22.05.2020 - 12:36 Uhr
MantelOberpfalz

"Unkraut" einfach aufessen

Wer etwas über Kräuter wissen will, kann sich getrost an Sabine Stengel wenden. Die Mantelerin weiß alles über das grüne Superfood aus dem Garten, das manche nur als Unkraut kennen und bekämpfen.

Sie kocht und backt gerne und gibt ihr Wissen bei Kräuterführungen und Kursen weiter: Sabine Stengel. Die Mantelerin hat diesmal grüne Brötchen, gefüllte Eier mit Wildkräutern und eine Wildkräuterquiche zubereitet und präsentiert alle Gerichte in ihrem Garten.
von Eva SeifriedProfil

Kräuter würzen Speisen, heilen Krankheiten, dienen als Dekoration oder machen Schwerverdauliches bekömmlicher. Sabine Stengel aus Mantel kennt sich da bestens aus. Sie ist Expertin auf diesem Gebiet und gibt, wenn nicht gerade Coronakrise ist, ihr Wissen bei Kursen gerne weiter. Da durch die Pandemie alle Termine ausfallen, hat sie freie Zeit, die sie sinnvoll in ihrem Garten und bei ihren zehn Bienenvölkern nutzt.

Beim Kräutersammeln und bei der Verwendung kommt es auf das "Wie" an, erklärt Stengel. "Beim Sammeln sollten man Blüten und Blätter an einem warmen sonnigen Tag, am besten vormittags sammeln, wenn der Tau abgetrocknet ist", erklärt sie. Stengel rät dazu, nur junge Pflanzen zu pflücken oder von älteren Pflanzen nur junge Triebe zu nehmen. Sammeln sollte man nur an unbelasteten Plätzen, nicht an Straßenrändern oder Schutthalden oder Feldern, die mit Pestiziden behandelt wurden. Und: Nur Kräuter sammeln, die man sicher erkennt.

"Kräuter, die vor der Verwendung gewaschen werden, sollten danach gut getrocknet werden", weist Stengel hin. Blüten wäscht sie grundsätzlich nicht. Stattdessen schüttelt sie sie aus oder breitet sie auf einem weißen Tuch aus, um Insekten zu entfernen. Wurzeln werden unter fließendem Wasser mit der Gemüsebürste gesäubert. Junge Blätter werden im Frühjahr oder nach der Mahd, wenn diese nachgewachsen sind, gesammelt, Blüten, wenn sie gerade aufgeblüht sind. Eine Ausnahme ist da laut Stengel der Beifuß. Da sollten die Blüten noch nicht geöffnet sein.

Rinden werden im Frühjahr gesammelt, wenn der Saft in die Pflanze steigt, Wurzeln und Knollen im Herbst oder zeitigen Frühjahr, wenn die Pflanze zu treiben beginnt, geerntet; Samen und Früchte, wenn sie vollreif sind.

Sind die Kräuter gesäubert, dürfen sie zum Trocknen nicht in die Sonne. Die Expertin bewahrt sie an einem staubfreien, trockenen, luftigen Ort auf oder legt sie ins Dörrgerät, bis sie trocken sind. Dann werden die Heilpflanzen in Gläsern oder Dosen aufbewahrt. Die Kräuter zerkleinert sie erst vor Gebrauch, damit sich die ätherischen Öle nicht verflüchtigen.

Stengel kennt unzählige Kräuter. Besonders weist sie jedoch auf den Giersch hin, den viele im Garten als Unkraut hartnäckig bekämpfen. Dabei wäre gerade der Giersch wertvolle Medizin. Er ist harntreibend, entsäuert den Körper und enthält Kalium, Magnesium und Calcium. "Ein Wunder der Natur" sei auch die große Brennnessel, deren junge Blätter als Tee oder Spinat verwendet werden können. "100 Gramm Brennnesseln enthalten 333 Milligramm (mg) Vitamin C, 7,8 mg Eisen und 630 mg Calcium", erklärt die Expertin. Im Vergleich dazu befänden sich in 100 Gramm Kopfsalat nur 130 mg Vitamin C, 1,1 mg Eisen und 37 mg Calcium. Ein starkes Heilkraut sei auch die Vogelmiere, die schon Pfarrer Kneipp bei Lungenleiden, Husten und Hämorrhoiden empfahl. Vogelmiere eigne sich als Salatgrundlage und übertreffe normale Kopfsalate mit dem Reichtum ihrer Inhaltsstoffe um ein Vielfaches. Frisch gepresster Spitzwegerichsaft wirke antibakteriell und verhindere Entzündungen. Die getrockneten Blätter könnten als Tee bei Schnupfen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum getrunken.

