Mit Robotern weltweit erfolgreich

Wenn deutsche Fußballspieler aus Fleisch und Blut antreten, ist der internationale Erfolg nicht immer gewiss. Doch eine Robotermannschaft aus Erlangen wurde jüngst Vizeweltmeister. Daran war ein junger Mann aus dem Stiftland beteiligt.

So sehen Vizeweltmeister aus: Valentin Helm (ganz rechts) bejubelt mit seinem Team Platz zwei im Finale. Im Vordergrund sind die Roboter-Spieler aufgestellt.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Valentin Helm aus Maiersreuth ist 24 Jahre alt. Er studiert Computational Engineering an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor schloss er bei Witron in Parkstein eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik ab. Mit 20 weiteren Studenten flog er diesen Sommer nach Sydney, um am "Robo-Cup" teilzunehmen.

Bei diesem Roboterfußball-Wettkampf, der seit 1997 ausgetragen wird, treffen sich jährlich an wechselnden Orten etwa 2000 Wissenschaftler und Studenten aus der ganzen Welt, um ihre Teams gegeneinander antreten zu lassen. Dabei treffen nicht Länder, sondern Mannschaften der Universitäten aufeinander. Und so kam es, dass sich Erlangen im Finale gegen die chinesische Zhejiang University geschlagen geben musste. Das Team Zjunlict wurde schon 2018 Weltmeister.

ONETZ: Habt ihr insgeheim geträumt vom Titel oder ist schon der zweite Platz eine riesige Überraschung?

Valentin Helm: Dass wir den zweiten Platz erreicht haben, war schon eine kleine Überraschung – insbesondere, da wir mit einer relativ alten Robotergeneration von 2014 angetreten sind.

ONETZ: Grob erklärt: Was passiert beim Roboter-Fußball eigentlich?

Valentin Helm: Die Roboter spielen autonom und in Mannschaften gegeneinander Fußball. Dabei gibt es mehrere Ligen, die sich in Roboterart und -größe unterscheiden. Wir treten in der Small Size League an. Dabei ist die Größe der Roboter auf 18 Zentimeter Durchmesser und 15 Zentimeter Höhe beschränkt. Ein Spiel in unserer Liga besteht aus zwei Halbzeiten von je fünf Minuten. In dieser Zeit spielen acht gegen acht Roboter nach den am normalen Fußball angelehnten Regeln.

ONETZ: Worin besteht die Herausforderung?

Valentin Helm: Die Roboter werden vollständig von uns mechanisch, elektronisch und software-seitig konstruiert und umgesetzt, wobei es abseits der Größenbeschränkung nur wenige weitere Vorgaben gibt. Wir dürfen nicht in den laufenden Spielbetrieb eingreifen. Unsere Hauptaufgabe währenddessen ist daher das Beobachten der Roboter auf Fehlverhalten und Verbesserungsmöglichkeiten.

ONETZ: Wie lief denn das Turnier bis ins Finale?

Valentin Helm: Das Turnier ist unterteilt in eine Gruppen- und eine Double-Eliminationphase. Nach einer eher mittelmäßig verlaufenden Gruppenphase starteten wir gegen ein japanisches Team mit einem souveränen Sieg von 8:0. Im zweiten Spiel gegen Tigers Mannheim konnten wir, auch dank technischer Schwierigkeiten auf der Mannheimer Seite, ein 2:0 erzielen. Gegen das chinesische Team Zjunlict mussten wir uns dann 0:2 geschlagen geben. In einem ausgeglichenen "Lower Final" gegen ein sehr ambitioniertes iranisches Team hat uns schließlich ein Strafstoß ins Finale befördert. Im Finale, wieder gegen Zjunlict, konnten wir erneut unser starkes Verteidigungsspiel zeigen. In der siebten Minute kam es dann aber doch zum Siegtreffer der chinesischen Titelverteidiger.

ONETZ: Wie kommt eine Uni-Mannschaft zum Robo-Cup?

Valentin Helm: Um sich zu qualifizieren, muss jedes Team eine Beschreibung des aktuellen technischen Standes in Form eines "Team Description Papers" und ein Video einreichen, in dem die Spielfähigkeit der Roboter gezeigt wird. Ein Gremium entscheidet anschließend über die Teilnahme.

ONETZ: Und wie kommt man in das Robotics-Team der Erlanger Uni, die 2018 in Montreal schon Vierter der Weltmeisterschaft wurde?

Valentin Helm: Wir werben hauptsächlich in den Erstsemester-Veranstaltungen um neue Mitglieder. Dabei gibt es keinerlei Beschränkungen, was Studiengang und Vorwissen betrifft. Alles, was man mitbringen sollte, ist Lust daran, theoretisch erworbenes Wissen praktisch einzusetzen und neues Wissen zu erwerben.

ONETZ: Wie habt ihr gefeiert und was habt ihr sonst noch in Australien erlebt?

Valentin Helm: Nach der Siegerehrung gab es noch eine Feier mit den anderen teilnehmenden Teams. Während des Turnieres hatten wir nicht sonderlich viel Zeit für Sightseeing-Aktivitäten. Die meisten von uns haben dann aber noch einige Tage Urlaub angehängt.

ONETZ: Wieviel Zeit und Einsatz sind nötig, um beim Robo-Cup so erfolgreich zu sein?

Valentin Helm: Die einzelnen Subteams, die sich mit den Themengebieten Elektronik, Mechanik und Software beschäftigen, treffen sich im Regelfall einmal in der Woche. Kurz vor einem Turnier kann der Zeitaufwand allerdings auch stark ansteigen.

ONETZ: Wie geht’s weiter - bereitet ihr euch schon vor auf die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Bordeaux?

Valentin Helm: Ja, dort wollen wir dann mit einer neuen Generation an Robotern auflaufen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.