(wro) In der Regel finden in der Pfaffenreuther Auferstehungskirche die Gottesdienste einmal im Monat statt. Seit knapp elf Jahren läuten dort auch wieder die Glocken, die ab dem Zweiten Weltkrieg verstummt waren. Dass sie diese Pflicht ausnahmsweise an einem ausklingenden Nachmittag erledigen durften, war eher ungewöhnlich. Der evangelische Gottesdienst wurde von zwei Geistlichen, Pfarrer Dr. Silfredo Dalferth und Christoph Schmidt, geleitet. Am Altar stand das Seelsorgerteam diesmal aber nicht. Der gut besuchte "Tag der Kantorei" in der kleinen Dorfkirche war nicht nur ein Aufeinandertreffen der Marktredwitzer Chöre. Zugleich aber war es ein Anlass des Abschieds, wie Kantor Michael Grünwald sagte. Drei langjährige Mitglieder verließen den Singkreis. "Sie haben das Gemeindeleben mitgetragen", dankte Pfarrer Schmidt Karl Spörrer, der seit 1955 mitgewirkt hat. "Sie sind jetzt frei", entsandte er auch Irmgard Spörrer (seit 1975 dabei) und Brigitte Sauer (seit 1968) in den Ruhestand. "Sie fühlten sich der Pfarrei stets verpflichtet", ergänzte der Pfarrer.
Vorangegangen war ein abwechslungsreiches, beeindruckendes Kirchenkonzert, getragen von Chören und Solisten. "Uns erwartet ein großes Programm", hatte Kantor und Moderator Michael Grünwald nicht zu viel versprochen. Am Piano: Karl-Dietfried Adam. Den Auftakt machten der "Große Marktredwitzer Chor" mit "Singet dem Herrn" von Johann Pachelbel. Grünwald, der zuvor eine öffentliche Probe abgehalten hatte, wandte sich regelmäßig an die Zuhörer, lenkte mit humorvollen Beiträgen die Aufmerksamkeit auf die nachfolgenden Stücke und informierte über Details.
Das Publikum fand sich in einer Doppelrolle als begeisterte Zuhörer und aktiv Mitwirkende. Ohne Gesangbuch (die Texte lagen auf) stimmte man ein in das "Nun jauchzet dem Herrn alle Welt", wenige Notenblätter danach auch in den Kanon "Danket dem Herrn". Michael Grünwald empfahl: "Ihr dürft applaudieren." Der Bann, sofern überhaupt vorhanden, war gebrochen. "Alle meine Entchen" - in allen Variationen an der Orgel gespielt und miteinander gesungen - ging vielstimmig ganz leicht von den Lippen. Grünwald, der das 1726 gebaute Kircheninstrument selber bediente, kommentierte die hohe Kunst des Pfaffenreuther Orgelspiels mit Blick auf das kleine Manual damit: Das sei, wie wenn man von einem kleinen Fahrrad auf ein Hochrad wechseln würde. Mit Blick auch auf das zuvor gespielte Kinderlied meinte er, der heutige Anlass sei ein Sommerkonzert: "Da darf es Spaß machen." Der Nachmittag verlief kurzweilig und vielseitig. Für klangliche Höhepunkte sorgten der Kammer- und Gospelchor "Good News", ebenso das Vokalensemble "Gloria Petri" mit Michael Grünwald, Mandy Drechsler, Jutta Schmidt und Michael Waldemeier.
Der "Tag der Kantorei" war eingebunden in einen Gottesdienst. "Eines aber kommt bei Heiligen Messen stets zu kurz", bedauerte der Kantor das Fehlen der Abendlieder bei den regelmäßigen Morgenfeiern. Diese werde man jetzt hören und damit den Abend einläuten. Mit dem Segen rundete Pfarrer Dalferth den geistlichen Part ab. Michael Grünwald fügte noch hinzu, dass der Spendenerlös für die Finanzierung der Bachkantate "Lobe den Herrn" am Reformationssonntag bestimmt sei.
Marktredwitz
30.07.2018 - 13:28 Uhr
Kinderlied und Chorgesang
von Werner Robl
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