Auf dem Boden vor dem Eingang der Bank liegen die Scherben der Fensterscheiben, weiter im Inneren säumen die Trümmer des Geldautomaten den Weg. Am Morgen nach der Sprengung in der Sparkasse in Luhe sind die Spuren der Nacht nicht zu übersehen. Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk sind auch acht Stunden nach der Tat noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Blick durch die zerborstenen Scheiben in das Gebäude zeigt für jeden auch außerhalb der Bank, das wird auch noch dauern.
Kurz nach der Explosion kamen die ersten Rettungskräfte vor Ort. Mit der Feuerwehr um halb vier nachts rückte auch der Bürgermeister von Luhe-Wildenau, Sebastian Hartl, an. Er ist selbst aktives Mitglied. „So eine Automatensprengung hat man nicht alle Tage. Aber bei der Häufigkeit scheint das langsam Mode zu werden“, zieht er ein paar Stunden nach dem Einsatz Resümee. Gegen 5 Uhr habe Hartl den Tatort seinen Kollegen überlassen. Auch weil ihm klar gewesen sei, dass zum Schulbeginn die übliche Zufahrtsstraße wegen des Vorfalls gesperrt bleiben wird. Er habe deshalb der Schulleiterin schnellstmöglich Bescheid geben müssen. „Über die Bürger App haben wir eine Eilmeldung abgegeben, und die Rektorin der Grundschule hat die Eltern informiert.“ Zur Grundschule seien die Schüler schließlich über eine Ausweichroute gekommen. Die Schulleiterin Sandra Landgraf bestätigt, dass es auf dem Weg zum Unterricht keine Probleme gegeben hat.
Neben der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) waren auch die Polizei und das Landeskriminalamt (LKA) am Tatort. Die Aufgaben der Feuerwehr lagen dabei erst einmal in der Brandschutzsicherung und der Evakuierung der Anwohner, erklärt Hartl. Die vier Parteien des Hauses, in dem sich auch der Bankautomat befand, brachte die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen in das Feuerwehrhaus in Luhe.
Automatensprengung in Luhe-Wildenau
Detonation schreckt Anwohner aus dem Schlaf
Herbert Fütterer wohnt direkt gegenüber der Sparkassenfiliale. „Es war ein wahnsinniger Knall zu hören. Von dem bin ich dann wach geworden“, erzählt Fütterer wenige Stunden nach der Tat. Daraufhin sei er zu seinem Fenster gegangen: Doch das einzige, was er sehen konnte, war zunächst eine dicke Schicht Rauch. „Ich habe direkt zum Telefon gegriffen und einen Notruf abgesetzt.“ Während des Gesprächs mit der Notrufzentrale sah er die Einbrecher noch, wie sie die Sparkasse ausgeräumt hätten. Vor der Bank habe Fütterer ein dunkles Auto mit einem Fahrer erkannt. Die Beifahrertür und der Kofferraum standen offen. „Kurz darauf sind zwei dunkel gekleidet und vermummte Leute aus dem Sparkassengebäude gekommen.“ Danach sei das Auto Richtung A93 davon gefahren.
Ähnliches berichtet Anwohner Erich Kammerer. „Ich war eh schon wach und wollte gerade zur Toilette gehen. Auf einmal hörte ich einen riesig lauten Knall.“ Da sein Rollladen im Schlafzimmer nur zu knapp Zweidrittel verschlossen war, konnte Kammerer einen hellen Feuerschein erkennen. Danach sei alles in einen weißen Nebel gehüllt gewesen. Dem ehemaligen Polizisten war klar: Das war eine Explosion. „Das konnte ich aus Erfahrung sagen.“ Der 80-Jährige habe versucht, das Kennzeichen des Fluchtwagens in der Dunkelheit zu erkennen, doch „das war nicht beleuchtet. Ich konnte nichts sehen.“ Kammerer vermutet jedoch, dass es sich bei dem Auto um einen Audi handeln könnte.
Diese Vermutung hat auch die Polizei. So seien die Täter anschließend vermutlich mit einem dunklen Audi in Richtung A93 geflüchtet – mit ihrer Beute. Zur Höhe der erbeuteten Summe will sich das Bayerische Landeskriminalamt nicht äußern. Weitere Erkenntnisse rund um die Flucht gibt es bislang nicht.
Schnelle Normalität für die Bankkunden
Gerhard Hösl, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkassen Eschenbach, Neustadt, Vohenstrauß, sieht darin bereits ein klassisches Muster. So seien vergangene Sprengungen wie zuletzt in Wernberg oder in Wiesau, immer an Orten, die nahe der Autobahn liegen würden. „Mit der Autobahn als Fluchtmöglichkeit sind wir auf einem Präsentierteller.“ Zur Spurensicherung habe das LKA die Sicherheitstechnik der Filiale mitgenommen und werde diese nun auswerten, erklärt Hösl. In der Nacht sei Hösl selbst noch vor Ort gewesen. „Ich war geschockt, mit was für einer Brutalität die Täter vorgehen. Solche Bilder kennt man normalerweise nur aus dem Fernsehen.“
Für die Kunden der Sparkasse in Luhe-Wildenau möchte Hösl jetzt schnell eine Lösung finden. „Wir wollen für unsere Kunden schnellstmöglich die Normalität wieder herstellen.“ Eine Möglichkeit sei es beispielsweise, in einem Container die Beratung der Kunden anzubieten. Die Kunden der Sparkasse in Luhe-Wildenau könnten sich aktuell auch in jeder anderen Bankfiliale beraten lassen. Alle Kundenunterlagen seien bereits gesichert und aus dem Gebäude gebracht worden. Für die Sparkasse und die Folgen für die Bank selbst gilt: „Unser Notfallmanagement läuft gerade. Dabei geht es unter anderem auch um Fragen der Versicherung“, sagt Hösl.
Neben der Sparkasse gibt es in Luhe-Wildenau eine Bankfiliale der Volksbank. Diese sei laut Bürgermeister Hartl in einem Gebäude der Stadt untergebracht. Da auch er ähnlich wie Hösl ein Muster in den vergangenen Überfällen erkennt, will die Stadt jetzt vorsorglich den genauen Versicherungsschutz auch für dieses Gebäude abklären. „Wir hoffen, dass die andere Bank in Luhe-Wildenau verschont bleibt.“
So viele Automatensprengungen gab es im Jahr 2021
- 189 vollendete Diebstähle durch Sprengung eines Geldautomaten gab es in Deutschland im Jahr 2021.
- In 203 Fällen blieb es 2021 beim erfolglosen Versuch.
- Die Sprengung in Luhe war die 28. in Bayern im Jahr 2022.


























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.