12.06.2018 - 12:49 Uhr
MantelOberpfalz

Funkstille um Seniorendomizil

So etwas kommt selten vor, aber das Gerücht hält sich: Fällt das Grundstück für ein Betreutes Wohnen mitten in Mantel an die Gemeinde zurück?

Bis auf Bäume und Unkraut wächst nichts auf dem ehemaligen Festplatz, wo einmal ein Seniorenheim stehen soll. In Mantel mehren sich die Stimmen, dass daraus nichts mehr wird und der Grund an die Marktgemeinde zurückfällt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

(phs) Der Investor muss innerhalb von fünf Jahren bauen, hat aber noch keinen Stein bewegt. Dabei hat er den Baubeginn mehrfach angekündigt. Das tut er inzwischen nicht mehr.

Seit September 2017 liegt dem Ehepaar Susanne und Hans Reichl die Baugenehmigung für das Gelände am Feuerwehrhaus vor. Die beiden haben es im Dezember 2015 von der Marktgemeinde gekauft. Gegenüber den Oberpfalz-Medien kündigte Hans Reichl zuletzt Ende Januar an, dass im April die Bagger für die Erdarbeiten anrücken. Doch weder eine Maschine noch ein Arbeiter sind seitdem auf dem Areal zu sehen. Geplant ist ein Seniorendomizil mit zwölf Plätzen.

Laut Marktratsbeschluss besteht fünf Jahre lang Bauzwang. Wenn bis 4. Dezember 2020 kein bezugsfertiges Gebäude steht, kann sich die Gemeinde das Grundstück, den ehemaligen Festplatz, wieder zurückholen. So steht es im Vertrag.

Bürgermeister Stephan Oetzinger will noch nicht daran denken, was passiert, sollte dieser Fall tatsächlich eintreten. „Dazu bräuchte es wieder einen Marktratsbeschluss“, hält er sich mit Spekulationen zurück. „Aber an sich sind wir alle schon von einer zügigeren Umsetzung ausgegangen.“

In der Bevölkerung ist indes schon die Rede davon, dass auf den 2500 Quadratmetern ein kleines Baugebiet entstehen oder ein anderer Investor ein Seniorenheim bauen könnte. Sollte Reichl das Projekt vorzeitig begraben wollen, sei er auch jetzt schon zu Gesprächen bereit, versichert Bürgermeister Oetzinger.

„Ich sage kein Wort mehr dazu“, erklärt Hans Reichl am Telefon freundlich, aber bestimmt zur Frage, ob er wirklich noch einmal bauen will. „Vielleicht entscheiden wir uns nach der Landtagswahl.“ Was die damit zu tun hat, lautet die nächste Frage. Dann kommt Reichl auf Pegida und die AfD zu sprechen, die ungerechte Presse, „Bevölkerungsaustausch“ und den Unsinn von Rundfunkgebühren. Er sei seit 2013 AfD-Mitglied, bewerbe sich aber nicht für ein Amt.

Das alles ist für das geplante Ambulant Betreute Wohnen in Mantel nur in soweit von Belang, dass den Grund offiziell Reichls Tochter erworben hat. Sie ist die Ehefrau von Roland Magerl, dem Oberpfälzer Listenführer der AfD für die Landtagswahl, der wohl gute Chancen hat, im Herbst ins Münchner Maximilianeum einzuziehen. Die Tochter oder Susanne Reichl treten in Sachen Seniorendomizil aber kaum in Erscheinung. Bislang äußerte sich nur Hans Reichl zu dem Vorhaben.

Mal fehlten Unterlagen für einen Lift beim Landratsamt, ein andermal war der Planer überlastet, dann wiederum gab es ein Problem mit der Statik. Nach den letzten offiziellen Informationen wollte Reichl den Rohbau Reichl in Eigenregie erstellen lassen und die Bauarbeiter dazu über seine Frau einstellen. Das Haus in Gasbetonbauweise soll „ohne sündteure Firmen“ in die Höhe wachsen. Gas und Wasser soll ein Bekannter aus Dresden anschließen.

Daneben wollte sich Reichl, der in Kaltenbrunn ein ähnliches Haus betreibt, im Ausland nach Unterstützung umsehen und mit seinem Pflegedienst in Budapest ein Büro aufmachen. Dieser Stützpunkt sollte neben Pflegekräften auch Handwerker für das Manteler Projekt in die Oberpfalz lotsen.

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