22.05.2019 - 16:57 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Horst und Bärbel Kießling machen Kunst aus Funden, Farben und Ideen

Horst und Bärbel Kießling sind ein international anerkanntes Künstler-Duo. Die Technik-Vielfalt des Ehepaares ist enorm und nahezu grenzenlos, was Form, Farbe und Ausgangsmaterialien anbelangt.

Horst und Bärbel Kießling aus Marktredwitz.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Liste mit den Werken zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“, bei denen das Ehepaar erfolgreich war, ist lang. In Franken, Sachsen, in der Oberpfalz, in Tschechien, Ungarn oder Italien tragen bedeutende zeitgenössische Bauwerke die künstlerische Handschrift von Bärbel und Horst Kießling aus Marktredwitz. Das Künstlerehepaar ist sehr vielseitig. Malerei in Mischtechniken aller Art, Skulpturen und Installationen sind sein Metier. Praktisch ständig läuft irgendwo eine Ausstellung mit Werken der beiden Künstler. Regensburg, Berlin, Bamberg, Bozen, Brixen, Nürnberg, Marktredwitz oder Waldsassen sind nur einige Orte, in denen die beiden bereits ihr vielseitiges Werk präsentiert haben. Sie sind Preisträger zahlreicher Wettbewerbe auf regionaler, überregionaler und internationaler Ebene und Mitglieder im internationalen Verband der Bildenden Künste, im Kunstverein Hochfranken und „Focus Europa“.

Die Marke Kießling

In etwa 50 Jahren sind die Kießlings zur Marke in Sachen Kunst im öffentlichen Raum, in Malerei, Grafik und Plastik geworden. Der Name steht für Gestaltungsfreude und -vielfalt, für Können, für hohen künstlerischen Anspruch. Das Ehepaar arbeitet mit vielen Materialien wie Stahl, glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Holz, Glas, Stein oder Bronze. Fundstücke von ihren Reisen mit dem Wohnmobil bringen sie mit nach Hause, zum Beispiel Treibholz oder Wüstensand, erklären die Islandfans.

Ihr Atelier ist eigentlich der Balkon an ihrem Haus. Der ist so konstruiert, dass er überdacht werden kann und so in der kalten Jahreszeit zur beheizten Künstlerwerkstatt wird. Oft arbeiten sie darin gemeinsam, unabhängig voneinander, manchmal er oder sie alleine und manchmal an gemeinsamen Projekten. Für Kunstobjekte, die sich rein größen- oder materialmäßig zu Hause nicht realisieren lassen, mieten sie sich in entsprechenden Werkstätten ein.

Positiv ansprechen

Bärbel und Horst Kießling wollen mit Kunst berühren, begeistern, bewegen. Horst Kießling formuliert das so: „Wir möchten Menschen positiv ansprechen, sie anregen, sich mit Fantasie in unsere Kunst einzudenken, sich vielleicht darin wiederzufinden, die zweite, tiefere Ebene im Werk zu entdecken. Wir wollen nicht abbilden, sondern – wie es Paul Klee formulierte – sichtbar machen.“ Am Markt 30a, Ecke Ottostraße, betreibt das Ehepaar seine „kleine Galerie“.

„Ich bin ein echter Fichtelgebirgler“, sagt Horst Kießling. Der gebürtige Marktleuthener wohnte in seiner Jugend in Wunsiedel, dann in Marktredwitz. Der heute 81-Jährige war bis zu seiner Pensionierung der Leiter des Staatlichen Schulamts Wunsiedel. Mit seiner Frau Bärbel (77) hat er sich seit vielen Jahrzehnten mit künstlerischen Aufgaben und Gestaltungen beschäftigt. Horst Kießling hat schon immer Kunst gemacht, seit er denken kann, erzählt er. Als Seminarleiter hat er Junglehrer in musischen Fächern ausgebildet. In dieser Eigenschaft war er bayernweit und in den neuen Bundesländern tätig. Als Wunsiedler Schulamtsdirektor habe er gute Kontakte zu seinen Tirschenreuther Kollegen Ludwig Spreitzer und Siegfried Himmelstoß gepflegt.

Bärbel Kießling ist gebürtige Berlinerin, aufgewachsen in Tirol und Oberbayern, bevor es sie, der Liebe wegen, nach Oberfranken, „ins sibirische Bayern“, wie sie sagt, verschlug. „Ich habe anfangs wettermäßig sehr gelitten“, beschreibt sie das raue Klima. „Dafür haben mich die Leute hier sehr herzlich aufgenommen.“ Im Berufsleben war sie selbstständige Lehrerin für Bürokommunikation.

Kunst studiert

Den Ruhestand begann sie mit einem vierjährigen Kunststudium in Nürnberg mit dem Abschluss „Freie Bildende Künstlerin“. Um sich körperlich fit zu halten, ist das Ehepaar fast täglich zwischen einer halben und einer Stunde unterwegs beim gemütlichen Nordic Walking. „Ansonsten kasteien wir uns nicht, sind wir eher die Genießer.“

Außer bei der Kunst am Bau, wo man grundsätzlich zusammen auftrete, macht jeder von beiden seine eigene Kunst. „Auf dem Weg zum fertigen Bild entstehen bei mir fast immer Mischtechniken“, sagt Horst Kießling. Oft spielten dabei Unverträglichkeiten diverser Farben eine Rolle, zum Beispiel nichtwasserlöslicher Autolack kombiniert mit Wasser. „Denn was sich nicht verträgt oder verbindet, schafft oft tolle, unvorhersehbare Strukturen. Da passieren wahnsinnige Dinge“, verrät er.

Bärbel Kießling formt auch Tonskulpturen, die eigene Hauskatze beispielsweise ist aus diesem Material. Auch Steine, die sie unter Wachs fixiert, werden nicht selten zum Kunstwerk. „Ein ganz besonderer Reiz“, sagt die Künstlerin. Gerne „malt“ sie auch mit Sand, den sie etwa aus dem Urlaub auf Lanzarote mitbringt. Sogar verrostete Eisenteile, die sie auf dem Schrottplatz findet, verarbeitet sie in ihren Werken. Beide Künstler sind sich einig, dass die meisten Bilder erst bei der Arbeit wachsen, im Gegensatz zu den Aufträgen für den öffentlichen Raum, die lange, exakt und detailliert vorgeplant sein müssen. Das wichtigste dabei: „Am Schluss muss alles stimmig in sich sein.“

Im „Kopfspeicher“

Viele Eindrücke speichern die Kießlings im Kopf ab. Das bleibe dann oft lange dort liegen, manches werde vergessen, manches erscheine plötzlich wichtiger. Ein Prozess der oft mehrere Jahre dauere. „Dann taucht ein bestimmtes Bild wieder auf und will sichtbar gemacht werden.“

Vor allem mit der Kunst am Bau haben sich Horst und Bärbel Kießling einen Namen gemacht. Hier posieren sie für die Kamera vor dem Werk: „Gemeinsam sind wir stark“ in Marktredwitz.
„Hekla Island“ von Horst Kießling.
„Meine Leseecke“ von Bärbel Kießling.

Mich haben die Leute hier sehr herzlich aufgenommen.

Bärbel Kießling

Ich bin ein echter Fichtelgebirgler.

Horst Kießling

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.