22.01.2019 - 15:55 Uhr
Oberpfalz

An Mariä Lichtmess ist "Schlenkeltag"

In früheren Zeiten ist der 2. Februar ein wichtiger Tag. Die Weihnachtszeit endet, ebenso das Bauernjahr. Die Mägde und Knechte auf den Höfen erhalten an ihren Jahreslohn an Lichtmess.

Am Bauernhof in der Sauernlohe bei Altenstadt/WN (Landkreis Neustadt/WN) galten die Regeln des Lichtmess-Tags für die Dienstboten bis in die Zeit vor dem 2. Weltkrieg.
von Rainer ChristophProfil

40 Tage nach Weihnachten wird am 2. Februar das Fest "Mariä Lichtmess" seit Jahrhunderten in der katholischen Kirche gefeiert. In den Kirchen und Häusern werden nun die letzten Christbäume und Krippen abgebaut. Mit der Liturgiereform in der katholischen Kirche im Jahr 1963 unter Papst Paul VI. endet die Weihnachtszeit mit dem Fest "Taufe des Herrn" am ersten Sonntag nach dem Dreikönig. Sein Ursprung leitet sich - wie so vieles im christlichen Glauben - von einer heidnischen Sühne-Prozession ab. Im fünfjährigen Turnus wurde diese in Rom abgehalten. Hinzu kam die Erfahrung, dass die Sonnenscheindauer nun zunahm und die Tage länger würden.

Gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde dieses Fest in die christliche Tradition eingebunden und erstmals in Jerusalem gefeiert. Zu uns kam es etwa im sechsten Jahrhundert und erhielt den Charakter eines Muttergottesfestes. "Mariä Lichtmess" und "Mariä Reinigung" sind alte Namen für dieses Fest. Seit der Liturgiereform ist für Lichtmess die Bezeichnung "Fest der Darstellung des Herrn im Tempel" eingeführt. Ein Begriff, der sich allerdings in der Bevölkerung wenig durchsetzte.

Reinigungsopfer

Bei der Namensgebung gibt es Bezüge zur jüdischen Religion. Ihren Gesetzen zufolge galt die Frau für 40 Tage nach einer Geburt als unrein. Nach dem jüdischem Reinheitsgebot gingen die gläubigen Israeliten jeweils mit ihrem erstgeborenen Sohn in den Tempel. Dort brachten sie ein Reinigungsopfer dar. Hinzu kam, dass nach der biblischen Schrift der erstgeborene Sohn als Eigentum Gottes angesehen wird. Im Tempel des Herrn wird der Junge Gott "vor- oder dargestellt". Üblich war am Ende des Rituals eine Geld-oder Opferspende der Eltern. Sie bedeutete eine Art Auslöse.

Mit dem Lichtmess-Fest endet für die Kirche die Weihnachtszeit. Für den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ist "das Festgeheimnis der Darstellung des Herrn, die Begegnung der Heiligen Familie im Tempel zu Jerusalem mit dem greisen und gerechte Simeon und der weisen Prophetin Hanna ein Bindeglied zwischen Weihnachten und Ostern". Simeon, so berichtet die Bibel, wurde vom Heiligen Geist offenbart, "er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe". Die Witwe Hanna hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott. Durch die Weissagungen von Simeon und Hanna wird auf das Leiden Christi hingewiesen.

Die Weihe von Kerzen an Lichtmess ist bereits seit dem achten Jahrhundert bekannt. Hier galt es, den gesamten Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen zu weihen. Wachskerzen waren bis zur Erfindung des Paraffins Anfang des 19. Jahrhundert sehr teuer und gehörten daher zur Kirchenspende. In ländlichen Gegenden war es Brauch, dass auch die Gläubigen die Kerzen für den gesamten privaten Jahresbedarf in Körben zur Kirche brachten.

Elektrisches Licht gab es damals nicht, so wurden die Kerzen für alle möglichen Zwecke verwendet. Das fing an bei normalen Hauskerzen, über schwarze Wetterkerzen bis hin zu kunstvollen Kerzen für besondere Anlässe. So wird die Feier des Tages durch eine Lichterprozession vertieft. Nur an wenigen Orten hat sich dieser Brauch bis in die heutige Zeit erhalten. "Diese Kerzen", so erläutert der ehemalige Altenstädter Pfarrer Gerhard Pausch, "weisen auf Christus als das wahre Licht hin." Von diesen Lichtern erhielt das Fest auch seinen Namen.

