13.12.2018 - 11:56 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Bedeutende Werke der Volkskunst

"Krippenkunst aus Marktredwitz und Böhmen" zeigt das Egerland-Museum. Zu den besonderen Exponaten gehört eine Leihgabe der Diözese Regensburg.

Eine Miniatur-Kastenkrippe aus Königsberg an der Eger. Die Figuren aus Pfaffenhütchenholz stammen von dem bekannten Schnitzer Franz Zapf (1821 bis 1903).
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(exb) Wie jedes Jahr zeigt das Egerland-Museum über die Advents- und Weihnachtszeit bedeutende historische Krippen und Krippenfiguren aus Marktredwitz und Böhmen. Die schönen und sehr alten Werke der Volkskunst sind bis 27. Januar zu bewundern.

Das besondere Schaustück ist eine große und wertvolle Landschaftskrippe aus dem Bestand der Diözese Regensburg. Die Leihgabe, die Bischof Rudolf Voderholzer dem Egerland-Museum zur Verfügung stellt, stammt aus Nordböhmen, genauer gesagt aus Königswalde in der Nähe von Schluckenau. Hier lebte Josef Kindermann, der die naturgetreuen Figuren zwischen 1920 bis 1930 von namhaften nordböhmischen Schnitzern anfertigen ließ. Regelmäßig baute er die Krippe in der Tradition der nordböhmischen Landschaftskrippe zu Hause auf.

Bei der Vertreibung der Sudetendeutschen wurden Figuren und Krippenteile unter Lebensgefahr von der Familie Kindermann in die neue Heimat nach Mecklenburg geschmuggelt. Über weitere Orte gelangte die Krippe bis nach Wiesbaden. Schließlich übereignete Pfarrer Karl Kindermann, der Sohn von Josef Kindermann, die Krippe an die Diözese Regensburg.

Ebenfalls im Mittelpunkt steht eine Rarität: eine vier Meter breite originale Papierkrippe aus Ostböhmen. Über 200 handbemalte Figuren aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bevölkern den typischen Krippenberg, der sich über mehrere Etagen erstreckt. Es handelt sich um den Nachbau eines vier Meter langen Krippenbergs. Die vielen wertvollen und originalen Figuren, die Stadtkulisse und der dazu gehörige gemalte Hintergrund stammen ursprünglich aus Ostböhmen/ Mähren. Museumsleiter Volker Dittmar und der "Kripperer" Albin Artmann ließen sich auf das Experiment ein, nach historischem Vorbild und mit authentischen Materialien wie Leisten, Brettern, Leimpapier, Knochenleim, Kasein und alten Farbpigmenten den steil aufragenden und langgezogenen Krippenberg zu errichten. Damit wurde altes Handwerkswissen wiederentdeckt und angewendet.

Dass im Stiftland das "Krippenschnitzen" noch heute lebendig ist, beweist eine sehr qualitätsvolle Hauskrippe aus Waldsassen, die vom Eigentümer Hans Zölch selbst in der Tradition der barocken Kirchenkrippen geschnitzt wurde. Die aufwendig bekleideten Gliederfiguren sind mit beweglichen Kugelgelenken ausgestattet. Seit seiner Pensionierung widmet sich Hans Zölch verstärkt seinem künstlerischen Schaffen als Schnitzer. Weitere historische Krippen aus Waldsassen, nämlich aus dem Stiftlandmuseum, werden in der Ausstellung gezeigt: eine Kastenkrippe mit Figuren aus Grulich, eine Drehkrippe und ein Christbaumständer mit jeweils vier Krippenszenen.

Die "Kathedralkrippe" aus Peru ist eine Leihgabe der Familie Frey aus Arzberg. Sie besticht durch ihre enorme Fülle an bemalten Tonfiguren, die in lebendig gestalteten Szenen arrangiert sind: Anbetung der Hirten, Flucht nach Ägypten, Kreuzigung und Pieta.

Wie jedes Jahr nimmt das Egerland-Museum am "Marktredwitzer Krippenweg" teil. Die Figuren und Häuser sind in Anlehnung an die historischen Vorbilder aus der Zeit um 1920 in eine Alpenlandschaft gesetzt. Zu sehen sind auf 14 Quadratmetern Alm-Szenen im Hochgebirge, fröhliche Begebenheiten im Dorf, ein Sägewerk und viele weitere originelle "Stücke" und Gebäude. Den Aufbau dieser reich bestückten Landschaftskrippe übernahm erneut der ortsansässige "Kripperer" Albin Artmann. Des Weiteren kommen viele Marktredwitzer Tonfiguren aus dem eigenen Bestand ("Schenkl-Sammlung"), die bis zu 150 Jahre alt sind, zur Ausstellung.

Da dieses Jahr die Stadt Marktredwitz das 30-jährige Jubiläum des "Krippenwegs" feiert, beteiligt sich die Alexander-von-Humboldt-Mittelschule mit einer eigenen Landschaftskrippe an der Ausstellung. Durch dieses Projekt soll das Wissen der "Kripperer" über den Krippenbau, das in keinem Lehrbuch steht, an die Schüler weitergegeben werden.

Schließlich zeigt das Egerland-Museum eine wertvolle Neuerwerbung: eine Miniatur-Kastenkrippe aus Königsberg an der Eger. Die geschnitzten kleinen und kleinsten Figuren aus Pfaffenhütchenholz stammen von dem bekannten Schnitzer Franz Zapf (1821 bis 1903). Der Förderverein des Egerland-Museums konnte das Schmuckstück erwerben.

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung „Krippenkunst aus Marktredwitz und Böhmen“ ist noch bis 27. Januar im Egerland-Museum zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr, über den „Krippenweg“ vom 26. Dezember bis 6. Januar montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Weitere Öffnungszeiten für Gruppen sind nach telefonischer Anmeldung möglich (Egerland-Museum, Fikentscherstraße 24, 95615 Marktredwitz, Telefon 09231/3907, E-Mail info[at]egerlandmuseum[dot]de, www.egerlandmuseum.de). (exb)

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