24.02.2020 - 15:18 Uhr
MähringOberpfalz

Ein stabiles Heim für Meister Adebar

Auch Störche profitieren von neuen Techniken. Erstmals kam auf das Dach der Mähringer Kirche statt einem Naturgeflecht ein Storchennest aus Aluminium. Ein solches Nest überdauert die Menschheit, weiß Dieter Brandl.

Susanne Pätz und Dieter Brandl richten das Birkenreisig im Storchennest zurecht. Danach wurde das Nest aufs Kirchendach gehoben.
von Ulla Britta BaumerProfil

Freitag, 14.30 Uhr: Über der Katholischen Kirche St.Katharina schwebt ein kleiner, offener Drahtkäfig, der am Ausleger eines Autokrans hängt. Vorsichtig dirigiert Zimmerer Gerald Schabner den Käfig exakt über das leerstehende Storchennest auf dem Dach. Schabner steht unten auf der Wiese, in Händen hält er eine Fernsteuerung. Der Korb schwankt mehrmals in alle Richtungen, es ist windig an diesem Nachmittag.

"Das geht schon", sagt Schabner, ohne seinen Blick von seinem "Flugobjekt" abzuwenden. Der Drahtkorb schwebt nicht allein in der Luft. Dieter Brandl und sein Sohn Jan haben sich im wackeligen Gefährt mit Kletterseilen angeschnallt. Unter ihnen hängt ein neues Storchennest, das an diesem Nachmittag auf dem Kirchendach installiert werden soll. Mit wenigen Handgriffen von der "Steuerzentrale" aus und von oben landet das Nest exakt in der alten, auf dem Dach befindlichen Nesthalterung.

Rinde für "Matratze"

Unten spenden Biologin Susanne Pätz vom Umweltreferat am Landratsamt und Kirchenpfleger Franz Freundl Beifall. Dieter und Jan Brandl müssen jetzt nur noch das Nest mit der "Matratze" bestücken. Sie haben einen Sack Rinde dafür mit hoch genommen. Das Birkenreisig im Nest hat der Wind Gott sei Dank nicht gleich wieder rausgeweht. Der neuen Storchenbehausung auf St.Katharinas Dach kann ab jetzt keine noch so schlechte Witterung etwas mehr anhaben. Dieter Brandl, der bereits 17 Storchenneste gebaut und installiert hat, kennt die Vor- und Nachteile von aus Naturmaterial geflochtenen Nester. Deshalb hat er diesmal als Baumaterial Aluminiumrohre, aufgewickelt auf Rollen, verwendet.

"Die müssen vorher mit der Bohrmaschine gedreht werden. Dann kann man sie flechten wie Äste", erklärt Brandl. Das hört sich leicht an. Nur steckt natürlich jede Menge Arbeit drin, denn das Aluminium zu "flechten" ist nicht ganz ohne. Dieter Brandl hat damit Erfahrung. In Bärnau sei bereits ein Aluminium-Nest installiert. "Falkenberg bekommt auch bald eines." Und in Friedenfels sei das Nest aus Stahl gut angenommen worden. Zwar ist ein solches Nest mit bis zu 600 Euro Materialkosten natürlich teurer als das Naturgeflecht. Aber es rentiert sich, sagen die Fachleute. Denn es gehe nie mehr kaputt und benötige auch keine Wartung mehr.

Erste Störche schon unterwegs

Außerdem gibt es für Storchennester auch Fördermittel. Dazu weiß Susanne Pätz vom Landratsamt mehr. Wer Auskunft braucht, kann sich an die Naturschutzbehörde wenden. Nicht an der Nestinstallation teilnehmen konnte Förster Josef Andritzky aus Mähring, auf dessen Initiative die Aktion zurückgeht. "Er hat mich im Herbst gefragt, ob ich was machen kann", erzählt Brandl. Nur sei Eile geboten, denn die ersten Störche seien bereits fleißig unterwegs. "Erst kommen die Männchen. Drei Wochen später die Weibchen. Aber das sind nicht immer die Gleichen. Die Frauen wechseln ihre Männer durch", berichtet Susanne Pätz von familiären Storch-Gepflogenheiten. Das gebe oftmals heftige Kämpfe zwischen den Weibchen um ein Männchen im gemachten Nest, sagt die Biologin lachend. Kirchenpfleger Franz Freundl wäre schon froh, wenn überhaupt ein Pärchen die neue Herberge annimmt. Schließlich gehört der Storch zum Ortsbild von Mähring. Nur sei das alte Nest leider, weil kaputt, seit längerem verwaist. Ob das im Durchmesser 1,40 Meter große Nest attraktiv genug ist, wird sich zeigen. "Wir können nur hoffen, dass bald ein Storch einzieht. Nicht nur die Mähringer Kinder würde das freuen", sagt Freundl. Ob es im Fall des Falles wieder ein Fest zu Ehren von Meister Adebar gibt, lässt der Kirchenpfleger vorerst offen.

Schweben über der Kirche erinnert ein wenig ans Wiener Riesenrad, nur windiger. Dieter und Jan Brandl (von links) scheint das Schaukeln in luftiger Höhe nichts anzuhaben.
Über der Kirche wird zuerst das alte Nest vermessen. Dieter Brandl hat den Durchmesser anhand der Dachziegler ermittelt und hofft, damit richtig gewesen zu sein.
Wieder unten wird das Nest mit starken Seilen an die Kabine angehängt.
Jetzt geht's ein zweites Mal rauf in luftige Höhen.
Vorsichtig dirigierte Gerald Schabner das Gefährt am Turm entlang nach oben.
Der Kran senkt sich, das Nest rutscht exakt in die alte Halterung.
Geschafft! Dieter und Jan Brandl können den Rückweg antreten.
Unten auf sicherem Boden schauen Susanne Pätz, Kirchenpfleger Josef Freundl und Christian Schabner dem Spektakel zu. Gerald Schabner konzentriert sich auf seine Fernsteuerung.
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