Wettervorhersage

Berufstätige, die gegen sieben Uhr zur Arbeit fahren, merken es deutlich: Im Osten bricht die Helligkeit bereits durch, die langen Winternächte sind nun endlich überwunden. Eine alte Bauernregel sagt: "Tanzen zu Lichtmess die Mucken, muss der Bauer nach dem Futter gucken." Zu Lichtmess ist bereits deutlich zu merken, dass die Sonne wieder früher aufgeht. Für die Bauern war es ein Tag der Wettervorhersage. So soll am 2. Februar die Sonne scheinen, damit der Dachs seinen Schein oder Schatten nicht sieht. Wenn doch, macht er einen Sprung und verschwindet weitere sechs Wochen in seinem Bau und der Winter wird noch genau so lang andauern.

Makaber ist die Vorstellung, die auch in Bärnau (Landkreis Tirschenreuth) verbreitet war, dass es am Lichtmesstag unbedingt schneien müsse, damit die Gräber weiß würden. Schneit es nicht, würden in dem Jahr so viele Wöchnerinnen sterben, dass man mit ihren Leintüchern den Friedhof bedecken könne.

An Lichtmess endet das Bauernjahr. Das Fest war bis etwa 1912 nicht nur ein offizieller Feiertag, er war ein wichtiger Termin für alle Dienstboten. Es war der sogenannte "Schlenkeltag". Nach dem Tirschenreuther Sprachforscher Johann Andreas Schmeller bedeutet "schlenkeln" so viel wie "Ausscheiden der Dienstboten aus dem Arbeitsverhältnis". Mit anderen Worten: Es war der Zahltag für die Dienstboten. Der Tirschenreuther Heimatforscher Harald Fähnrich berichtet, dass ihm von Bauernbällen an Lichtmess in Etzenricht und Bernstein erzählt wurde.

Urlaub nach Lichtmess

Noch gut an diese Zeit erinnerte sich Hans Adam, gebürtiger Meerbodenreuther. Am Lichtmesstag saß der Bauer in seiner guten Stube und hatte vor sich die Dienstbotenbücher. Daneben lag der Lohn und weiteres Zubehör. Die Reihenfolge war genau festgelegt: Erst kam der Großknecht, um die Jahrhundertwende erhielt er zwischen 100 bis 130 Mark an Jahreslohn, dann der Kleinknecht, die Großmagd, die Magd und am Ende der Hütbub. "20 Mark im Monat war der Lohn für den 16-jährigen Hütboum, wenn miar während des Jahres a Geld braucht habn, hat uns des der Bauer als Vorschuss geb'n. Am Lichtmesstag wurde dann abgerechnet. Neben dem Geld hat's manchmal noch zwei Baumwollhemden oder Unterhosen gegeben. Schlechte Dienstboten mussten fortziehen, die Guten blieben in der Regel. Meist erhielten die Dienstboten nach Lichtmess eine Woche Urlaub. Die, die in der Nähe wohnten, gingen während der Zeit heim." Schmunzelnd fügte Hans Adam hinzu: "Die, die weiter weg wohnten, blieben nicht selten im Wirtshaus hängen, da war vom Geld bald nichts mehr zu sehen. Und so waren sie froh, wenn sie wieder bei ihrem Bauern unterkamen." Oft wurden nach Lichtmess auch Hochzeiten bei die Dienstboten abgehalten. Sie hatten nun Bargeld, wenn sie das Jahr über sparsam waren. (cr)

Blick nach Österreich:

Für die ländliche Bevölkerung in Österreich ist Lichtmess der Beginn des Bauernjahres. Es war und ist heute üblich Bauern-Bälle zur veranstalten. Hier kursiert, neben vielen Wetterregeln für Lichtmess, der Spruch: „Zu Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund.“ Mit den länger werdenden Tagen gilt Mariä Lichtmess als „klassischer Bauernfeiertag“. Knechte und Mägde erhielten an diesem Tag den Jahreslohn, die Dienstboten konnten von einem Bauern zum anderen wechseln. Aber vor allem begann an diesem Tag wieder die Arbeit der Bauern nach der Winterpause. In einigen Regionen sind bis heute zwischen Dreikönig und Lichtmess die Lichtmess-Sänger, meist Mitglieder der Kirchenchöre, unterwegs. Sie gehen in Vierergruppen von Haus zu Haus. Gesungen wird nach einem rund 400 Jahre altem Brauch ein vierstimmiges Lichtmess-Lied mit fünf Strophen. Danach wird um eine Opfergabe gebeten. Nach der Übergabe folgt ein Danklied mit vier Strophen, bei dem der Segen für Haus, Felder und Tiere im Vordergrund steht. Die gesammelten Spenden werden für Aufgaben in der Pfarrei verwendet. (cr)

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