22.02.2021 - 10:50 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Als die B 303 bei Marktredwitz ihre Brücke bekam

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Die Tage der alten Brücke der B 303 sind nach 60 Jahren gezählt. 1959 war das Büro Sievert mit der statischen Berechnung des ersten Bauwerkes beauftragt. Hermann Meier zeichnete als Praktikant die Bewehrungspläne.

Hermann Meier unter der Brücke über die Thölauer Straße. Zum Graffiti im Hintergrund hat er eine besondere Beziehung.

Lange ist es her, aber Bau-Ingenieur Hermann Meier kann sich noch gut an den Bau der Brücke der B 303 über die Thölauer Straße in den Jahren 1959 und 1960 erinnern. Schließlich war er selbst daran beteiligt. Als junger Mann arbeitete er zwei Jahre lang als Praktikant im Statikbüro des Bau-Unternehmens C. W. Sievert in Marktredwitz. So kam es, dass Hermann Meier die Bewehrungspläne für die Brücke erstellte.

Ingenieur Klaus Schilffarth arbeitete damals im Statikbüro. "Er war mein Lehrmeister", sagt Hermann Meier heute. Als die Bewehrung der Brückenplatte verlegt war, hat er die Arbeit mit Schilffarth zusammen abgenommen. Mit ihm war er bis zu dessen Tod im Jahr 2016 befreundet. Und mit dessen Familie ist er es heute noch.

Als Meier erfuhr, dass die Brücke abgerissen und neu gebaut werden soll, suchte er nach Bildern vom Bau der Brücke und wurde in seinem Archiv fündig. Schließlich war es nicht nur eines der ersten Bauwerke, an denen er mitgearbeitet hatte. Sein Elternhaus liegt in unmittelbarer Nähe, ebenso nahe steht sein eigenes Haus, in dem er seit 1972 lebt. Und auch als Geschäftsführer der Marthahütte, später unter dem Namen Colfirmit Rajasal und jetzt als Heck Wall Systems bekannt, arbeitete er jahrzehntelang täglich in Sichtweite der Brücke in der Thölauer Straße.

Bei einer Besichtigung der Brücke zeigt Hermann Meier auf einige Stellen, an denen sich der Beton von der Stahlbewehrung gelöst hat. "Schauen Sie sich den Bewehrungsstahl an, der jetzt verrostet zutage tritt. Damit ist die Stabilität auf Dauer nicht mehr gewährleistet." Und tatsächlich: Die Schäden an der Brücke sind unübersehbar. Stahlbetonbrücken wirken durch den vielen Beton zwar stabil, aber dieser kann nur auf Biegung beansprucht werden; wenn er mit Stahl armiert wird, nennt man das Bewehrung. Ist die Bewehrung nach Fertigstellung des Bauwerkes ausreichend mit Beton überdeckt, dann rostet Stahl nicht. Kritisch wird es, wenn im Laufe der Zeit Feuchtigkeit eindringen kann. Dann beginnt der Rostvorgang, der die Betonhülle im Überdeckungsbereich absprengt. Auf der Fahrbahn und im Randbereich ist Tausalz ein wesentlicher Schadensverursacher.

Dann weist Meier auf eine Besonderheit hin: "Immer wieder wurden Graffitis an den Brückenwänden aufgesprüht und meist mit Farbe überstrichen. Nur dieses eine blieb erhalten, wahrscheinlich ist es besonders schön! Auch mir gefällt es gut. Ich zeige Ihnen da nachher etwas!" Als wir später in seinem Haus in den Keller hinabsteigen, zeigt Hermann Meier seine Modelleisenbahn. Er hat das Graffiti an einem Brückenwiderlager im Maßstab 1:22,5 reproduziert. So bleibt das Graffiti auch nach dem Abriss der Brücke über die B 303 zumindest bei ihm erhalten.

Der Bau der Brücke, die demnächst abgerissen und von einem neuen Bauwerk ersetzt werden soll, wurde laut Hermann Meier übrigens notwendig, als die B 303 als Umgehungsstraße gebaut wurde. Vorher lief der gesamte überregionale Straßenverkehr durch Marktredwitz hindurch. Die Wunsiedler Straße hat stadtauswärts am Oberredwitzer Berg eine Steigung von zwölf Prozent. Voll beladene Lastwagen schafften den Berg kaum.

"Schauen Sie sich den Bewehrungsstahl an, der jetzt verrostet zutage tritt. Damit ist die Stabilität auf Dauer nicht mehr gewährleistet."

Hermann Meier

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Marktredwitz
Hintergrund:

Baubeginn im März

Eine Sanierung der Brücke, die seit sechs Jahrzehnten über die Thölauer Straße führt, wurde aus technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten verworfen.

  • Für 2,7 Millionen Euro plant das Staatliche Bauamt Bayreuth eine neue Brücke.
  • Die Arbeiten sollen Ende März 2021 beginnen.
  • Durch die Vorbereitungen der Baustelle gibt es schon jetzt Verkehrsbehinderungen an der Hauptverkehrsachse der B 303 von Ost nach West. Während der Bauarbeiten regelt eine Ampelanlage den Verkehr auf der Bundesstraße.
  • Sobald die Behelfsbrücke steht, wird das alte Bauwerk abgerissen. Die Fertigstellung ist bis Dezember 2021 geplant.
1960, das Brückenbauwerk ist fertig geschalt, die Bewehrung verlegt. Nach der Abnahme (Überprüfung) kann der Beton eingebracht werden.
Blick Richtung Osten: Säulen und Widerlager sind bereits teilweise fertiggestellt.
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