17.05.2019 - 15:17 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Mit Hochdruck-Strahl

Im Klinikum Fichtelgebirge ist nun ein OP-Roboter zur Behandlung von Prostata-Vergrößerungen im Einsatz. Er arbeitet mit einem Hochdruck-Strahl.

Privatdozent Dr. Wolfgang Schafhauser (rechts), Chefarzt der Urologischen Klinik, und Dr. Alexander Kugler, Leitender Oberarzt, sind von der neuen Methode überzeugt.
von Externer BeitragProfil

In Deutschland findet sich bei der Hälfte aller Männer über 50 eine gutartig vergrößerte Prostata. Kommen Symptome hinzu, sind sie äußerst lästig und quälend: häufiges Wasserlassen, schwacher Harnfluss und dadurch verursachte Schlafstörungen.

Eine völlig neue, minimalinvasive Behandlungsmethode bietet seit Mai Privatdozent Dr. Wolfgang Schafhauser, Chefarzt der Urologischen Klinik am Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz, an. Die neue Methode namens "Aquablation" ist besonders schonend und die erste robotergestützte OP-Methode für diese Erkrankung. Die im Silicon Valley in den USA entwickelte Technik kommt bundesweit bislang nur an sechs Standorten zum Einsatz. In Bayern ist das Prostatazentrum am Klinikum Fichtelgebirge der Vorreiter.

Autonomes System

Bei diesem neuen Verfahren entfernt das robotergestützte autonome System - nach Plan und unter Aufsicht des Chirurgen - das zuvor markierte Gewebe der Vorsteherdrüse mit einem Wasserstrahl. Damit behandelt man vor allem jene Männer, deren - üblicherweise kastaniengroße - Prostata derart gewachsen ist, dass die Harnröhre zusammengepresst und das Wasserlassen zunehmend erschwert wird. "Die Prostata wächst im Laufe des Lebens unweigerlich", erläutert Schafhauser: "Ein Drittel der Betroffenen hat dadurch Beschwerden." Anders als bei anderen Operationsverfahren können die Urologen mit dem Aqua-Beam-System den zu entfernenden Teil der Prostata zu Beginn des Eingriffs besonders genau identifizieren und markieren." Die so markierten Bereiche entfernt der Roboter dann schonend mit einem Hochdruck-Wasserstrahl unter computergestützter Führung", beschreibt Schafhauser den Eingriff. Der Chefarzt ist von den Vorteilen des neuen Verfahrens überzeugt: "Der Eingriff ist hochpräzise, sehr schnell und funktioniert ohne Hitzeeinwirkung auf das Gewebe. Durch die Roboterunterstützung ist eine gleichbleibend hohe OP-Qualität garantiert."

Keine Inkontinenz

Der Patient profitiere so gleich mehrfach von der neuen Technik: "Die Operationszeit ist sehr kurz und der Blasenschließmuskel kann geschont werden, so dass keine Gefahr der Inkontinenz besteht. Aber auch die Erektionsfähigkeit und der Samenerguss - und damit die Zeugungsfähigkeit - können mit großer Wahrscheinlichkeit erhalten werden." In einer internationalen klinischen Studie wurde die Standardmethode "transurethrale Resektion der Prostata (TURP)" mit der Aquablation verglichen. Hierbei wurden die Sicherheit und gleichwertige Wirksamkeit der Aquablation-Therapie bestätigt. Durch den Verzicht auf Hitze, wie bei den Methoden TURP und Laser, ist die Zeit bis zur Abheilung erheblich kürzer. In Deutschland unterziehen sich jährlich etwa 60 000 Männer einer Operation in Folge einer gutartigen Prostatavergrößerung - etwa 200 solcher Eingriffe werden am Klinikum Fichtelgebirge durchgeführt. Die ersten in Marktredwitz behandelten Patienten äußern sich hochzufrieden mit den Ergebnissen.

Das Team um Dr. Alexander Kugler vom Prostatazentrum am Klinikum Fichtelgebirge bei den ersten Operationen mit dem neuen Aqua-Beam-System.
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