverhalten, Sport und Party statt Singen und Kultur, Geselligkeit und Kontaktpflege häufig auf Plattformen und in Foren. Wer hat da noch Lust am Donnerstagabend um 20 Uhr ins Vereinslokal zu gehen und „Am Brunnen vor dem Tore“ zu trällern?
Wenn dann noch ein Rücktritt des Chorleiters wie eine Monsterwelle das Schiff trifft, dürfte der Untergang absehbar und nur noch eine Frage der Zeit sein. Im nächsten Jahr könnte die „Lyra“ das 110-jährige Bestehen feiern. Zweimal ist er dem Untergang schon entgangen. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg und in den 80er Jahren nach einer Flaute. Ob ihm das ein drittes Mal gelingen wird, ist mehr als fraglich.

Martina Witt

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