15.06.2018 - 12:26 Uhr
MantelOberpfalz

Streit um "Schandfleck"

Zentralere Gebäude als das Gasthaus "Zur Post" und die daneben liegende Kneipe "Pleitegeier" gibt es in Mantel kaum. Die Marktgemeinde sieht jetzt eine Chance, sie in ihren Besitz zu bekommen. Das ärgert einen anderen Interessenten maßlos. Dabei fällt sogar das Wort "Enteignung".

Die beiden ehemaligen Gastwirtschaften am Manteler Marktplatz wollte ein Weidener Unternehmer kaufen und sanieren. Der Markt macht ihm nun einen Strich durch die Rechnung. Das finden nicht alle richtig.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Den beiden Häusern am Marktplatz samt Nebengebäuden ist anzusehen, dass sie schon bessere Zeiten erlebt haben. Die zwei Gastwirtschaften stehen seit geraumer Zeit leer. Das Besitzerehepaar hat sich getrennt und die Immobilien zum Verkauf ausgeschrieben – im Paket mit einem Acht-Parteien-Haus in der Weidener Schönwerthstraße.

An all dem war im Frühjahr der Weidener Ibrahim Ilisik interessiert. Der Unternehmer vertreibt Maschinen für Bäckereien und Gasthäuser. Dabei hat er es zu einigem Wohlstand gebracht. Dem verheirateten Vater dreier Kinder mit türkischen Wurzeln gehören nach eigener Aussage einige Mietshäuser in Weiden. Gerne hätte er seinen Besitz auch auf Mantel ausgedehnt.

"Ich habe mich in den Charme der Post verliebt. Sie ist 400 Jahre alt." Ilisik erkundigte sich bei Architekt Rainer Pichl, was er denn reinbuttern müsste, um die alten Burgen auf Vordermann zu bringen. Laut Kostenvoranschlag wären das 2,26 Millionen Euro für die denkmalgeschützte "Post" und gut 800 000 Euro für Abriss und Neubau des "Pleitegeiers". Letzteren hält der Investor für einen "Schandfleck des ganzen Ortes". Ilisiks wollte die "Post" wieder zum Gasthaus machen und verpachten. Im "Pleitegeier" stellte er sich ein Café für Jugendliche vor. "Ich habe dazu schon mit einem Gastronomen aus Grafenwöhr gesprochen." Am 16. März war es schließlich so weit: Ilisik bekam die Kaufurkunde. Der Preis lag nach Informationen der Oberpfalz-Medien bei einigen Hunderttausend Euro, allerdings noch weit entfernt von der halben Million.

Keine Klage gegen Markt

Die Notarin fragte zugleich pflichtgemäß den Markt Mantel, ob der Grund mit einem gesetzlichen Vorkaufsrecht belegt ist. So etwas sieht das Baugesetzbuch vor, da die beiden Häuser im "Sanierungsgebiet Ortskern" liegen, teilt Bürgermeister Stephan Oetzinger mit. Folglich schnappte die Marktgemeinde Mitte Mai Ilisik die beiden Manteler Immobilien wieder weg. So jedenfalls sieht es der Kurzzeit-Eigentümer. Eine Zeitlang habe er sich überlegt, dagegen zu klagen. "Auch wenn mein Anwalt sagt, dass die Chancen Fifty-Fifty stehen, lasse ich das sein. Selbst wenn ich gewinne, habe ich den Marktrat Mantel gegen mich. Die können mir dann das Leben schwer machen."

Tatsächlich war Ilisik am 3. Mai Gast im Bauausschuss des Marktes. Dort stellte er seine Pläne vor. Die sahen unter anderem vor, über dem neugebauten "Pleitegeier" zwei bis drei Mietswohnungen einzurichten und über der "Post" ein kleines Museum mit alten Radios. "Ich besitze dafür die größte Sammlung weit und breit." Die Präsentation vor den Markträten stand laut Ilisik aber unter keinem guten Stern. "Ich kam mir vor wie ein Angeklagter vor Gericht. Man hat schon gemerkt, dass der Markt von Anfang an das Vorkaufsrecht ziehen wollte."

