21.11.2018 - 16:07 Uhr
MähringOberpfalz

Ausstellung im "Gelebten Museum" prangert den Krieg an

Vor 100 Jahren war der Erste Weltkrieg zu Ende, aus dem zahlreiche Soldaten aus dem Stiftland nicht heimkehrten. Als einziges Museum der Region hat Mähring diesem Krieg im Gedenken an die Gefallenen eine Ausstellung gewidmet.

von Ulla Britta BaumerProfil

Bürgermeister Josef Schmidkonz geht nach seiner Eröffnungsrede zur Sonderausstellung im Museum sehr still durch die Museumsräume. Nachdenklich schaut er in die Vitrinen, betrachtet die Waffen, Granaten und Bomben und sagt: "Wenn ich das hier sehe, denke ich, warum ein derartiger Irrsinn überhaupt immer wieder möglich ist."

Sterbebilder

Von dieser Sinnlosigkeit des Krieges erzählt die außergewöhnliche Ausstellung im Mähringer Museum. Hier dreht sich noch bis Ende März 2019 alles um das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Das "Gelebte Museum" in Mähring ist mit dieser Sonderausstellung in der Region das einzige, das zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren an diesen Krieg, seine Grausamkeiten und seine Absonderlichkeiten erinnert.

Im Flur haben die Museumsfreunde Tafeln, Dokumente, Sterbebilder und Todesanzeigen von gefallenen Mähringern aufgehängt. Ein Beispiel: Am 2. September 1914 ist Gregor Müller gefallen, am 31. Januar 1915 verlor Franz Müller sein Leben. Den Mähringer Drechslersöhnen war kein langes Leben vergönnt. Franz wurde nur 24 Jahre alt, Gregor starb mit 27. Einzig zwei Sterbebildchen und die Todesanzeigen sind von den Brüdern übrig geblieben. 26 Mähringer und insgesamt 100 Bürger aus dem Umland sind gefallen, heißt es auf einer Tafel.

Die Ausstellung ist bestens bestückt, um eine Gesamtübersicht über diese vier grausamen Jahre zu dokumentieren. Kinderspielzeug und Christbaumschmuck verkörpern dabei die Absurdität schlechthin. Ein Kinder-Holzschwert trägt etwa verhetzende Aufschriften. Auch Bilderbücher handeln vom Krieg. Ebenso irrsinnig erscheinen dem Betrachter die Postkarten, die Kriegsgetümmel im Schlachtfeld und sogar Tötungsszenen zeigen. Ausgestellt werden Teile von Soldatenuniformen, Pickelhauben von ganz schlicht bis Gold durchwirkt, Bierkrüge, Waffen, Weihnachtsgeschenke für Soldaten und mehr. Außerdem möchte Roland Weis, der das Ausstellungskonzept erarbeitete, einen Christbaum aufstellen. Dieser sollte mit absonderlichem Schmuck wie kleinen Kanonen, Kriegsfahrzeugen oder Mini-Soldaten geradezu lächerlich den Krieg als "normalen" Alltag demonstrieren.

Mahnmal gegen Krieg

Zum Einstieg vor einer Führung durch die Ausstellung gibt es einen dreiminütigen Film über den Auslöser des Krieges. "Der Krieg beginnt mit zwei Kugeln", erzählt die Dokumentation. 17 Millionen Tote sind die Bilanz am Ende. Man wolle den Krieg keinesfalls verherrlichen und der rechten Szene Nährboden geben, betont Museumsleiter und dritter Bürgermeister Franz Schöner bei der Eröffnung. Dies diene nur der Erinnerung und als Mahnmal gegen Kriege. Schöner bedankte sich für die vielen Leihgeber aus dem Landkreis, die ihre teils wertvollen Erinnerungsstücke gebracht hätten.

Bürgermeister Josef Schmidkonz lobte das Ehrenamt seiner Bürger, ohne die diese Ausstellung und das Museumskonzept nicht möglich seien. Für Roland und Bettina Weis, die beide für das Ausstellungs-Konzept und die Gestaltung verantwortlich zeichnen, hatte der Bürgermeister Präsente dabei.

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