Das Thema Flächenfraß nahm zuletzt richtig Fahrt auf, als die Grünen ein Verbot von Einfamilienhäuser-Neubauten ins Spiel brachten. Sicherlich dürfte früher oder später wieder eine Diskussion aufflammen. Dabei ist die Bandbreite bei diesem Thema groß: Sie reicht von Straßenbau über Photovoltaik-Freiflächenanlagen bis hin zu Neubaugebieten. Einer, der oft bei der Diskussion betroffen ist, ist Bauoberrat Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt. Er sagt: "Der Straßenbau steht oftmals in der Kritik, Natur nur zu zerstören." Stehen solche oder ähnliche Maßnahmen an, nimmt das Thema wieder Fahrt auf.
Noll betont aber: "Die umfangreichen personellen und materiellen Aufwendungen unserer Arbeit zur Kompensation straßenbaubedingter Eingriffe in Natur und Landschaft werden dabei oftmals aber nicht wahrgenommen." Umso größer sei bei dem Bauoberrat die Freude, dass das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach mit einer ihrer naturschutzfachlichen Ausgleichsflächen zu den zehn positiven Fallbeispielen des
Landesbundes für Vogelschutz zählt. Zumal der LBV die Ausgleichsflächen kritisch betrachtet und in einer Pressemitteilung etwa auch zehn Negativbeispiele nennt. Experten hatten im Auftrag des LBV Ausgleichsflächen über den gesamten Freistaat untersucht und 20 eklatante Fallbeispiele veröffentlicht.
Auf Dünger verzichtet
Bei dem positiv erwähnten Beispiel aus Amberg-Sulzbach handelt es sich um eine Ausgleichsfläche für die Verlegung der Staatsstraße 2245 bei Kastl. "Die positive Entwicklung dieser Fläche ist das Ergebnis einer permanenten, extensiven und auf die Bedürfnisse der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten abgestimmten Pflege." Um Nährstoffeinträge auf solchen Flächen möglichst gering zu halten, werde hier komplett auf Düngung verzichtet und das abgemähte Schnittgut grundsätzlich von den Flächen entfernt, erklärt Noll. Zwischen Anfang Juni und Mitte September erfolge gar keine Bewirtschaftung der Fläche. Vor allem das Artenreichtum in den Wiesen lobt der LBV.
Allerdings gibt es auch ein negatives Beispiel aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Kritik übt der Landesbund für Vogelschutz am Ausgleich für die Photovoltaikanlage in Gebenbach (An der Bahn). Durch den Ausgleich sollte extensives, artenreiches Grünland an zwei externen Standorten im Umfeld der Photovoltaikanlage sowie jeweils eine Hecke auf fünf Meter breiten Pufferstreifen zwischen Solaranlage und den angrenzenden, bewirtschafteten Flächen geschaffen werden. Die externe Ausgleichsfläche auf einer Waldlichtung nordöstlich von Gebenbach wurde weiterhin intensiv landwirtschaftlich genutzt und damit zweckentfremdet, kritisiert der LBV. Außerdem heißt es in einer Pressemitteilung weiter: "Die Heckenpflanzung zur Abgrenzung zwischen Fotovoltaikanlage und angrenzenden Wirtschaftsflächen wurde nicht umgesetzt." Zwar sei die Photovoltaikanlage nicht auf der gesamten, im Bebauungsplan ausgewiesenen Fläche realisiert worden. Aufgrund der fehlenden Umsetzung der Ausgleichsmaßnahme lägen jedoch trotzdem mit Sicherheit schwerwiegende Defizite vor.
"Situation darstellen"
In der Pressemitteilung des LBV wird auch die Intension der Aktion beschrieben. „Es geht uns bei den Fallbeispielen nicht darum, mit dem Finger auf die Verantwortlichen zu zeigen“, betont der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. „Vielmehr wollen wir anhand von aussagekräftigen Beispielen die zugrundeliegende Situation der Ausgleichsflächen in Bayern darstellen. Die positiven Beispiele zeigen, dass die Kompensation von Eingriffen in einigen Fällen bereits hervorragend funktioniert und diese Flächen zum Schutz von Arten und Lebensräumen beitragen“, so Schäffer.
Die Ausgleichsflächen
- Ausgleichs- und Ersatzflächen sollen und können Eingriffe in Natur und Landschaft, zum Beispiel Baumaßnahmen, ausgleichen.
- In den Planunterlagen zum jeweiligen Eingriff ist festgelegt, wie genau die Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden müssen – auf Ausgleichsflächen können dabei unterschiedlichste Lebensräume entstehen, die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können.
- Ausgleichsflächen leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt über einen funktionierenden Biotopverbund.















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