Infoveranstaltung: Marktgemeinde Kastl auf dem Weg zur Klimaneutralität

Naturparkranger Jonas Nebhiebel (rechts) bringt Norbert Bleisteiner und Bürgermeister Stefan Braun (links) sowie dem Kastler Publikum die Heckenpflege mit schwerem Gerät nahe.
von Autor JPProfil

Nachdem der Gesetzgeber die bis 2030 zu erbringende Reduktion an CO2-Emissionen von 40 auf 55 Prozent erhöht hat, müssen neue Wege gefunden werden, um diese Ziele auch im ländlichen Bereich zu erreichen. Zu diesem Thema fand eine Info-Veranstaltung auf der Terrasse des Kastler TuS-Sportheims mit ausgesuchten Referenten statt.

Norbert Bleisteiner aus Brünnthal, der Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik der Fachhochschule Triesdorf bei Ansbach, hatte zusammen mit Bürgermeister Stefan Braun dazu unter anderem Professor Dr. Bernhard Bauer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Jonas Nelhiebel, Ranger im Naturpark Hirschwald, Kurt Herbinger von der Firma Farmacts, mit Johannes Hüttner und Maximilian Graml einen konventionellen und einen Bio-Landwirt, Markus Heinz (Pflanzenbau und Versuchswesen der Schule in Triesdorf), den Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Manuel Westphal, und als Vertreter des Mittelstands den Kastler Apotheker Karl Luschmann, der auch Geschäftsführer den Firma Pharma in Stulln mit 300 Mitarbeiter ist, eingeladen. Bleisteiner sagte, dass Kastl Projekte zur Biodiversität gestartet hat, darunter eine Blühfläche, die fünf Jahre lang sich selbst überlassen werde und vor allem dem Insektenschutz diene. Nun wage man sich auch an Projekte für die Klimaneutralität. Voraussetzungen dafür seien der Einsatz von erneuerbaren Energien und vor allem die Kompensation des CO2-Ausstoßes durch Einsparung und Bodenverbesserung. Bürgermeister Stefan Braun zeigte die Maßnahmen Kastls zu diesem Thema auf. Bisher habe der CO2-Ausstoß durch Mobilität, Strom und Wärme 477 Tonnen betragen. Durch den Einbau einer Solarheizungsanlage im Freibad, mit Nahwärme durch ein Hackschnitzelheizwerk und durch die Beteiligung am Kastler Windrad sei dieser Ausstoß um über die Hälfte gesenkt worden. Weitere Einsparungen ergeben sich nach seinen Worten durch die energetische Sanierung der Schule, gemeindeeigene PV-Anlagen und E-Mobilität, die im Bauhof eingeführt werden solle. Professor Bernhard Bauer sprach die Möglichkeiten einer Bodenverbesserung durch eine höhere Humusdecke an, die durch spezielle Bodenbearbeitungsmethoden und Zwischenfruchtanbau erreicht werde. Dies sei bei allen landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen denkbar, egal ob bio oder normal. Der natürliche Dünger, der durch die Pflanzen im Boden verbleibe und zur Humusbildung beitrage, erspart Kunstdünger. Landrat Manuel Westphal informierte, dass es in seinem Landkreis ein Bienen- und ein Klimaprojekt gebe und ein Einsparkonzept erstellt worden sei.

Norbert Bleisteiner schnitt die Aufwertung und Pflege von vorhandenen Landschaftselementen an. Dafür habe man auf über 100 Hektar im Gemeindegebiet Hecken, Raine, Streuobstwiesen oder Biotopbäume kartiert. Als Verbesserungsvorschläge nannte er unter anderem das Anbringen von Nistkästen, die Anlage von Steinhaufen und Totholz als Habitate oder das Pflanzen von Obstbäumen für Streuobstwiesen.

Damit sich der Einsatz für die Natur auch lohnt, sollen für Bodenverbesserungen und die Erhöhung der Biodiversität CO2-Zertifikate durch Fachfirmen, die mit entsprechenden Probebohrgeräten und Laboren ausgestattet sind und Bodenverbesserungen nachweisen können, ausgegeben werden. Dem pflichtete Karl Luschmann bei. Ihm sei es lieber, einheimische Zertifikate für die Klimaneutralität zu erwerben, als irgend ein nicht kontrollierbares Projekt in der Dritten Welt zu finanzieren. Bei einer Probegrabung auf der Blühfläche bestimmte Professor Bauer die Bodenbeschaffenheit. Naturparkranger Jonas Nelhiebel erläuterte die Heckenpflege mit schwerem Gerät. Zum Schluss wurde ein GPS-gesteuertes Bodenprobefahrzeug mit Erdbohrgerät, das den Zuwachs der Humusdecke des Düngeranteils analysieren kann, damit die Zertifikate auch ihre Richtigkeit haben, vorgestellt.

Das GPS-gesteuerte Bodenprobefahrzeug der Firma Farmact mit Bohrgerät und Auffangschale nimmt Bodenproben, um den Nährstoff und Humusgehalt des Bodens festzustellen.
Der Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Manuel Westphal, erläuterte das Klimaschutzkonzept in seinem Landkreis.
Prof. Dr. Bernhard Bauer bestimmte bei einer Probegrabung in der Blühfläche die 30 Zentimeter hohe Humusschicht.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.