19.09.2021 - 13:41 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Hohe Auszeichnung für Birgit Seelbinder

In wenigen Tagen erhält die Marktredwitzer Altoberbürgermeisterin Birgit Seelbinder die Verdienstmedaille des tschechischen Außenministers. Die seltene Ehrung gibt es für ihren jahrelangen Einsatz bei vielen grenzüberschreitenden Projekten.

Die Marktredwitzer Altoberbürgermeisterin und Ex-Präsidentin der Euregio Egrensis, Birgit Seelbinder, wird am 24. September mit der Medaille für Diplomatie des tschechischen Außenministers für Verdienste um gute internationale Beziehungen ausgezeichnet.
von Autor FPHProfil

Gute internationale Beziehungen - für Birgit Seelbinder von jeher eine Herzensangelegenheit. Nicht nur als Politikerin, sondern auch als Privatmensch, als der sie viele Länder der Welt bereist hat. Die Altoberbürgermeisterin der Stadt Marktredwitz, die 28 Jahre lang Präsidentin der Euregio Egrensis war, wird am 24. September für ihre Verdienste um gute internationale Beziehungen mit und zu Tschechien geehrt. Der 73-Jährigen wird bei der gesamtbayerischen Mitgliederversammlung der Euregio Egrensis in Wunsiedel die Verdienstmedaille für Diplomatie des tschechischen Außenministers verliehen.

"Ich war ganz überrascht, als ich das Schreiben von Generalkonsulin Kristina Larischová bekommen habe", erzählt Seelbinder und nippt an ihrem Tee mit frischem Ingwer und Zitrone. Erfreut und stolz zugleich ist sie, denn diese Ehrung ist bislang nur einer einzigen Deutschen zuteil geworden: Barbara Stamm. Die CSU-Politikerin saß von 1976 bis 2018 im Bayerischen Landtag und war von 2008 bis 2018 auch dessen Präsidentin. Posthum ging diese Auszeichnung auch an den FDP-Politiker Klaus Kinkel, der von 1993 bis 1998 Vizekanzler und von 1992 bis 1998 deutscher Außenminister war. Ansonsten gab es diese Ehrung bislang nur für verdiente Persönlichkeiten aus anderen Ländern.

Die Generalkonsulin hatte sich wohl stark gemacht für eine Nominierung Seelbinders, mit der sie viele Jahre verbinden, in denen sie an einem Strang zogen, nämlich dem der Völkerverständigung.

Rückblende: Gleich nach der Grenzöffnung 1990 nimmt die damalige Marktredwitzer Oberbürgermeisterin das Heft des Handelns in die Hand. Dass die sprachbegabte Kommunalpolitikerin, die fließend Englisch und Französisch spricht, sofort damit beginnt, Tschechisch zu lernen, ist für sie selbstverständlich. Die Sprache des anderen zu verstehen, ist ihr wichtig.

Juristische Dissertation

Die jahrzehntelange Arbeit im bayerisch-tschechischen Miteinander ist der Politikerin immer wichtig gewesen. "Ich habe meine juristische Dissertation schon über grenzüberschreitende Zusammenarbeit geschrieben." Dadurch, dass sie mit der Euregio Egrensis zu den Vorreitern diplomatischer Beziehungen gehörte, die auch Sachsen und Thüringen mit einschlossen, seien auch die höheren staatlichen Stellen schon früh auf die Region hier aufmerksam geworden.

Eines der größten Events in den Jahren intensiver grenzüberschreitender Zusammenarbeit sei sicherlich die Landesgartenschau gewesen, die 2006 in Marktredwitz und Eger über Grenzen hinweg Abertausende Menschen in jene Region lockte, die einstmals hermetisch durch den Eisernen Vorhang getrennt war. Durch die Euregio seien viele Fördermittel in die Kommunen der Region geflossen.

Als ein Dilemma bezeichnet die ehemalige Präsidentin, die im November 2020 den Stab an Nachfolger Peter Berek, den Landrat des Landkreises Wunsiedel, abgegeben hat, die Corona-Pandemie. "Dadurch sind viele Projekte ins Stocken geraten", bedauert Seelbinder. Gerade im grenzüberschreitenden Austausch seien die persönlichen Begegnungen enorm wichtig. Und somit sei vieles auf der Strecke geblieben, unter anderem der Schüleraustausch. "In Bayern wie in Tschechien waren ja die Schulen geschlossen, ein Gastschuljahr fand somit nicht statt."

Austausch von Ärzten

Abgesehen von der Pandemie gibt es noch einige Themen, die die einstige Marktredwitzer Oberbürgermeisterin umtreiben. "Das Gesundheitswesen beschäftigt mich noch substanziell." Der Austausch von Ärzten und Kliniken zwischen Bayern und Tschechien müsste ihrer Ansicht nach intensiviert werden. "Die Qualität ist ja auf beiden Seiten da." Im Rettungswesen laufe es jetzt besser, doch im Finanzwesen sieht Seelbinder ein Ungleichgewicht, "das sich bei allen Projekten bemerkbar macht, weil es unterschiedliche Zuständigkeiten gibt". Diese unterschiedlichen Zuständigkeiten seien gerade in der Pandemie ganz deutlich geworden.

Langjähriger Kontakt

"Die Landesgrenze sollte nicht immer die Entscheidungsgrenze sein", fordert die Ex-Präsidentin der Euregio Egrensis, die in ihrem Amt von 1992 bis 2020 vom Kalten Krieg über extreme Euphorie bis hin zur Nüchternheit alle Phasen der Völkerverständigung durchlebt habe. Durch die lange Arbeitszeit in der Euregio haben sich für die Politikerin eine Kontinuität und ein Netzwerk entwickelt, die ihr die Arbeit erleichtert haben. "Dazu zählt auch der langjährige Kontakt zu Generalkonsulin Kristina Larischová."

Und die ist es auch, die Seelbinder mitteilt, dass sie nominiert worden ist für die Verdienstmedaille der Diplomatie: "In Ihrer Position als Kommunalpolitikerin und langjährige Präsidentin der Euregio Egrensis haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass die moderne europäische Diplomatie nicht nur eine Angelegenheit von professionellen Diplomaten ist, sondern dass durch den Aufbau von grenzüberschreitenden Partnerschaften sowie durch die Verwirklichung gemeinsamer Projekte zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Ländern und Völkern beigetragen werden kann. Die Ergebnisse dieser unzähligen Projekte, die Menschen grenzüberschreitend verbinden, stellen konkrete Argumente zugunsten eines vereinten Europas dar." Die Generalkonsulin wird Seelbinder die Verdienstmedaille des tschechischen Außenministers am 24. September persönlich überreichen.

So eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit steht und fällt mit dem Einsatz und dem Engagement der Menschen, das weiß auch Seelbinder. "Und ganz wichtig ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe." Ihr Amt als Präsidentin habe sie mit dem Wechsel an Peter Berek "in gute Hände übergeben". Sie sei ganz zuversichtlich, dass ihre Arbeit gut fortgesetzt werde. Doch jetzt müssten alle noch einmal einen Schritt rückwärts machen, um dort anzuknüpfen, wo man 2020 vor der Pandemie hat aufhören müssen.

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"Ich war ganz überrascht, als ich das Schreiben von Generalkonsulin Kristina Larischová bekommen habe."

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