23.04.2020 - 10:59 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Luher Triathlet begeistert von Klinikpersonal: "Für mich arbeiten dort Helden"

Der Triathlet Karl Reis hat keinerlei Verständnis, wenn manche Patienten sich wegen Lappalien über das Klinikum Weiden beschweren. „Für mich arbeiten dort Helden“, sagt der Leistungssportler, der eine lebensgefährliche Krankheit überstand.

Karl Reis muss die Sportaktivitäten erst einmal einschränken. Jetzt ist Regeneration angesagt. Hund Sally hilft ihm dabei.
von Siegfried BühnerProfil

Es war Dienstag vor 14 Tagen am späten Nachmittag. Schon beim Radtraining fühlte sich der 55-jährige Laface-Triathlet Karl Reis aus Luhe-Wildenau kraftlos. So ganz allmählich wollte er sich auf die hoffentlich stattfindenden Sommertriathlons vorbereiten. Im letzten Jahr gehörte für Reis eine erfolgreich absolvierte Mitteldistanz beim Ironman 70.3 Kraichgau zum Saisonhöhepunkt. Doch an diesem Dienstag brach er nach 30 Kilometer das Training ab, kam nach Hause und sagte zu seiner Frau „Irgendwas stimmt mit mir heute nicht“.

Nach dem Duschen zurück im Wohnzimmer brach Reis mit Herzstillstand vor dem Sofa bewusstlos zusammen. Die spätere Diagnose lautete Hinterwand-Herzinfarkt. Glück im Unglück, denn mit Herzdruckmassagen schaffte es seine Frau, dass das Herz wieder zu schlagen begann. Unter der Notrufnummer 112 waren Notarztwagen und Rettungshubschrauber alarmiert. Über Telefon erhielt die Ehefrau Handlungsanweisungen bis zum Eintreffen der in Schutzkleidung erschienen Rettungskräfte. „Meine Frau und das Klinikum haben mir das Leben gerettet“ sagt Reis heute. An alles erinnert er sich ohnehin nicht mehr so ganz genau, zum Beispiel muss er nachdenken, ob er im Hubschrauber oder im Notarztwagen zur Notaufnahme im Klinikum Weiden gebracht wurde. „Ich denke es war der Sanka“. Als sensationell bezeichnet Reis heute das Verhalten des Sanitätspersonals.

Was medizinisch auf dem Transport passierte, weiß er nicht mehr so genau, aber die aufmunternden und beruhigenden Worte klingen noch heute im Ohr. Trotz höchster Eile „ Mut haben sie mir gemacht, sogar ein kleiner Scherz war dabei“. Notaufnahme mit vielen Vermummten und ein OP-Raum mit einem großen Bildschirm sind verbliebene Erinnerungsbilder. Rasche Abhilfe war zwingend, denn schließlich fühlte Reis seit seiner Ohnmacht einen starken Druck in der Brust. Über die Leiste wurde, wie er heute berichtet, endoskopisch operiert und dabei auch ein Stent im hinteren Herzbereich gesetzt.

Auch während der Operation hörte er nur beruhigende Sätze. Dann folgte aus dem Munde des Oberarztes „jetzt sind wir an der richtigen Stelle“ und tatsächlich, der starke Druck im Brustbereich lies nach. „Geschafft“ war dann die erlösende Botschaft. Es folge um 22.30 Uhr Verlegung in die Intensivstation der Kardiologie. „Dort empfing mich eine Schwester mit aufmunternden Worten“ erzählt Reis. Überhaupt „seien alle vier Intensivschwestern super freundlich gewesen“. Wenn er nachdenklich wurde hätten sie ihn sofort wieder aufgebaut. „Herr Reis seien Sie nicht traurig“ war zu hören. Ein Telefon wurde gebracht, damit er mit Frau, Sohn und Schwiegertochter sprechen konnte. Zwei Nächte mussten auf der Intensivstation dort verbracht werden. „Alle wussten, dass ich Triathlet bin und deshalb der Ruhepuls unter 40 sinken kann“.

Nach drei weiteren Tagen auf der Allgemeinstation konnte seine Frau ihn am Ostersonntag abholen. Sein Sportlerherz pumpt wieder recht kräftig. Obwohl Reis kein Privatpatient ist, lag er immer im Einzelzimmer. Auch der Chefarzt Professor Schwinger kümmerte sich um ihn persönlich. Und alle hätten sich viel Zeit für ihn genommen. „Seit der Notaufnahme bis zur Abholung wurde meine Frau regelmäßig über meinen Zustand informiert.“ Rückblickend stellt er fest „ich habe mich im Klinikum Weiden unheimlich wohl gefühlt“. In einer extrem schwierigen Coronasituation („ich habe gesehen, was da abgeht“) sei im Klinikum sein Leben gerettet worden. „Es ist ein Wahnsinn, was Ärzte, Pfleger bis hin zur Reinigungskraft leisten, für mich sind das alles Helden“. Ruhe ist nun für den gelernten Forstwirt erst einmal angesagt.

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