So kam es auch. Dabei setzte sich die CSU-Mehrheit mit einigen Freien Wählern gegen die SPD durch. Die Sozialdemokraten werfen den Christsozialen nun in einem Flugblatt vor, einen Privatinvestor verprellt und "enteignet" zu haben. Stattdessen habe sich der Markt ein sündteures Sanierungsobjekt ans Bein gebunden. Die CSU konterte ebenfalls per Flugblatt. Sie beteuert, sich für das Vorkaufsrecht erst entschieden zu haben, weil Ilisik sein Konzept weder "schlüssig noch überzeugend" präsentiert habe.

Vorwurf: Vetternwirtschaft

Der 52-Jährige wittert Gemauschel. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass ihm unterstellt werde, er wolle in den Gebäuden Asylbewerber unterbringen. "Das stimmt nicht." Ilisik vermutet eher, dass der Marktrat unter anderem deshalb zugegriffen habe, weil CSU-Rat Siegfried Janner es auf Parkplätze im hinteren Bereich der "Post" abgesehen habe. Janner gehören die Gebäude gegenüber, in denen unter anderem die Sparkasse, eine Werbeagentur und ein Zahnarzt untergebracht sind. "Das ist nicht fair", unterstreicht Bürgermeister Oetzinger. "Herr Janner stellt ordnungsgemäß genügend Parkplätze zur Verfügung." Die Flächen hinterhalb der "Post" könnten vielmehr dazu dienen, das halbseitige Parken auf den Gehwegen am Marktplatz einzudämmen. Das sei auch der Polizei ein Dorn im Auge.

Ist die Gemeinde erst Eigentümerin der Immobilien, hat sie bereits Pläne. Sie sehen kulturelle Veranstaltungen in der "Post", öffentliche Toiletten, eine Obdachlosenunterkunft im "Pleitegeier" und die Erschließung eines Rückgebäudes, für das die Zufahrt fehlt, vor.

Doch bis es so weit ist, kann es dauern. "Nicht in den nächsten zwei Jahren", wagt Oetzinger eine Prognose. Erst brauche es ein schlüssiges Konzept für die Städtebauförderung, dann seien bis zu 80 Prozent Subventionen drin. Ilisik hat mit dem Thema abgeschlossen. Aus dem Kopf bringt er es nicht. "Das hat mich menschlich sehr mitgenommen. Ich werde in Zukunft einen großen Bogen um Mantel machen."

Info:

Interessante Rechtslage

Liegt bis Montag keine Klage beim Verwaltungsgericht vor, ist das Vorkaufsrecht des Marktes Mantel in Kraft, sagt Bürgermeister Oetzinger. Das sei aber nur ein Zwischenschritt. Danach folge die Preisfindung mit dem Verkäufer und erst danach die Beurkundung. Interessant ist, was mit dem Haus in der Schönwerthstraße in Weiden geschieht, das im Paket mit den Manteler Immobilien ausgeschrieben war. Die Manteler SPD vermutet, dass wegen des Weidener Hauses der Preis für die beiden Manteler Immobilien teurer wird. Die ehemalige Markträtin und Wirtschaftsprüferin Silvia Klier hat dazu im Internet recherchiert. Sie glaubt, dass der Markt für den Verzicht auf die Schönwerthstraße eine notarielle Zusatzvereinbarung abschließen muss. „Das wird wieder extra kosten.“ Oetzinger glaubt nicht, dass der Markt dieses Haus mit übernehmen muss. Diese These stützen die Baujuristen des Landratsamtes auf Anfrage der Oberpfalz-Medien. Das Vorkaufsrecht beschränke sich auf die Grundstücke in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet und städtebaulichen Entwicklungsbereich. Ilisik hält sich bedeckt, ob er an dem Objekt weiter Interesse hat. In dem Haus sind dem Vernehmen nach derzeit eine Moschee und einige Asylbewerber untergebracht. (phs)

Ich werde in Zukunft einen großen Bogen um Mantel machen.

Ibrahim Ilisik

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