11.08.2018 - 11:39 Uhr
MantelOberpfalz

"Dramatische Dürre": Landwirte fürchten um Existenz

Die Region ächzt unter der Hitze. Landwirte trifft es besonders hart. Zahlreiche Betriebe bangen um ihre Existenz, müssen Tiere verkaufen, da ihnen das Futter ausgeht."Wir brauchen den erlösenden Regen", stöhnt Landwirt Friedrich Janner.

Eigentlich dürften Josef Fütterer (von links), Karl Bäumler und Friedrich Janner in dem Maisfeld nicht zu sehen sein, da die Pflanzen über einen Meter höher sein sollten. Doch die anhaltende Hitze schadet dem Mais nachhaltig, verhindert weiteres Wachstum.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Der Kolben ist nur halb so groß wie in den vergangenen Jahren, an einigen Stellen ist er nicht befruchtet, wodurch sich keine Körner entwickeln können.

(juh) Den Wetterbericht verfolgt Janner, der rund 67 Hektar Land bewirtet und etwa 100 Kühe hat, schon seit längerem nicht mehr. "Das geht an die Nerven und an die Substanz", erzählt der Manteler und lässt seinen Blick über eines seiner Maisfelder schweifen. "Der Mais ist viel zu klein. Und da passiert auch nichts mehr. Es ist eine enorme Belastung, wenn man sieht, wie das, was man das ganze Jahr über angebaut hat, verkümmert."

Neben ihm stehen Josef Fütterer, Kreisobmann des Bauernverbandes Neustadt/Weiden, und sein Vertreter Karl Bäumler - beide selbst Milchbauern. Auch sie erleben die "dramatische Dürre", wie Fütterer den anhaltend ausbleibenden Regen bezeichnet, hautnah. "Die Wiesen, die Felder, alles ist nur noch grau und braun." Das wirke sich "katastrophal" auf die Arbeit der Landwirte aus. "Wir haben schon jetzt zwischen 30 und 50 Prozent weniger Erträge als in den vergangenen Jahren", beklagt Bäumler. Besonders kritisch sei die Situation auf den Wiesen sowie den Mais- und Getreidefeldern. "Für uns sind die Wiesen am wichtigsten. Normal können wir bis zu vier Schnitte machen, die siliert werden. Bisher waren es erst zwei. Im Moment sieht es nicht so aus, als wäre noch ein weiterer Schnitt möglich. Und auch die, die wir machen konnten, waren von der Qualität schlecht", erklärt Fütterer. Silage ist ein Verfahren, bei dem durch Milchsäuregärung Futtermittel für Nutztiere entsteht.

"Strohbörse" für Notfälle

Fütterer betritt eine von Janners Wiesen. Braune, ausgetrocknete Grashalme, vereinzelt kleine grüne Stellen. "Für uns lohnt sich ein Schnitt, wenn die Wiese etwa so hoch wie eine Bierflasche ist. Jetzt sind es nur wenige Zentimeter", betont Janner und schüttelt den Kopf. Zwar gebe es die Möglichkeit, das Futter mit Stroh zu "strecken", aber auch das ist knapp. So knapp, dass der Maschinenring bereits eine "Strohbörse" für Notfälle eingerichtet hat.

Doch auch der Mais macht Janner Sorgen. Die Blätter sind trocken, braun, die Pflanzen zu klein. "Die Kolben sind nur etwa halb so groß wie in den vergangenen Jahren. Zudem sind sie nicht vollkommen eingekornt, die Pflanzen trocken." Dadurch sei es schwierig, das Futter beim Silieren zu verdichten, was sich negativ auf die Qualität auswirke. "Die ist beim Mais miserabel. Dadurch sinkt der Energiegehalt", klärt Janner auf.

Schlechte Futterqualität bedeute auch schlechtere Qualität bei den Milch- und Fleischerzeugnissen. Die Futterknappheit zwinge "seit sechs Wochen" zahlreiche Betriebe, Nutztiere zu verkaufen. "Man kann die Nahrung mit Kraftfutter mischen, aber auf Dauer wäre das nicht gut für die Tiere", erklärt Fütterer. Ein Problem, vor dem Janner "glücklicherweise" nicht steht. Der Landwirt habe noch genug Vorräte, um seine Kühe ein dreiviertel Jahr zu versorgen. Erwartet ihn jedoch kommendes Jahr ein ähnlich heißer Sommer, "dann gehen uns auch die Vorräte aus".

14 Tage Dauerregen

Im Mai steht die nächste Ernte an. Doch dann heißt es wieder: erst silieren, dann gären. "Das dauert bis zu sechs Wochen. Das Futter kann man frühestens Mitte Juli 2018 benutzen." Fütterer sieht nur einen Ausweg aus dieser "katastrophalen Lage": "Es müsste 14 Tage kontinuierlich regnen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung." "Oft entscheiden ein oder zwei Gewitter, wie die Pflanzen wachsen", weiß auch Bauer Janner. Doch die Landwirte fürchten auch die Folgen der Dürre. "Die Pflanzen sind eventuell so geschädigt, dass auch reichlich Wasser nichts mehr hilft. Dann müssen wir nachsäen. Und das kostet", betont Fütterer, der sich noch gut an die "extrem heißen Sommer 1976 und 2003" erinnert - und die "fatalen Folgen" kennt. Auch das eigenproduzierte Saatgut könnte schon jetzt so in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass es nicht mehr keimt. Teuer könnte es auch für die Verbraucher werden.

"Wenn das Wetter in diesem Jahr kein Ausreißer, sondern vielleicht eine langzeitige Folge des Klimawandels ist und es auch in den kommenden Jahren so bleibt, dann haben wir erheblich weniger Ertrag. Das bedeutet, dass die Produkte teurer werden - weil es einfach weniger davon geben wird", erklärt Fütterer. Doch noch haben die Männer Hoffnung - auf Regen, "kommode" Temperaturen und darauf, dass sich ihre Pflanzen regenerieren.

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