15.02.2019 - 15:43 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Helfen, fördern und kümmern

Seit 50 Jahren gibt es die Lebenshilfe in Marktredwitz. 150 Mitarbeiter der Einrichtung betreuen 600 Behinderte. Am 11. Mai gibt es ein großes Fest.

Nadine Pöhlmann (rechts) mit Gruppenleiterin Ricarda Zeitler beim Montieren von Spielzeug.
von Autor FPHProfil

Sie entwickeln sich langsamer, sie denken einfacher, sie lernen nicht so leicht und sie brauchen ein Leben lang Hilfe: Menschen mit geistiger Behinderung. Seit 50 Jahren kümmert sich im Landkreis Wunsiedel die Lebenshilfe darum, dass weder Betroffene noch ihre Angehörigen mit ihrem Schicksal allein gelassen sind. 150 Mitarbeiter betreuen in Marktredwitz in der Werkstatt, der Schule, in Tagesstätte, Wohnheimen und der Frühförderung rund 600 Behinderte. Sie stehen ihnen mit Einfühlungsvermögen und Geduld zur Seite, damit sie ein lebenswertes Leben führen können.

„Unser 50. Jubiläum wird groß gefeiert.“ Das kündigt im Gespräch Geschäftsführerin Susanne Hilpert an, die seit über einem Jahr die Zügel bei der Lebenshilfe in der Hand hält. Zusammen mit ihrem Team feilt sie momentan am Programm, das am 11. Mai im Auenpark auch die gesamte Bevölkerung mit ins Boot holt. „Wir wünschen uns, dass die Menschen keine Berührungsängste mit den Behinderten haben“, so Hilpert, die Einblick in die Arbeit der Lebenshilfe gibt.

„Derzeit leben in unseren Wohnheimen in der Zeppelinstraße und am Schafbrunnenweg 48 Behinderte.“ 200 Leute seien in der Werkstatt beschäftigt und 200 Familien nutzten derzeit die Frühförderung. 100 Kinder besuchten die Schule und die Tagesstätte, 24 die Förderstätte, erzählt Susanne Hilpert. Zusätzlich zu den Angeboten der Lebenshilfe gebe es noch die offene Behindertenarbeit und den familienentlastenden Dienst, „der einspringt, wenn die Eltern beispielsweise einmal abends weggehen wollen“.

Mit Susanne Hilpert ist frischer Wind in die Lebenshilfe eingezogen. „Wir haben ein psychisches und physisches Gesundheitsmanagement eingeführt“, so die Geschäftsführerin, die sich darüber freut, bei den 150 Mitarbeitern auf offene Türen gestoßen zu sein. „Auch die Jahresgespräche mit den Beschäftigten kämen gut an. „Es ist doch schön, wenn die Mitarbeiter gut drauf und motiviert sind. Das überträgt sich auch auf die Menschen, die wir betreuen“, weiß die Chefin, der ein gutes Betriebsklima sehr am Herzen liegt.

Neben dem Jubiläum hat die Lebenshilfe momentan eine Mammutaufgabe mit dem Projekt in Arzberg zu stemmen: Neubau einer Werkstatt auf dem Schumann-Areal. „Hier werden geistig Behinderte mit besonders herausforderndem Verhalten in drei Wohngruppen untergebracht“, verdeutlicht die Geschäftsführerin. „Bislang gibt es solch eine Einrichtung in ganz Oberfranken nicht. Sie wird für 24 Plätze ausgelegt sein.“ In Arzberg brauche die Lebenshilfe viele neue Mitarbeiter, kündigt Susanne Hilpert an. „Es ist ziemlich schwierig, Sozialpädagogen zu bekommen. Denn sind die jungen Menschen erst einmal zum Studieren weg, ist es nicht so einfach, sie wieder hierher in die Region zu lotsen.“ Dank der Schule in der Senivita in Marktredwitz gebe es genügend Heilerziehungspfleger, „die bei uns auch häufig ein Praktikum machen“.

Susanne Hilpert, die eigentlich Betriebswirtschaftslehre studiert hat, fühlt sich an der Spitze der Einrichtung bestens aufgehoben. „Ich könnte nicht in der Automobilindustrie arbeiten, um einfach nur Leistung zu bringen. Meine Arbeit muss einen Sinn haben.“ Und diesen Sinn hat die Geschäftsführerin bei der Lebenshilfe gefunden. „Hier fühlt es sich richtig an, 40 bis 50 Stunden die Woche hinzugehen und etwas zu arbeiten, das den Menschen zugute kommt.“

Die Lebenshilfe betreut ihre Schützlinge in den Wohnheimen bis zu ihrem Lebensende. „Unsere älteste Bewohnerin ist 82. Da wird die nächste Aufgabe auf uns zukommen“, meint Hilpert. „Denn auch Behinderte werden immer älter.“

Im Blickpunkt:

Ein Fest für alle

Unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Leonhard Holzberger wurde am 16. April 1969 die Lebenshilfe als Kreisvereinigung Marktredwitz-Selb-Wunsiedel gegründet. Ihre Aufgabe ist die Förderung aller Maßnahmen und Einrichtungen, die eine wirksame Hilfe für Menschen mit geistiger Behinderung aller Altersstufen und deren Angehörige bedeuten. Von den 13 Vorstandsmitgliedern sind 8 aus dem Kreis der Eltern und Sorgeberechtigten.

In der Bundesvereinigung, unter deren Dach die Lebenshilfe steht, sind 16 Landesverbände und 527 Orts- und Kreisvereinigungen mit 140.000 Mitgliedern zusammengefasst. Das Einzugsgebiet der Lebenshilfe, die ihren Sitz in Marktredwitz hat, ist der gesamte Landkreis Wunsiedel.

Das 50. Jubiläum wird als Schul- und Werkstattfest am 11. Mai im Auenpark gefeiert. Um 13 Uhr beginnt der Festakt im Zelt, ab 15 Uhr gibt‘s Spiel und Spaß im Park. Die Besucher erwartet jede Menge Unterhaltung. Nachmittags spielen die Bands „Funkenstein Project“ und „The Inclusions“, ab 18.30 Uhr die „Fichtelgebirgs-Allstars“. (fph)

Aktuell und Wissenswert

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