Info:

Die Expertin

Sabine Stengel ist seit 1991 bei Constantia Pirk beschäftigt. 2014 machte sie in Waldsassen die Ausbildung zum zertifizierten Kräuterführer, von 2015 bis 2017 die Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung, seit Juli 2017 ist sie auch Hauswirtschafterin und im November 2017 machte sie die Qualifizierung zur Referentin für Hauswirtschaft und Ernährung. Momentan macht sie eine Ausbildung zur ärztlich geprüften Gesundheitsberaterin. Sobald es erlaubt ist, bietet sie wieder Kräuterführungen an. Kontakt unter Telefon 09605/3023.

Das macht Appetit auf die Kräuterrezepte, die Sabine Stengel verrät. Schön dekoriert präsentiert sie ihre kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Garten.
Info:

Wildkräuterquiche:

Zutaten: 250 Gramm Quark, 6 Esslöffel Öl, 6 Esslöffel Milch, 2 Eier, 500 Gramm Mehl, 1 Päckchen Backpulver und Salz. Für den Belag: 2-3 Esslöffel Öl, 1-2 Zwiebeln, 1 Stange Porree, 100 bis 150 Gramm Kräuter (zum Beispiel Giersch, Dost, Liebstöckel) 3 Eier, 200 ml Sahne, 200 ml saure Sahne, 200 Gramm geriebener Käse, Zitronensaft, Salz, Peffer, Würze.

Zubereitung: Quark mit Öl, Eiern und Milch verquirlen und mit Salz abschmecken. Mehl mit Backpulver mischen und unter die Quarkmasse kneten. Teig nach einer Ruhezeit auf ein gefettetes Backblech ausrollen, Ränder etwas hochziehen. Porree und Zwiebeln kleinschneiden und im Öl glasig dünsten, geschnittene Wildkräuter zugeben mit Gewürzen abschmecken. Eier mit Sahne verquirlen. Die Gemüsemasse auf dem Teig verteilen, die Sahnemischung darübergießen und mit Käse bestreuen. Im Backofen bei etwa 200 Grad zirka 25 Minuten backen.

Info:

Gefüllte Eier

Zutaten: 8 Eier, eine halbe Zwiebel, ein halber Teelöffel Senf, ein Viertel Becher Sahne, eine Hand voll kleingehackte Wildkräuter wie Giersch Brennessel, Vogelmiere, Bärlauch, Liebstöckel, Blüten und Blätter zum Verzieren.

Zubereitung: Eier hart kochen, abschrecken schälen und längs halbieren. Mit einem Löffel Eigelb herausnehmen, Eigelb mit Senf und Sahne mit dem Pürierstab pürieren. Es sollte eine cremige Masse entstehen. Zwiebel fein würfeln und zusammen mit den Kräutern unter die Eigelbmasse rühren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Eventuell nach Geschmack noch Sahne und Senf zugeben. Masse in die Eihälften füllen, auf einer Platte anrichten und mit Blüten und Blättern verzieren.

Info:

Grüne Brötchen

Zutaten: Ein halbes Kilo Mehl, 1 Päckchen Backpulver, einen halben Teelöffel Salz, 100 Gramm Butter, einen Viertelliter Milch und 3 Handvoll Kräuter zum Beispiel Giersch, Brennnessel, Vogelmiere, Bärlauch oder Liebstöckel.

Zubereitung: Mehl Backpulver und Salz miteinander vermengen und die Butter in Flöckchen drüber streuen. Kräuter waschen, abtropfen lassen und grob schneiden. Die Kräuter mit Milch pürieren und mit den übrigen Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Kleine Brötchen formen (so groß wie ein Tischtennisball) mit dem Messer kreuzweise einschneiden und auf ein Backblech mit Backpapier legen. Herd auf 220 Grad vorheizen und Brötchen 20 bis 25 Minuten backen.

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