Offene Türen im alten Badehaus

Das erste Zusammenspiels zwischen Dorfgemeinschaft und den zukünftigen Betreibern des ehemaligen Badehauses ist gut gelungen. Aus dem zuletzt leer stehenden Gebäude soll ein Künstlerhaus werden.

Bürgermeister Klaus Meyer, Architekt Michael Straus, die Künstlerinnen Andrea Lamest, Chriska Wagner, Susanne Neumann sowie der Hardecker Feuerwehrvorsitzender Andreas Korndörfer im ehemaligen Badehaus Maiersreuth beim "Tag der Offenen Tür" bei der Vorstellung des Projektes „Künstlerhaus“
von Autor ENZProfil

(enz) Die Idee, das Fest der Feuerwehr Hardeck mit einem Tag der offenen Tür im Badehaus zu verbinden, erwies sich als gut. Bürgermeister Klaus Meyer und Feuerwehr-Vorsitzender Andreas Korndörfer begrüßten die Gäste des Festes sowie die Künstlerinnen und den Architekten auf dem Festgelände. Ein illustrer Kreis von Interessierten waren gekommen, darunter ehemalige Mitarbeiter des Badehauses, Leute, die im ehemaligen Schulhaus daneben die Schulbank gedrückt hatten, ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks und vielen andere, die gespannt sind auf das, was sich hier entwickeln soll.

Chriska Wagner zeigte eine Performance zum Thema „Kurbetrieb“. Das war sicher für die meisten der erste Kontakt mit dieser Kunstform. Man traf auch auf die Malerin Susanne Neumann, die Bilder zeigte und der das BR-Fernsehteam kaum von der Seite wich. Das Kamerateam hat für ein Porträt gedreht, das in der Reihe „Zwischen Spessart und Karwendel“ nach der Fußball-WM ausgestrahlt werden soll. Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhausses in Schwandorf, und Architekt Michael Straus beantworteten geduldig die Fragen der Besucher. Diese erfuhren, dass alles im Original erhalten bleiben soll – mit Schildern, Kabinen und allerlei Zubehör – sozusagen ein Bademuseum im Künstlerhaus.

Zu sehen war weiter eine Sammlung gusseiserner Christbaum-Ständer und verfremdete Reste alter Gegenstände, bei der so mancher Besucher fragte: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Die Verbindung zwischen alter und neuer Technik stellte Fabian Hänsch aus Nürnberg mit der Präsentation eines 3-D-Druckers dar. Er produziert damit Prototypen im technischen Bereich für Firmen und demonstrierte diese zukunftsweisende Technologie mit ihren Möglichkeiten, die auch die Kunst beeinflussen wird.

Interessante Detail-Blicke auf die Stadt Berlin gab Rick Weihermann aus Nürnberg in seiner Ausstellung „Eyepollution“. „Eyepollution nimmt die Stadt, ihr ungeschminktes Gesicht, die Tätowierungen auf ihrer Haut, unter die Lupe, hält aktuelle Ausprägungen der Street Art fest, die den öffentlichen Raum bespielen. Was tut sich auf Mauern und an Wänden? Wo blühen die Bilder auf den Straßen? Wer spricht auf Stein und Beton? Wie prägen Cartoons, Graffiti, Tags, Plakate oder Aufkleber das Gesicht der Stadt?", so Weihermann in seiner Vorstellung.

Und was sagten die Maiersreuther zu all dem? „Schön, dass etwas mit dem Haus gemacht wird, alles Weitere wird man sehen“, so die vorherrschende Meinung. Auch Monika Neubauer aus Waldsassen, die von 1989 bis 1996 hier gearbeitet hat, freute sich, dass das Haus wieder belebt werden soll. Sie sei damals sehr traurig in das neue Sibyllenbad umgezogen. Werner Altnöder aus Neualbenreuth meinte, dass die Gebäude nach so langem Leerstand noch überraschend gut erhalten sei. „Es ist etwas im Entstehen“, meinte Inge Kraus. Marktrat Jürgen Heinl sagte: „Ich finde es gewagt, aber es wächst etwas." Die Zukunft werde zeigen, was sich hier entwickeln könne. Kollege Erwin Löw sieht im Projekt „eine Aufwertung für die Region“.

Andere äußerten sich skeptisch, vor allem wegen der Kosten. Sowohl Bürgermeister Klaus Meyer als auch die Betreiber betonten aber immer wieder, dass sowohl für die Sanierung des Gebäudes als auch für den Kunstbetrieb Fördermittel in Aussicht gestellt seien. Noch sei nichts entschieden, aber das Vorhaben sei auf einem guten Weg.

Während im Badehaus fleißig diskutiert wurde, ging auf dem gegenüberliegenden Anger zur Musik von Simon Strohmeyer die Post ab.

Es kamen so viele Besucher, dass noch Tische und Bänke herbeigeschafft werden mussten. Für die Kinder war – neben Muglbach und Hüpfburg – das Reiten gegen eine Spende die Attraktion. Die Erwachsenen hingegen plauderten bei Kaffee und Kuchen, Bier und Gebrutzeltem. Die Feuerwehr Hardeck nutzte die Gelegenheit, um jeweils eine Spende an die Selbsthilfegruppe Behinderte und Nichtbehinderte Tirschenreuth sowie das BRK Neualbenreuth zu überreichen. Das Geld ist der Erlös einer Kaltwasser-Grill-Challenge, die im Winter am Muglbach veranstaltet wurde.

Architekt Michael Straus stellt seine Pläne zur Sanierung des Gebäudes vor.
Für die Kinder ist das Reiten eine Attraktion.
Es kommen so viele Besucher, dass noch Tische und Bänke aufgestellt werden müssen.
Spendenübergabe der Feuerwehr Hardeck durch Vorsitzenden Andreas Korndörfer (rechts) und den Kommandanten Markus Schwartling an Johanna Kirst vom BRK Neualbenreuth sowie Christine Reiter, Alexandra Keller und Christine Fröhlich von der Selbsthilfegruppe Behinderte und Nichtbehinderte Tirschenreuth (von links)
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