Marktredwitz
28.01.2019 - 17:33 Uhr

Grenzland als Lebensthema

Petr Miksicek ist Kulturwissenschaftler, Autor und Fotograf. Der Alltag im Grenzland, die Geschichte der Sudetendeutschen und die Versöhnung beider Staaten sind zu seinen Lebensthemen geworden, gesteht der Tscheche im „Literarischen Café“.

Begleitet wurde Petr Mikšícek von seinen kleinen Söhnen Adam (links) und Matej (rechts). Die Leiterin des literarischen Zirkels, Roswitha Budow (rechts), bedankte sich für den Besuch. Bild: wro
Begleitet wurde Petr Mikšícek von seinen kleinen Söhnen Adam (links) und Matej (rechts). Die Leiterin des literarischen Zirkels, Roswitha Budow (rechts), bedankte sich für den Besuch.

Sein erstes Buch, das er in Händen hielt, war ein Schulatlas, schreibt der 42-jährige gebürtige Prager in einer seiner Veröffentlichungen. Die Ortsnamen seiner Heimat waren in tschechischer Sprache geschrieben. Seine Großeltern dagegen, die auf der böhmischen Seite des Erzgebirges wohnten, besaßen deutschsprachige Bücher und Dosen, auf denen "Zucker", "Mehl" oder "Salz" zu lesen war, erinnert sich der Gast bei der gut besuchten Veranstaltung, zu der die Katholische Erwachsenen-Bildung ins Meister-Bär-Hotel eingeladen hatte.

Bei seinem Besuch in Marktredwitz gesteht Miksícek, dass er die Antworten auf alle Fragen, das Deutsche betreffend, erst Anfang 2000 erhielt, als er aufbrach, um seine Vergangenheit zu Fuß aufzuarbeiten. Die Wanderung entlang der deutsch-tschechischen Grenze schildert der Autor in seinem 2014 erschienenen und nahezu ausverkauften Buch "Waldgang". Es führt zurück in eine Zeit, als der Schriftsteller 22 Jahre alt war. Miksícek, der beim Autorengespräch von seinen Söhnen Adam und Matej begleitet wurde, las daraus vor. "Ich war alleine unterwegs", beginnt er den Bericht seines rund drei Monate dauernden Ausflugs kreuz und quer durch Böhmens Natur. "Wenn niemand dabei ist, denkt man darüber nach, was man sieht." Danach habe er alles aufgeschrieben. "Dass sich so viele Leser dafür interessierten, überraschte mich." Später habe er sich noch einmal für einen ähnlichen Marsch entschlossen. "Diesmal waren wir zu zweit. Zum Nachdenken aber kam ich nicht." Das Erlebte habe nicht gereicht, um einen Folgeband seines "Waldgangs" schreiben zu können, bedauert der Autor.

Er stellt das Kapitel "Das Geheimnis der bunten Truhe" vor. In der von ihm beschriebenen Kiste habe sein Großvater Nägel und Sägeblätter aufbewahrt, erzählt er vom Beginn einer "Forschungsreise" in die sudetendeutsche Vergangenheit. Blühende Flächen und verschwundene Dörfer ziehen gedanklich vorbei. Den Besuch des Ruinendorfes "Königsmühle" unweit des Berges Klinovec nennt er ein "Loch in der Zeit". Man könne sich dort intensiv mit der Vergangenheit beschäftigen. Die Mittelgebirgslandschaft mit den Tälern und Wiesen malt er als "wunderschön". Das Erzgebirge sei zu einem wichtigen Thema für ihn geworden, empfiehlt einen Ausflug dorthin. "Jedes Gebirge hat seine Sagengestalt", nimmt der Autor ein weiteres Werk zur Hand. "Sie ist jung und hübsch", schwärmt er von "seiner" Marzebilla, die er in seinem siebten Buch "Enthüllt - Der Geheimbericht zu Marzebilla" zu einer Romanfigur der Gegenwart gemacht hat. Das Buch ist eine Kombination aus Fiktion, Krimi und Realität. "Die Ursprungslegende selber blieb unverändert", verweist der Schriftsteller auf das Fabelwesen mit mystischen Kräften. Viele Attribute, die Miksícek mit der Sagengestalt aus dem Erzgebirge verknüpft, umgeben sie. "Schildern Sie Ihre Eindrücke, die Sie mit Nebel verbinden", bittet er das Publikum um Antworten. Die Restbestände seines "Waldgangs" bot der Autor zum Verkauf an, ebenso seinen "Marzebilla-Geheimbericht", der in zwei Sprachen erschienen ist.

Petr Mikšícek ist gebürtiger Prager. Im „Literarischen Café“ zitierte er aus seinen Werken. Bild: wro
Petr Mikšícek ist gebürtiger Prager. Im „Literarischen Café“ zitierte er aus seinen Werken.
 
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