26.07.2019 - 12:22 Uhr
MähringOberpfalz

Nachbarn sollen aus der Geschichte lernen

Den Auftakt des Treffens der Lohhäuser-Interessengemeinschaft (IG) bildete der Besuch der "Lohhäuser-Stube" im Gelebten Museum in Mähring. Es war ein beeindruckener Moment für die Teilnehmer.

Fast schon ergriffen standen die Mitglieder der Lohhäuser-Interessengemeinschaft vor dem Modell ihres verschwundenen Dorfes.
von Konrad RosnerProfil

Etwa 20 Interessenten aus dem Bundesgebiet von Oberbayern bis Thüringen waren zu diesem Treffen gekommen - Angehörige von Leuten, die in dem vor langer Zeit geschleiften und somit verschwundenen Dorf Lohhäuser gelebt haben sowie ehemalige Bewohner: Drei wurden noch in Lohhäuser geboren. Bei dem Treffen wurde das ehemalige Kriegerdenkmal in Lohhäuser besucht, ehe ein kleiner Rundgang über Felder und Fluren folgte - eben dort, wo früher die Häuser der Ortschaft standen.

Beeindruckt standen die Besucher im Museum vor einer Vitrine. Sie zeigt Nachbildungen der Häuser und die Fluren von Lohhäuser. Zu dem Ort gehörten früher 25 Häuser und es gab zwei Wirtshäuser. Bei einer kurzen Versammlung der Lohhäuser-Interessengemeinschaft im Gasthof Rosenbühl in Mähring freute sich Organisationsleiter Peter Zwerenz, dass dazu auch Bürgermeister Josef Schmidkonz gekommen war. Das Gemeindeoberhaupt war zuvor auch im Museum dabei.

Gründer und Sprecher der IG, Karl Schneider, der mittlerweile in Berlin lebt, sowie Rosa Schöner gaben anschließend einen kurzen Einblick in die Finanzen der IG. Es gab kaum Bewegungen. Schneider berichtete, dass er zum wiederholten Male in Tschechien in Archiven gewesen sei. Dort sichtete er originale Dokumente, die bezeugen, dass die damaligen Bewohner damals übergesiedelt worden seien. Schneider hatte eine Schulchronik von Lohhäuser zusammengestellt, die er dem Bürgermeister übergab. "Wichtig ist, dass wir aus der Geschichte lernen." Deshalb sei er auch dankbar, dass die tschechische Seite seine Bemühungen, alte Dokumente zu sichten und zu orten, sehr hilfreich unterstütze.

Auch die Tschechen hätten erkannt, dass die Menschen hier eine gemeinsame Geschichte haben. Die Sudetendeutschen seien aus- und dafür Tschechen angesiedelt worden. Es habe damals, so Schneider, viel Leid und Elend gegeben: Alleine aus Lohhäuser seien zehn Männer im Zweiten Weltkrieg gefallen. Abschließend übergab Schneider an Bürgermeister Josef Schmidkonz noch vier weitere Bände, die er zusammengestellt hatte, so etwa auch über das religiöse Leben damals in Lohhäuser.

Josef Schmidkonz sprach in Anbetracht des Treffens von einer Ehre und einer Bereicherung für die Marktgemeinde. Sie habe vor 16 Jahren die Patenschaft dafür übernommen. Karl Schneider habe den Anstoß für diese Treffen gegeben. Der Bürgermeister verwies auf die Dauerausstellung in der Lohhäuser-Stube und war stolz darauf, dass die Marktgemeinde für dieses "Gelebte Museum" in diesem Jahr den Bayerischen Staatspreis erhalten hat.

Der Sprecher der Gemeinschaft, Karl Schneider (links) übergab an Bürgermeister Josef Schmidkonz fünf Broschüren über Lohhäuser.
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